SCHWEINFURT

Tobias geht es besser

Zwei gute Nachrichten gleich zu Beginn: Tobias Weigand geht es besser, er macht kleine Fortschritte und seine Eltern haben die Hoffnung, dass er eines Tages wieder mit seiner Schwester spielen kann. Die zweite Nachricht betrifft die Typisierungsaktion vom Januar 2009. Von den 4600 Menschen aus der Region, die sich registrieren ließen, haben bislang sieben einem Schwerkranken Stammzellen gespendet.
Tobias macht dank einer Therapie in den USA kleine Fortschritte.
Tobias macht dank einer Therapie in den USA kleine Fortschritte. Foto: FOTO Weigand
„Ohne den Rückhalt unserer Freunde und die überwältigende Unterstützung so vieler Menschen aus der Region wären wir mit Tobi nie so weit gekommen“, sagt seine Mutter Ruth Tellert-Weigand. Deswegen sind sie und ihr Mann bereit, die Öffentlichkeit über die letzten Monate zu informieren. Wie berichtet, erkrankte Tobias im Herbst letzten Jahres an der lebensbedrohlichen Bluterkrankung Hämophagozytose. Dabei kam es zu einer großflächigen Entzündung seines Gehirns. Nach insgesamt sieben Monaten Klinikaufenthalt, zuletzt in der neurologischen Akutklinik in Vogtareuth, wurde Tobias Ende April als unheilbar nach Hause entlassen.

Die Weigands wollten diese hoffnungslose Prognose nicht akzeptieren. Ruth Tellert-Weigand verbrachte ihre ohnehin schlaflosen Nächte am Computer und suchte im Internet nach alternativen Therapien. So kam sie auf die Doman-Therapie des Family Hope Centers in Philadelphia. Im Juni flogen die Eltern mit Tobias und einer Krankenschwester in die USA und lernten innerhalb weniger Tage viele Übungen, die die gesunden Hirnareale animieren sollen, die Fähigkeiten zerstörter Bereiche zu übernehmen.

„Vor zwei Jahren hätte ich das noch als Humbug abgetan“, sagt Vater Jürgen Weigand, selbst Arzt. In Philadelphia sahen die Beiden gelähmte Kinder, die das Laufen lernten, hirnblinde Kinder, die wieder sehen konnten und autistische Kinder beim Teamsport. Alle waren von Ärzten in ihrer Heimat als hoffnungslose Fälle eingestuft. Diese Erfolge bestärkten die Weigands in ihrer Überzeugung, alle Kraft in die Therapie zu stecken, die täglich mindestens sechs Stunden in Anspruch nimmt. Unterstützt werden sie von erfahrenen Schwestern der Sozialstation, von Familie und Freunden.

Die Therapie mit jährlich zwei Aufenthalten im Family Hope Center kostet rund 10 000 Euro im Jahr. Die Krankenkassen lehnen eine Beteiligung an den Schulungskosten ab, wegen der fehlenden medizinischen Anerkennung, wie es in einer Pressemitteilung von Jürgen Lindemann vom Freundeskreis heißt. Dazu kamen 8000 Euro für den Kauf einer Druckkammer. Erste Versuche in Philadelphia hatten gezeigt, dass diese Behandlung Tobias sehr gut tut. Durch den höheren Luftdruck in der Kammer wird die Sauerstoffversorgung des Blutes und der Zellen verbessert, was die Genesung des Gehirns unterstützt. Außerdem kann sich Tobias wunderbar entspannen und schläft meist in den zwei Stunden, die er täglich in der Kammer verbringt, erzählt seine Mutter.

Abgesehen davon, braucht diese Therapie keine teuren Hilfsmittel. Fast alle Gegenstände gibt es in jedem Haushalt oder können mit wenig Aufwand besorgt oder hergestellt werden. Absolut überzeugt ist Ruth Tellert-Weigand auch von der Umstellung der Ernährung auf Anraten der amerikanischen Ärzte. Tobias wird über eine Magensonde ernährt, aber seit Sommer nicht mehr mit Fertignahrung, sondern mit frischem Gemüse, Obst, Fleisch, Ziegenmilch und Ölen, die gekocht und passiert werden. Seitdem hat der Vierjährige zugenommen und sich sichtbar stabilisiert. „Er ist viel aufmerksamer, kann jetzt sogar an einer Reittherapie teilnehmen und wir konnten die enorme Menge an Medikamenten reduzieren“, sagt seine Mutter.

An diesem Wochenende fliegt Familie Weigand wieder nach Philadelphia. Der zweite Teil der Schulungen steht an. „Wir sind sicher, auf dem richtigen Weg zu sein“, sagt Ruth Tellert-Weigand und in ihrer Stimme klingt nach Monaten der Hoffnungslosigkeit Zuversicht.

Mehr Infos zur Doman-Therapie, zur Überdruckbehandlung und zur Unterstützung von Tobias unter www.tobias-weigand.de

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