OBERLAURINGEN

Tiefe Gräben in der Kirchengemeinde

Bei den vielschichtigen Auseinandersetzungen in der evangelischen Kirchengemeinde Oberlauringen geht es vor allem auch um die Frage: Bleibt Pfarrer Dietmar Schmurlack oder muss er gehen?
Kirchliche Dorf-Idylle in Oberlauringen – von wegen. Die Auseinandersetzungen in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde sind von handfester Natur und münden nun in eine Mediation.
Kirchliche Dorf-Idylle in Oberlauringen – von wegen. Die Auseinandersetzungen in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde sind von handfester Natur und münden nun in eine Mediation. Foto: FOTO Wolfgang Hüssner

Die Gräben in der evangelischen Gemeinde Oberlauringen sind offenbar tief. Das ist das Resümee einer Rundum-Recherche bei Betroffenen. Der Konflikt der Parteien gipfelt nun vorläufig in einer Mediation (siehe auch nebenstehenden Bericht). Die soll es nach Möglichkeit richten, oder zumindest wieder konstruktives Gespräch in Gang setzen und wird Ende Januar und im Februar in Oberlauringen über die Bühne gehen.

Unter großen Druck geraten ist Pfarrer Dietmar Schmurlack (57), der in Personalunion auch als Vorsitzender des Kirchenvorstandes fungiert. Aus dessen Reihen rekrutiert sich  Gegnerschaft des Geistlichen. So sprach der Vorstand sich laut Schmurlack Ende November 2008 ohne Wissen des Betroffenen in einem Treffen einstimmig dafür aus, dass das Dienstverhältnis des Pfarrers „zum nächstmöglichen Zeitpunkt beendet werden soll“.

Auslöser für diese Entwicklung war in einer Reihe von Streitpunkten wohl der Fall des Gospelchores „Voice of Glory“ gewesen, für den Schmurlack Lanzen gebrochen hat. Der Chor ist ob Zwistigkeiten mit dem Kirchenvorstand mittlerweile nach Wetzhausen abgewandert, „wo wir mit offenen Armen empfangen wurden“, berichtet Vorsitzender Georg Schmidt. Hintergrund: Gemäß eines Beschlusses des Oberlauringer Kirchenvorstandes waren die Verwaltung der Kirchengemeinde und des Chores getrennt worden, hatte sich das Ensemble als Verein eintragen lassen. Doch dies und auch die von den Kirchenvorstehern in einem Raum-Nutzungsvertrag geforderten Kosten (pro Probe 30 Euro, pro Konzert 90 Euro) hätten nur Nebenrollen gespielt. „Hauptgrund für den Weggang war“, so Schmidt, „dass wir uns nicht durch einen Nutzungsvertrag zwingen lassen wollten.“ Ein Vertrag, gegen den Schmurlack sein Veto einlegte.

Chor-Chef Schmidt indes kann sich nicht des Eindrucks erwehren, „dass der Kirchenvorstand uns irgendwie loshaben wollte, wobei wir wohl nur Mittel zum Zweck waren im Konflikt“. So habe der Kirchenvorstand sowohl angebotene Zusammenarbeit als auch den Vorschlag, doch die Gemeindemitglieder per Befragung mitentscheiden zu lassen, glattweg abgelehnt. Eine Unterschriften-Aktion habe für den Pfarrer 200 Pro-Stimmen gebracht.

Schmurlack selbst sieht in der Behandlung des Chores und auch seiner Person seitens des Vorstandes zwar eine „miese Massaker-Mentalität“, will sich aber im Vorfeld der Mediation zurückhalten. Die Mediation müsse jedoch mit fairer Schärfe geführt werden, sonst mache sie keinen Sinn. Dabei müssten Aufarbeitung und Verständigung die Basis sein, sagt der Geistliche, der seit September 2002 die Pfarrerstelle in der 800-Seelen-Gemeinde bekleidet.

Federn gelassen in den gemeindeinternen Händeln hat auch Volker Steigmeier. Der legte Ende 2007 seine Ämter als Kirchenpfleger und Vertrauensmann nieder. Grund: „Wegen ungedeihlicher Zusammenarbeit mit dem Repräsentanten und Vorsitzenden des Kirchenvorstandes der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Oberlauringen, Herrn Pfarrer Schmurlack.“ Es habe halt viel Ärger mit dem Pfarrer gegeben. Beispiel Kirchenrenovierung: Die hätte der Bauausschuss auf die Reihe gebracht, während der Pfarrer sich um nichts gekümmert hätte.

Ausschlaggebend sei aber der Gospelchor gewesen. Dem wirft Steigmeier in punkto kirchliches Finanzgefüge Verfehlungen vor. Dabei führt das Mitglied des Kirchenvorstandes 900 Euro Spendengelder ins Feld, die bei einem Konzert des Gospelchores Ende 2006 herausgesprungen seien. Diese Spende sei im Nachhinein von Pfarrer Schmurlack und Chorleiterin Michaela Lynes geteilt worden, ohne den Vorstand zu informieren. „Dabei war das ganze Geld zweckgebunden, war für die Kirchenrenovierung vorgesehen gewesen.“

Schmurlack nennt eine Spende von nur 690 Euro, die gemäß dem Spenderwillen zur einen Hälfte für den Chor und zur anderen Hälfte für die Kirche verbucht worden seien. Chor-Vorsitzender Schmidt will aber in diesem Zusammenhang betont wissen, dass der Chor, wenn er Geld wollte, stets erst Mittel beim Vorstand beantragen musste. Und der Pfarrer verweist auf schriftliche Finanz-Prüfberichte seitens des Dekanats. Auch diese würden beweisen, „dass der Chor nicht zu Lasten der Kirchengemeinde gelebt hat“.

Auf breiter Ebene übt die Vertrauensfrau der Kirchengemeinde, Elke Niklaus, Kritik am Pfarrer. Unter anderem spricht sie dabei vom Streit zwischen Kirchenvorstand und Pfarrer, bei dem nicht nur das Thema Gospel-Chor das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Der Pfarrer unterstützte den Vorstand nämlich kaum oder gar in keiner Weise. Und er sei bei Abstimmungen fast immer grundsätzlich dagegen. „Dabei könnte er es so leicht haben. Wir, der Vorstand, haben ihn damals ausgesucht. Er hat sehr sympathisch gewirkt und wir haben gesagt: Mit dem gehen wir bis ans Ende der Welt – oder zumindest bis zu seiner Rente.“ Dem Vorstand tue es leid, dass es so gekommen sei. Nun aber könne man nicht mehr mit dem Pfarrer.

Eine nach dem Weggang des Chors von Schmurlack im Pfarrbrief veröffentlichte Traueranzeige (siehe Abbildung) ist ein weiterer Mosaikstein im weiten Oberlauringer Spannungsfeld. So bleibt der Wunsch, durch eine Mediation das zerschlagene Porzellan wieder kitten zu können, vielleicht nur ein frommer.

Auch ein Stein des Anstoßes: die von Pfarrer Dietmar Schmurlack im Pfarrbrief veröffentliche Traueranzeige nach dem Weggang des Gospelchores.
Auch ein Stein des Anstoßes: die von Pfarrer Dietmar Schmurlack im Pfarrbrief veröffentliche Traueranzeige nach dem Weggang des Gospelchores. Foto: Repro Wfm

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