THEATER

Tanzende Küken in ihren Eierschalen

Sol Gabetta, die stets auf der Suche nach Repertoire jenseits des Wohlbekannten ist, besticht mit ihrer Virtuosität am Cello.
Sol Gabetta, die stets auf der Suche nach Repertoire jenseits des Wohlbekannten ist, besticht mit ihrer Virtuosität am Cello. Foto: Julia Weseley

Zunächst wird die spannende Musik des polnischen Nachbarlandes von den Bamberger Symphonikern – bayerische Staatsphilharmonie unter der musikalischen Leitung von Krzysztof Urbañski am Sonntag, 26. April, um 19.30 Uhr (Konzertmiete I und freier Verkauf) in den Fokus gerückt. Wojciech Kilar, der 2013 verstorbene und am Ende seines Lebens besonders für seine Filmmusiken bekannte Komponist wird in Erinnerung gerufen. Doch er hat ebenso hypnotische Werke für den Konzertsaal komponiert, darunter das atmosphärische Stück „Orawa“. Es ist ein musikalisches Abbild der gleichnamigen Region in den Karpaten: Vor dem inneren Auge entstehen Berge mit weidenden Schafherden – und fröhliche Tänze der ländlichen Bevölkerung sind zu vernehmen.

Auch Mieczys³aw Weinberg gilt es, anlässlich seines 100. Geburtstages im Jahr 2019 mit einem hochemotionalen Werk wiederzuentdecken. Der gebürtige Pole fand nach den Schrecken der Judenverfolgung in Schostakowitsch einen künstlerischen Freund und Mentor. Das Cellokonzert entstand 1948 für Mstislaw Rostropowitsch und besticht durch einen spannungsvollen und auch nachdenklichen Lyrismus. Die Portraitkünstlerin der „Bamberger“ Sol Gabetta, die stets auf der Suche nach Repertoire jenseits des Wohlbekannten ist, lotet die virtuosen Schönheiten dieses wunderbaren Werkes aus.

Zum Abschluss spielen die Bamberger Symphoniker Mussorgskis berühmte musikalische Bilder-Galerie. Inspiriert dazu wurde er durch die Gedenkausstellung für seinen Malerfreund Viktor Hartmann. Sofort schwirrten ihm zahlreiche Ideen durch den Kopf, die er nur noch aufschreiben musste. Von einem prachtvollen Gemälde zum nächsten flaniert die Musik: Es gibt irrwitzige Darstellungen wie die tanzenden Küken in ihren Eierschalen, Szenerien von geschwätzigen Marktweibern oder der dämonischen Hexe Baba-Yaga – sowie ergreifende Stücke wie das Klangbild der Katakomben und grandioses Glockengeläut bei der Prozession durch das große Tor von Kiew.

Die gebürtige Argentinierin Sol Gabetta ist eine der bekanntesten Cellistinnen der Welt. Sie spielt in den größten Häusern und weit mehr als 100 Konzerte jedes Jahr. Krzysztof Urbañski ist Musikdirektor des Indianapolis Symphony Orchestra und seit 2015 erster Gastdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters. Zusätzlich zu Konzerten in Hamburg ging er mit dem Orchester auch auf Tourneen durch Japan und Europa und nahm „ganz ausgezeichnete Interpretationen“ (Gramophone) auf. Seine Diskografie enthält daneben eine Einspielung kürzerer Werke von Chopin für Klavier und Orchester mit Jan Lisiecki und dem NDR Elbphilharmonie Orchester für Deutsche Grammophon, die einen Echo Klassik erhielt, sowie Martinús Cellokonzert Nr. 1 für Sony mit Sol Gabetta und den Berliner Philharmonikern.

Zu jüngeren Meilensteinen in der Karriere von Sol Gabetta zählen gefeierte Debüts mit den Berliner Philharmonikern und Sir Simon Rattle bei den Osterfestspielen Baden-Baden sowie Debüts beim Mostly Mozart Festival in New York und der Opening Night der BBC Proms in der Royal Albert Hall London. Ausgedehnte Tourneen führen sie gemeinsam mit dem Finnischen Radio-Symphonieorchester durch Europa und mit dem Sinfonieorchester Basel durch Großbritannien. Gabetta war Artist in Residence beim Orchestre national de Lyon und dem Kissinger Sommer, den sie gemeinsam mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und Paavo Järvi 2018 eröffnete und bei dem sie in einem Kammermusikrezital mit Janine Jansen und Alexander Gavrylyuk zu hören war.

Krzysztof Urbañski ist weltweit gefragter Gastdirigent bei bedeutenden Orchestern wie den Münchner Philharmonikern, der Staatskapelle Dresden, dem London Symhony und Philharmonia orchestra, dem Tonhalle Orchester Zürich, den Wiener Symphonikern, dem Rotterdam Philharmonic Orchestra, Orchestre Philharmonique de Radio France, New York Philharmonic, San Francisco Symphony, Los Angeles Philharmonic und National Symphony Orchestra Washington oder dem Toronto Symphony Orchestra.

Vorverkauf ab Samstag, 7. März, Tel. (0 97 21) 51 49 55 oder 5 10 – oder Internet: www.theater-schweinfurt.de

Krzysztof Urbañski gilt als einer der vielversprechendsten unter den jungen Dirigenten-Shooting-Stars.
Krzysztof Urbañski gilt als einer der vielversprechendsten unter den jungen Dirigenten-Shooting-Stars. Foto: Marco Borggreve

Rückblick

  1. Das ganz besondere Nachsommer-Gefühl
  2. Poetry Slam hat sich etabliert
  3. Kleinod für Freunde der Buchkunst
  4. Dichterzimmer mit Augenzwinkern
  5. Junge Wilde und ihr Putsch
  6. Wie aus einem Fantasy-Roman
  7. Aus Matze Rossis Wohnzimmer
  8. Ein Schweinfurter in Berlin
  9. Planungen laufen trotz Corona weiter
  10. Poetry Slam in den Wohnzimmern
  11. Nahrung und Trost für die Seele
  12. Lustspiel wird Lehrstück über Missbrauch
  13. Satirischer Zündstoff
  14. Musikalischer Saison-Querschnitt
  15. Werke von Mahler, Dvoøák und Zemlinsky
  16. Nur mit dem Smartphone lernen
  17. „Ois is Blues“ – Willy Michl wird 70
  18. Kunstkaufhaus zum sechsten Mal
  19. Diese E-Books liest Schweinfurt in Corona-Zeiten
  20. Bernsteinfarben, feinherb, süffig
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  23. Eine Geschichte vom Erwachsenwerden
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  27. In Andenken an einen Engel
  28. Sichtbares im Unsichtbaren
  29. Spielzeug aus Schweinfurt
  30. Der größte deutsche Medienskandal
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  32. Künstler mit Talent und Potenzial
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  36. Kurzfilmtage auf Herbst verschoben
  37. Kunstkaufhaus und Kunst-Karrée
  38. Hardcore für die Seenotrettung
  39. Skandalumwittert und revolutionär
  40. Von hohen Herren und bösen Schweinen
  41. Eine Hommage an Ernst Mosch
  42. Farben und ihre Wirkung auf Körper und Seele
  43. Vom Wert des Lebens und des Todes
  44. Oskar und Oma Rosa
  45. Tanzende Küken in ihren Eierschalen
  46. Eine große Liebe in modernen Zeiten
  47. Klassische Musik mit Slapstick
  48. Der Zauber des Schauspiels
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