Vögnitz

Tödliche Falle: Warum musste die Hündin des Bürgermeisters sterben?

Ist tot: Emi, die dreijährige Australian Shepherd-Hündin des in Vögnitz wohnenden  Sulzheimer Bürgermeisters Jürgen Schwab (Sulzheim). Foto: Jürgen Schwab

Emi, die Australian-Shepherd-Hündin von Bürgermeister Jürgen Schwab, war in dessen Wohnort Vögnitz (Sulzheim, Lkr. Schweinfurt) in eine große Tierfalle geraten. Nun ist sie tot. In ihrem Kopf befand sich ein Projektil. Warum wurde auf sie geschossen? Die Polizei ermittelt, denn Schwab hat noch am selben Abend Strafanzeige gestellt.

Durch die Polizeiinspektion Gerolzhofen wurde daraufhin unter anderem ein Strafverfahren wegen eines Vergehens nach dem Tierschutzgesetz eingeleitet, so die Auskunft der Pressestelle am Polizeipräsidium Unterfranken in Würzburg.

Nach aktuellem Ermittlungsstand wurde das Tier am Freitagvormittag von Bekannten des Geschädigten im Sulzheimer Ortsteil Vögnitz tot aufgefunden, so die Polizei. Es wird zudem bestätigt, dass die Hündin durch Fremdeinwirkung tödlich verletzt wurde und eine Schussverletzung aufwies.

Das Polizeipräsidium bittet um Verständnis, dass darüberhinausgehende Fragen dieser Redaktion zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantwortet werden könnten, da sie Gegenstand der laufenden Ermittlungen seien.

Was der Tierarzt bescheinigt hat

Die entscheidende Frage für die strafrechtliche Verfolgung wird nun sein, ob Emi möglicherweise vom Jagdpächter getötet worden ist. Besondere Bedeutung wird dabei nicht zuletzt der Tierärztlichen  Bescheinigung zukommen, die der Tiermediziner ausgestellt hat, der die tote Hündin untersucht und die Kugel aus ihrem Kopf entfernt hat. Dort ist zu lesen:  „Aufgrund der Röntgenaufnahmen und der äußeren Verletzung der linken Schädeldecke, bestätigte ich hiermit den Tod der Hündin des Herrn Jürgen Schwab durch eine Schussverletzung.“

In diese große vom Jagdpächter errichtete Betonrohrfalle für Füchse und andere Wildtiere war die Hündin von Sulzheims Bürgermeister Jürgen Schwab geraten. Foto: Jürgen Schwab

Dem Jagdpächter könnten auch Konsequenzen seitens der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt drohen. Diese prüft vor Neuausstellung und Verlängerung von Jagdscheinen unter anderem, ob der Antragsteller beziehungsweise die Antragstellerin zuverlässig im Sinne der jagdrechtlichen Bestimmungen ist, so Uta Baumann als die Pressesprecherin des Landratsamtes Schweinfurt.

Im Rahmen dieser Prüfung werden Informationen aus dem Bundeszentralregister und dem Verfahrensregister abgerufen. Zugleich wird geklärt, ob Straftaten vorliegen, die zu einer Unzuverlässigkeit des Antragstellers und damit zu einer Versagung des Jagdscheins führen. Daneben werden auch Polizeiauskünfte eingeholt, um festzustellen, ob aktuelle Strafverfahren laufen.

Was die Jagdbehörde prüft

Personen gelten nach den jagdrechtlichen Bestimmungen unter anderem dann in der Regel als unzuverlässig, wenn Sie vorsätzliche Straftaten begangen haben und zu einer Geldstrafe von mindestens 60 Tagessätzen rechtskräftig verurteilt worden sind. In einem solchen Fall wird auch ein bereits ausgestellter Jagdschein von der Jagdbehörde entzogen, so Uta Baumann weiter zu diesem Thema.

Der betroffene Pächter des gemeinsamen Jagdreviers Mönchstockheim/Vögnitz  möchte wegen der laufenden Ermittlungen keine Erklärung abgeben, wie er dieser Redaktion am Telefon sagte.

Das ist die Chronologie der Ereignisse, wie sie sich aus Sicht der anderen Beteiligten am Freitag, 1. März, zugetragen haben.

Gegen 8 Uhr fährt eine Frau aus Vögnitz wie jeden Morgen mit ihrem Elektro-Rollstuhl, auf den sie wegen einer schweren Erkrankung angewiesen ist, mit den drei Hunden der Familie zum Gassi gehen. Unterwegs begegnet sie dem in Vögnitz wohnenden Sulzheimer Bürgermeister Jürgen Schwab, der gerade seine dreijährige Australian Shepherd-Hündin „Emi“ ausgeführt hat und auf dem Rückweg ist. Die Frau aus dem Dorf bietet ihm einmal mehr an, Emi zusätzlich auf die „größere Runde“ mitzunehmen. Das hat die Frau schon öfter gemacht. Jürgen Schwab ist ihr wegen seines straff bemessenen Zeitkorsetts als Unternehmer und Bürgermeister dankbar dafür, wie er sagt.

Die gewählte Strecke führt die Frau aus Vögnitz an diesem Tag in der nördlichen Flur in Richtung Kleinrheinfeld und dann weiter in Richtung Mönchstockheim. Sie fährt sie gewöhnlich zwei bis dreimal wöchentlich mit den Hunden. Auf Höhe einer Wiese dürfen diese auch diesmal kurz frei laufen. Einen generellen Leinenzwang gibt es in der Gemeinde Sulzheim nach Auskunft der zuständigen Verwaltungsgemeinschaft Gerolzhofen nicht.

