MUSEUM GEORG SCHÄFER

Talent kennt kein Geschlecht

Katharina Geiger: Schweinfurter Vogelschuss, nach 1804, Öl auf Leinwand, 60 x 75 cm, zu sehen in der neuen Ausstellung des Museums Georg Schäfer. Foto: Museen GEorg Schäfer

Eine besondere Ausstellung mit dem Titel: „Talent kennt kein Geschlecht. Malerinnen und Maler der Romantik auf Augenhöhe“, zeigt das Museum Georg Schäfer vom 16. Februar bis 10. Mai. Vertreten sind 16 Künstlerinnen, darunter Angelika Kauffmann, Caroline Bardua, Marie Ellenrieder und Louise Seidler, sowie 20 Künstler.

Während in den Jahrhunderten zuvor den Künstlerinnen allenfalls der Status von Ausnahmetalenten zuerkannt wurde, erfolgte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein breiter Aufbruch der Malerinnen als eine sich untereinander vernetzende Gruppe, heißt es in einer Pressemitteilung des Museums. Dieser Aufbruch ging in Deutschland von wenigen, für Frauen nunmehr offenstehenden Kunstakademien aus und traf auf erhebliche Vorurteile seitens der männlichen Kollegen.

Selbst Künstler, die in direktem Kontakt zu einer Kollegin standen, ja mit ihr befreundet waren, sahen deren Handeln im Zusammenhang mit dem gesellschaftlich geforderten Rollenbild der Frau. So „lobte“ Wilhelm von Kügelgen seine Kollegin Caroline Bardua mit den Worten „An Ausdauer, Fleiß und Konzeptionsfähigkeit übertraf sie ihr Geschlecht“. Das Qualitätskriterium war also nicht die Kunst ihrer Zeit, sondern die Kunst der Frauen.

Aber gab es überhaupt eine geschlechtsspezifische Kunst? Nach heutiger Ansicht ist dies zweifelhaft, doch 1834 forderte die englische Kunstschriftstellerin Anna Jameson von den Malerinnen, in ihren Werken solle der „weibliche Verstand“ und ihre Hand als eigene Macht zum Ausdruck kommen. Sie traf während ihrer Reisen auf die führenden deutschen Künstlerinnen und beginnend mit Raffael reihte sie deren Werke ein in die lange Geschichte der Malerei – ein Statement, das damals so wenig selbstverständlich war wie überhaupt das Urteil einer Frau in Sachen Kunst. Ein weiteres Vorurteil war die Behauptung, dass sich die von Frauen gemalten Bilder in der Qualität nicht mit denen der Männer messen konnten. Aufgrund der Ausstellungspraxis der Zeit gelang es nur wenigen Malerinnen, dies durch direkte Vergleiche widerlegen zu können.

Für die Ausstellung wurden insgesamt 40 Arbeiten, hauptsächlich Gemälde, aus 23 Museen, Kirchen und privaten Sammlungen geliehen und mit 50 Arbeiten aus dem Museum Georg Schäfer vereint. Viele Werke waren noch nie öffentlich zu sehen, neu ist auch die Kombination der Werke anhand vergleichbarer Themen und Techniken. Ausstellung und Katalog gehen dabei auch der Frage der historisch einzuordnenden Rollenzuweisung als Künstlerin in der Romantik nach.

Dabei sind die Themenkreise der Ausstellung in acht Sektionen chronologisch angelegt und reichen von der Stillebenmalerei über höfische Porträts, Familie und Geselligkeit bis hin zu Italien und Raffael als Vorbild. Durch die Gegenüberstellung mit Werken von männlichen Zeitgenossen ergeben sich Vergleiche hinsichtlich der Themenbehandlung, der Qualität wie auch der Bildtraditionen von ca. 1770 bis 1840.

