GEROLZHOFEN

Tanztee sorgt für ein Glitzern in den Augen

Wenn die Musiker im Wohnstift Steigerwald aufspielen, blühen die Bewohner richtig auf
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Wenn es um den Tanztee im Wohnstift Steigerwald geht, dann kommen sie alle ins Schwärmen: Die Besucher, die diesen Nachmittag kaum erwarten können, die Altenpflegerinnen, die miterleben, wie selbst verschlossene Bewohner in diesen eineinhalb Stunden regelrecht aufblühen und aus sich herausgehen, und die Musiker, die dazu rein für Gottes Lohn und den Applaus aufspielen.

Im Februar 2009 war mit dem ersten „Tanztee“ bei Musik und Tanz im Caritas-Wohnstift ein lang gehegter Wunsch der für die Betreuung der Bewohner zuständigen Altenpflegerinnen Rosemarie Pfrang und Margarete Radler in Erfüllung gegangen.

Die Musikerinnen und Musiker in der eigens für den Tanz- und Singnachmittag für die Senioren spontan zusammengestellten „Kapelle“ waren in der Anfangszeit Horst Brand (Gitarre und Saxophon), Anneliese Zeck (Klavier), der bereits verstorbene Lorenz Förster (Akkordeon), die evangelische Pfarrerin Anja Saltenberger-Barraud (Querflöte und Gesang), Alexander Klamet (Gesang und Percussion) und Julia Schöneich (Trommel).

Sie verstanden es vom ersten Ton an, die Bewohner zum Mitsingen und zum Mitschunkeln zu animieren und schließlich auch auf das Tanzparkett zu locken.

In Aktion (von links): Erich Krahm, Karl-Friedrich Diener, Katharina Müller, Horst Brand, Alexander Klamet und Corina Keller-Kaesler.
In Aktion (von links): Erich Krahm, Karl-Friedrich Diener, Katharina Müller, Horst Brand, Alexander Klamet und Corina Keller-Kaesler. Foto: Robert Neubig

Aktuell besteht die Besetzung aus den Gerolzhöfern Horst Brand (Gitarre), Anneliese Zeck (Klavier), Katharina Müller (Querflöte, Gitarre), Alexander Klamet (Gesang), Corina Keller-Kaesler (Gesang) und Karl-Friedrich Diener (Trompete). Auswärtige Verstärkung kommt mit Erich Krahm (Saxophon) aus Donnersdorf und Rainer Verne (Akkordeon, Posaune) aus Gochsheim.

Bis auf Corina Keller-Kaesler, Alexander Klamet und Katharina Müller sind alle Musiker bereits im Ruhestand. Katharina ist Sonderschulpädagogin, Alexander ist Physiotherapeut und Inhaber der Praxis Klamet, Corina betreibt als Logopädin das Logopädenhaus in Gerolzhofen.

Horst Brand ergriff die Initiative

Initiiert und organisiert wurde und wird das Ganze nach wie vor von Horst Brand. Er schreibt in vorbildlicher Weise von Anfang an die ganzen Notensätze für jedes Lied und für jedes Instrument. Für jeden Musiker und jede Musikerin hat er Ordner angelegt.

Für die Professionalität der Tanztee-Combo spricht, dass die Musiker bis heute nie geprobt haben und auch nicht vorhaben, zu proben, und dass doch jedes Mal alles auf den Punkt und Einsatz genau passt.

Bei alten Schlagern, Seemannsliedern, Evergreens und Ohrwürmern ab den 1950er-Jahren fühlen sich die Bewohner des Wohnstiftes rundherum wohl und können in den eineinhalb Stunden in Erinnerungen an alte Zeiten und einst durchtanzte Nächte schwelgen. Von Lied zu Lied kommen die Erinnerungen an die Jugendzeit, die erste Liebe und viele andere Erlebnisse hoch.

„Ein Schiff wird kommen“

Rainer Verne.
Rainer Verne. Foto: Horst Brand

Das Repertoire reicht von A wie „Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen“ bis W wie „Wiener Blut“. Aber auch Lieder wie „Griechischer Wein“ von Udo Jürgens, sein „Merci Cherie“ in der modernen Version von Helene Fischer, „Marina“, „Liebeskummer lohnt sich nicht“, der „Kriminal-Tango“ oder „Ein Schiff wird kommen“ verfehlen ihre Wirkung auf die Bewohner nicht, um nur einige weitere Beispiele zu nennen.

Alle Musiker singen und spielen, wie erwähnt, ehrenamtlich. Die Freude und Begeisterung sowie der Spaß und das Glitzern in den Augen der Heimbewohner sind ihnen Ansporn genug für die jährlich zwischen vier und fünf Auftritte.

Anneliese Zeck.
Anneliese Zeck. Foto: Robert Neubig

Corinna Keller-Kaesler: „Es ist schon immer wieder schön, wenn man in die strahlenden Gesichter blickt. Selbst wer sonst schwer aus dem Bett komme, tanze mit, und auch wer nicht mehr richtig singen könne, bewege die Lippen. Der Vorteil sei natürlich, dass alle im Publikum die gespielten Lieder in- und auswendig kennen.

Wann kommt ihr wieder?

Am schönsten und bewegendsten sei es am Ende, wenn man höre: „Wir haben uns schon so lange darauf gefreut und darauf gewartet. Es war wieder so wunderschön. Wann kommt ihr wieder?“, so Corina Keller-Kaesler.

Auch Alexander Klamet weiß: „Der Tanztee ist das Highlight, auf das alle schon Wochen lang im Wohnstift hinfiebern.“ Es sei einfach immer wieder faszinierend, wie alle mitmachen und mitsingen, trotz aller Einschränkungen. Der Sänger der Tanztee-Combo: „Ich kann hier mein mir in die Wiege gelegtes sängerisches Talent nutzen, um etwas Gutes für die Leute im Wohnstift zu tun. Das ist mein Antrieb.“

Und so freuen sich schon alle wieder auf den nächsten und ersten Tanztee nach dem Fasching im neuen Jahr gleichermaßen, Heimleitung, Altenpflegerinnen, Heimbewohner und Musiker.

 

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