GRAFENRHEINFELD

Taiko – ein Sound geht in die Beine

Voller Körpereinsatz: Noboru Tanaka (Mitte) begeisterte mit der japanisch-deutschen Taiko-Formation Waraku-kai SHOU in der Grafenrheinfelder Kulturhalle.
Voller Körpereinsatz: Noboru Tanaka (Mitte) begeisterte mit der japanisch-deutschen Taiko-Formation Waraku-kai SHOU in der Grafenrheinfelder Kulturhalle. Foto: Daniela Schneider

Manche Konzertbesucher gönnen sich gerne mal ein entspannendes Nickerchen, doch das konnte man beim Konzert der japanischen Taiko-Gruppe Waraku-kai SHOU in der Grafenrheinfelder Kulturhalle getrost vergessen. Es wäre auch zu schade gewesen, nur eine Minute dieses furiosen Spektakels zu verpassen.

Taiko ist das japanische Wort für „Dicke Trommel“, bezeichnet aber nicht nur das Instrument, sondern vielmehr die Kunst des japanischen Trommelns. Das Klangerlebnis ist extrem laut, sehr kraftvoll, rhythmisch und absolut mitreißend. Die energiegeladenen Trommler produzieren einen tiefen, basserfüllten, ungewohnten Sound, der sprichwörtlich durch „Mark und Beine“ geht, der Körper und Seele erfüllt und sonor schwingen lässt.

Geschlagen werden große, fassförmige Röhrentrommeln, aber auch die kleineren Shime Daikos, tragbare Okedos und die gigantische Odaiko, dazu gesellen sich Flöten, die dreisaitigen Shamizen und Gesang. Die Formation ist ein völkerübergreifendes Projekt, das Trommler in Japan und Deutschland unter dem Dach von Waraku-kai SHOU vereint. In Würzburg leitet Michael Röthlein die Gruppe „Todoroki“, im süddeutschen Raum gibt es „Dainataiko“ (Beatrix Wagner) und im Norden „Nanami Daiko“ (Dagmar Becker) aus der Nähe von Hildesheim. Gemeinsam ist allen Deutschen der Taiko-sensai, der Lehrer Noboru Tanaka aus Yokohama, bei dem die beiden Damen vor Ort unterrichtet wurden, während Michael Röthlein Workshops des Tanaka-sensais in Deutschland besuchte

Seit zehn Jahren kommt der Meister mit einigen seiner japanischen Schüler nach Deutschland für Workshops und um gemeinsam mit Mitgliedern der drei Taiko-Gruppen mehrere Konzerte zu veranstalten. Erstmals war er im Schweinfurter Raum konzertant und überhaupt unterwegs und fühlte sich sichtlich wohl in dieser „fröhlichen Stadt“, auch wenn er sich etwas über die Namensgebung wunderte.

Die Trommler sind überhaupt fröhliche Menschen, denn Taiko schafft es, sich den Frust einfach von der Seele zu dreschen, ist aber auch die Kunst des Zusammenhalts, der Synchronität und der Körperbeherrschung, der Demut und Dezenz den trommelnden Kollegen gegenüber.

Das Konzert offenbarte sich als künstlerisches Gesamtpaket, moderiert von „Neu-Japaner“ Peter Ulanski, der zwar des Öfteren mit seinem Zettelgewerk kämpfte, aber doch einiges über Japan verriet. Schon das Bühnenbild war ein monumentales Werk aus der Gegend von Aomori, voller wilder Farben und grimmiger Dämonen auf zartem Papier, normalerweise hinterleuchtet, aber das klappte wohl auf der Bühne nicht. Als Kulisse war es auch so beeindruckend genug, ein malerisches Sinnbild der energiegeladenen Kraft der Musiker auf der Bühne, die in gut zwei Stunden einen schweißtreibenden, akustischen Klangparcours absolvierten.

Die Titel der Werke – fremdländisch wohlklingend wie Onnagumi-Mu – ein Frauenstück mit mehrheitlich deutscher Beteiligung und dem männerdominierten Pendant Otoko-Gumi Dai-Mu. Doch die Japaner waren auch für Überraschungen gut, so gab es die deutsche Nationalhymne als betörend-meditatives Flötenstück. Klanggewaltig verabschiedete sich die Truppe mit „Nobori“ von Noboru Tanaka, das der Sensai traditionell am Ende aller seiner Konzerte spielt und für Musiker wie Publikum stets ein ganz besonderes Erlebnis ist. Das Publikum tobte und ließ Waraku-kai SHOU erst nach mehreren, fröhlich zelebrierten Zugaben ziehen.

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