„Talent kennt kein Geschlecht. Malerinnen und Maler der Romantik auf Augenhöhe“, Ausstellung im Museum Georg Schäfer, 16. Februar bis 10. Mai. Eröffnung: Samstag, 15. Februar, 15 Uhr. Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog im Hirmer Verlag. Begleitprogramm: Kuratorenführungen mit Museumsleiter Prof. Dr. Wolf Eiermann, Dienstag, 3. März, 18.30 Uhr; Sonntag, 19. April, 11 Uhr. Sonntag, 8. März, 10-17 Uhr: Internationaler Frauentag, freier Eintritt für alle Frauen. Führungen um 14 und 15 Uhr: „Mächtig ist die Malerin, die mit Kopf und Hand malt“, mit Colleen Reuss. Donnerstag, 9. April, 10.30-13 Uhr: Osterferien-Workshop: Pinsel und Farbe sind für alle da, für Kinder von 6 bis 12 Jahre Ostermontag, 13. April: 11 Uhr Matinee: Kuratorenführung mit Prof. Dr. Wolf Eiermann; 14 Uhr Kuratorenführung mit Prof. Dr. Wolf Eiermann (nur in Kombination mit dem Konzertbesuch); 15.30 Uhr Konzert „Talent kennt kein Geschlecht – Komponistinnen und ihre Kollegen auf Augenhöhe“, mit Anja Gutgesell, Gesang, und Bernhard Kuffer, Klavier; Kombiticket für Führung, Eintritt und Konzert 20 Euro, ermäßigt 18; Eintritt nur für das Konzert 12/10 Euro. Samstag, 25. April, 11-14 Uhr: Zeichnen im Museum: Trau dich! Zeichnen nach Modell

Frech – fröhlich – mütterlich: Frauenleben in allen Facetten. Unter dem Eindruck der Bilder der Sonderausstellung soll im Workshop das Zeichnen nach einem (bekleideten) Modell geübt werden. Es gibt einfache Seh- und Zeichenübungen zum Aufwärmen, die auch ungeübten Zeichnern einen Einstieg bieten. Der Kurs richtet sich an Neugierige, Anfänger und Fortgeschrittene ab 14 Jahren, die Spaß am Zeichnen haben.

Maximal 15 Teilnehmer, Kosten 15 Euro (Modellgebühr wird direkt im Kurs entrichtet), Anmeldung unter (09721) 514830.

Catharina und Nikolaus Treu: Ein mit Blumen bekränztes Kind, das eine Traube in der Hand hält, daneben ein Blumenstrauß nebst Früchten, o.J., Öl Leinwand, 81,5 x 100 cm. Foto: Museen der Stadt Bamberg, Jürgen Schraudner

Rückblick

  1. Der Zauber mediterraner Kulturen
  2. Eine Ode an Liebe und Freiheit
  3. Eine Geschichte vom Erwachsenwerden
  4. Anspruchsvolles für Flöte und Streicher
  5. In der Königsklasse
  6. Sternstunden am Klavier
  7. In Andenken an einen Engel
  8. Sichtbares im Unsichtbaren
  9. Spielzeug aus Schweinfurt
  10. Der größte deutsche Medienskandal
  11. Hommage an einen Weltstar
  12. Künstler mit Talent und Potenzial
  13. Rückert hätte kein Denkmal gewollt
  14. Stilikone und Liebling der Epoche
  15. Zunehmen vor dem Abnehmen
  16. Kurzfilmtage auf Herbst verschoben
  17. Kunstkaufhaus und Kunst-Karrée
  18. Hardcore für die Seenotrettung
  19. Skandalumwittert und revolutionär
  20. Von hohen Herren und bösen Schweinen
  21. Eine Hommage an Ernst Mosch
  22. Farben und ihre Wirkung auf Körper und Seele
  23. Vom Wert des Lebens und des Todes
  24. Oskar und Oma Rosa
  25. Tanzende Küken in ihren Eierschalen
  26. Eine große Liebe in modernen Zeiten
  27. Klassische Musik mit Slapstick
  28. Der Zauber des Schauspiels
  29. Künstler aus der ganzen Welt zu Gast
  30. Bummeln und Kunst shoppen
  31. Neuauflage für das Kunst-Karrée
  32. Landschaft und menschlicher Körper
  33. „Schwerkraft – Fliehkraft“ in der Kunsthalle bis 8. März
  34. Kreatives rund um Friedrich Rückert
  35. Rock ?n? Roll und Heimatfilme
  36. Einblicke in die Stadtgeschichte
  37. Die Biene auf der Bühne
  38. Poetisches Wellenbad der Gefühle
  39. Frauenpower im Mittelpunkt
  40. Auf den Spuren der Liebe
  41. Auf ein Bier mit Onkel Punkrock
  42. Dampferfahrt, Weinprobe und Musik
  43. Neues Buch von Klaus Gasseleder
  44. Ein breites Spektrum gezupfter Klänge
  45. Matinée, gregorianischer Choral und Oratorium
  46. Poet mit Feder und Schere
  47. „Gesang von mir selbst“
  48. Zeit für Veränderungen
  49. Reisterrassen und Traumstrände
  50. Elf sehenswerte Kurzfilme

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