Schweinfurt

Tomoko Ogasawara präsentierte auserlesene Klavierpoesie

Einsam und klein wirkte der Flügel im großen Altarraum der Schweinfurter St.
Feingliedrig brillantes Spiel: Tomoko Ogasawara konzertierte in der St. Johannis-Kirche.
Feingliedrig brillantes Spiel: Tomoko Ogasawara konzertierte in der St. Johannis-Kirche. Foto: Elke Tober-Vogt

Einsam und klein wirkte der Flügel im großen Altarraum der Schweinfurter St. Johannis-Kirche. Auf ihm schenkte die Pianistin Tomoko Ogasawara mit Werken von Haydn, Brahms und Beethoven dem Publikum fast zwei Stunden nahezu ungetrübten Kunstgenusses.

Akustisch ist der Raum mit seiner halligen Akustik nämlich nicht wirklich geeignet für einen Klaviersoloabend, doch Ogasawara wusste sich zu arrangieren. Die feingliedrige Brillanz ihres Spiels, ihre kristallklare Virtuosität konnte man über weite Strecken der Sonate Es-Dur Hob. XVI:52 von Joseph Haydn gut ahnen, obwohl viele Läufe im Gewölbe verschwimmen mussten.

Lebendig und verspielt wurde da musiziert; deutlich setzte die Künstlerin die Durchführung im Allegro ab; ein kurzes, wirkungsvolles Innehalten, dann der Sturz in kaskadenhafte Verarbeitung. Sanft pulsierend und mit äußerster Ruhe nahm sie das Adagio, formte selbst die kleinsten Einheiten genussvoll aus. Das Finale ging sie sehr bestimmt und zupackend an, setzte die springlebendige und beharrliche Motorik gut in Szene.

Mit Johannes Brahms' "Sechs Klavierstücken op. 118" stieß die Pianistin die Tür zu einer völlig anderen musikalischen Welt auf, und diese Welt fügte sich akustisch besser ins Kirchenschiff. Schwelgerisch üppige Klangwogen bestimmten hier das Geschehen ebenso wie kraftvolle Energie und vollmundige Ausbrüche nach sanftem Dahingleiten.

Ogasawara zauberte Poetisches, ermöglichte mit ihrer warmen und hingebungsvollen Interpretation einen außergewöhnlichen Kunstgenuss. Die Romanze duftete geradezu nach einer entfernten Vergangenheit, nach perlendem Wasserspiel, nach glänzendem Mondlicht. Morbidität und Nachtstimmung dann im letzten Intermezzo; auch hier ließ sich die Künstlerin viel Zeit fürs Ausspielen verlöschender Schlüsse.

Schubert nach der Pause: Seine Sonate a-Moll op. 42 D 845 kennzeichnet in allen Sätzen eine stete Zentrierung, ein Rückkehren zum Ausgangspunkt, dazu beharrliche Motorik, die sich allerdings unterschiedlicher Ausdrucksformen bedient. Viele musikalische Doppelpunkte gibt es im Moderato, dazu ein zögerliches Vortasten in der Motivik. Ogasawara nutzte dies zum Spiel mit Spannung, Entspannung, harmonischen Abläufen, Farben und differenzierter Tongestaltung.

Im variationsreichen Andante gilt es, das liedhafte Thema in immer neues Licht zu setzen. Tomoko Ogasawara spielte erfreulich dezent, ohne sich dem Pathos, der Dramatik und Dimension des Satzes zu unterwerfen, der dadurch umso wirkungsvoller geriet. So wirkte auch das höchst virtuose Laufwerk nicht überhöht, sondern ganz organisch und natürlich, ebenso wie die vollgriffigen Fortepassagen, die beharrlich ums motorische Zentrum kreisen.

Zauberhaft schwebend und verträumt das Trio im Scherzo, komplexe Episoden im Rondo: Tomoko Ogasawara gelang trotz der großen Vielfalt des Werkes eine absolut geschlossene Interpretation. Zwei Zugaben rundeten einen auserlesenen Abend ab.

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