Emi bleibt im Gebüsch verschwunden

Um 8.30 Uhr verschwinden einer der Hunde der Familie und mit ihr Emi in einem  dortigen Gehölz. Die Frau ruft die beiden daraufhin zurück, was ihr eigener Hund auch befolgt. Emi, die sonst immer gehorcht, bleibt verschwunden. Die Frau wartet noch eine Weile. Doch auch trotz mehrmaligen Rufens kommt Emi nicht zurück.

Da sie zum einen im Rollstuhl sitzt und selbst somit keine Möglichkeit hat, im Gebüsch nachzusehen, und andererseits auch ein wichtiger Behandlungstermin beim Arzt ansteht, entscheidet sie sich, heimzufahren und dort ihren Mann zu bitten, nach Emi zu schauen.

Dieses Bild zeigt die Australian Shepherd-Hündin Emi von Sulzheims Bürgermeister Jürgen Schwab ebenfalls zu Lebzeiten. Foto: Jürgen Schwab

Um 9.40 Uhr fährt der Mann mit dem Auto die von seiner Frau mit den Hunden genommene Strecke inklusive der umliegenden Wege komplett ab und ruft immer wieder nach der vermissten Hündin. Ohne Erfolg. Um 10.40 Uhr kommt er nochmal an der Stelle vorbei, an der Emi verschwunden ist. Er steigt diesmal aus und läuft in das kleine Wäldchen. Nach einigen Metern entdeckt er dort eine geschlossene, sprich ausgelöste sogenannte „Krefelder Fuchsfalle“. Er kann aber kein Lebenszeichen von Emi vernehmen.

Da er noch die Pferde der Familie versorgen und sich für die Arbeit fertig machen muss, fährt er nach Hause und bittet um 10.55 Uhr den Freund der Tochter, nach Emi zu suchen. Dazu beschreibt er ihm auch die Stelle, wo sich die große, mit Erde und Reisig abgedeckte Betonrohrfalle befindet.

Um 11.05 Uhr kommt der junge Mann mit dem Auto dort an, kann Emi aber ebenfalls nicht finden. Um sich beim Nachbarn und im Internet schlau zu machen, wie er die Falle öffnen kann, in der man Emi vermutet, fährt er nochmals heim.

Begegnung mit dem Jagdpächter 

Als er um 11.30 Uhr zu dem besagten Gebüsch und der Fangvorrichtung zurückkehrt, trifft er dort auf den zuständigen Jagdpächter und erkundigt sich nach der verschwundenen Hündin. Die Frage, ob sich in der Falle ein Australian Shepherd-Hund befunden hätte, habe der Jagdpächter ebenso bejaht wie die Frage, ob dieser tot sei. Daraufhin habe sich der junge Mann zu der mit einem elektronischen Fangmelder versehenen Falle begeben. Emi habe dort leblos in dem zur Entnahme der gefangenen Tiere dienenden sogenannten Abfangkorb gelegen.

Das Angebot des Jägers, den Hund zu entsorgen, nahm der Mann nach seiner Aussage nicht an, sondern sagte, dass er die tote Hündin gerne mitnehmen würde. Daraufhin habe der Freund Emi zum Auto getragen und in den Kofferraum gelegt. Sie sei dabei noch warm gewesen.

Nachdem die vom Freund angerufene Tochter umgehend von der Arbeit nach Hause gefahren sei und inzwischen auch ihre Mutter von ihrer Behandlung zurückgekehrt war, hatte diese zusammen mit ihrem Mann dem Bürgermeister die traurige Nachricht überbracht, dass die im Juli 2015 geborene Hündin nicht mehr lebt.

Nachdem der von ihm daraufhin angerufene Jagdpächter, so Schwab, ihm gegenüber am Telefon eingeräumt hatte, auf Emi geschossen zu haben, habe man beschlossen, die tote Hündin vom Tierarzt untersuchen zu lassen. Dabei sei dann auch ein Einschussloch im linken Hinterkopf entdeckt worden.

Daraufhin habe er sich, so Schwab, nach längerer Überlegung entschlossen, Strafanzeige gegen den Jagdpächter zu stellen und Emi nochmals am Abend zum Tierarzt bringen zu lassen, um ein Röntgenbild zum Beweis dafür machen zu lassen, dass sie zweifelsfrei erschossen worden sei. Auf der Aufnahme sei das noch im Kopf steckende Projektil deutlich zu erkennen gewesen.

Projektil wurde herausoperiert und gesichert

Mit dem Röntgenbild und der Bescheinigung des Tierarztes, dass der Tod der Hündin durch eine Schussverletzung eingetreten ist, fuhr die Tochter der Frau, die Emi zum Gassi gehen mitgenommen hatte, mit ihrem Freund schließlich zur Polizeidienststelle in Gerolzhofen, wo gerade Jürgen Schwab Anzeige erstattete.

Auf Bitten eines Beamten sei schließlich von dem Tierarzt noch am selben Abend das Projektil aus Emis Körper entfernt und ebenfalls der Polizei übergeben worden, berichtet der Sulzheimer Bürgermeister weiter. Daheim habe er die schlimme Gewissheit, dass Emi tot ist, den Kindern, die wie er sehr an der Hündin hingen, erst schonend beibringen müssen. Stets treu und anhänglich sei diese gewesen.

Jürgen Schwab unterstreicht: „Emi fehlt.“ Er kann auch Tage danach immer noch nicht fassen und begreifen, was an diesem Freitag geschehen ist, wie er betont.

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