Grafenrheinfeld

Transportbeton Glöckle hat den besten Auszubildenden

Er ist gelernter Kfz-Mechatroniker. Doch dann hat Jonas Ringelmann seinen Traumberuf entdeckt und ist nun bester Verfahrensmechaniker in der Steine- und Erdenindustrie.
Das ist er, Deutschlands bester Azubi im Beruf "Verfahrensmechaniker in der Steine- und Erdenindustrie der Fachrichtung Transportbeton". Jonas Ringelmann ist der erste Bundessieger bei der Firma Transportbeton Glöckle. Foto: Anand Anders

Wenn Jonas Ringelmann durch den Landkreis Schweinfurt fährt, dann kann er stolz sagen: "In vielen Gebäuden steckt meine Arbeit drin." Zum Beispiel in BeHa, der Bereitstellungshalle für radioaktive Abfälle am Kernkraftwerk Grafenrheinfeld. "Das war mein größtes Projekt." Der 23-jährige Eßlebener hat für den Bau dieses Lagers den Beton gemischt. 6000 Kubikmeter. "Das war eine große Herausforderung." Der Beton durfte nicht zu flüssig, aber auch nicht zu fest sein. Denn die 20 Meter hohen und fast einen Meter dicken Wände wurden in einem Stück betoniert, zentimeterweise mit einer Gleitschalung hochgezogen, ohne Absätze, ohne Fugen. Tag und Nacht musste da in Schichten gearbeitet werden. Nonstop. Zwei Wochen lang.

Jonas Ringelmann ist Verfahrensmechaniker in der Steine- und Erdenindustrie der Fachrichtung Transportbeton. Gerade hat er seinen Gesellenbrief erhalten. Und sein Arbeitgeber, die Transportbeton Glöckle GmbH in Grafenrheinfeld, kann genauso stolz auf ihn sein. Denn Jonas Ringelmann ist Deutschlands bester Auszubildender in seinem Beruf. Am Montag, 9. Dezember, wird er bei der Nationalen Bestenehrung im Berliner Maritim-Hotel von der IHK ausgezeichnet.

"Das ist ein wahnsinniger Erfolg", freut sich Geschäftsführer Roland Fahlbusch über das sehr gute Abschneiden seines Auszubildenden. Zwar gab es schon Kammersieger bei Glöckle und auch Landessieger, aber einen Bundessieger hatte man noch nicht. "Wir sind alle stolz auf Jonas."  

Das ist sein Arbeitsplatz: Jonas Ringelmann hat beim Anmischen des Betons drei Bildschirme im Blick. Rund 200 Aufträge gehen am Tag ein. Foto: Anand Anders

Dabei war es ein Stück weit Zufall, dass der gelernte Kfz-Mechatroniker sein Interesse für diesen Beruf entdeckte. "Ich wollte nach meiner Ausbildung damals etwas Neues machen", erinnert sich Jonas Ringelmann an den Vorschlag seiner Schwester, doch mal in ihrer Firma Probe zu arbeiten. Das tat er und war sofort begeistert. Trotz der nochmaligen dreijährigen Lehrzeit. Aufgrund seiner ersten Berufsausbildung hätte er zwar auf zwei Jahre verkürzen können. Doch das wollte er nicht. "Der Beruf ist so anspruchsvoll und verantwortungsvoll", jedes Lehrjahr sei ihm wertvoll und wichtig gewesen.

In ein paar Minuten ist der Beton angemischt

Jede Rezeptur hat andere Mengenangaben.  Foto: Anand Anders

Als Laie kann man sich unter der Berufsbezeichnung "Verfahrensmechaniker in der Steine- und Erdenindustrie der Fachrichtung Transportbeton" wenig vorstellen. "Ich sitze in der Mischanlage, disponiere Fahrzeuge und warte die Maschinen", erklärt der 23-Jährige kurz und bündig sein Tätigkeitsfeld. Im Alltag schaut das so aus: "Ein Kubik C20/25 C1 08er-Körnung" kommt als Auftrag per Telefon rein. Jonas Ringelmann gibt die Ziffer- und Zahlenkombination im Computer ein.

Aus den Silos fließen die Zutaten für den Beton in die Mischanlage. Foto: Anand Anders

Am mittleren seiner drei Bildschirme ploppen Gewichtsangaben auf: 991 Kilogramm Sand, 979 Kilogramm Kies, 40 Kilogramm Gesteinsmehl, 250 Kilogramm Zement, 45 Liter Wasser. Die Rezeptur für den gewünschten Beton. An den großen Silos auf dem Werksgelände öffnen sich die Schleusen und die Zutaten fließen in der jeweils angegebenen Menge in die Mischanlage, wo sie – vereinfacht gesagt – zusammengerührt werden. Das dauert nur ein paar Minuten.

Kamerabilder aus dem Innern der Anlage tauchen auf dem linken Bildschirm auf. Der 23-Jährige kontrolliert im Wechsel die beiden Bildschirme: in der Mitte die Gewichtsangaben, die sich sukzessive bis auf Null verringern, wenn alles im Mischer ist, links die Fotos, die den Rührvorgang zeigen. Ab und zu wirft er auch einen Blick auf den dritten Bildschirm ganz rechts. Dieser zeigt eine Karte mit den Baustellen, an denen die Firmenfahrzeuge mit ihrer Fracht unterwegs sind.

Die gerade angemischte Bestellung soll ins Kernkraftwerk gehen. Der Fahrer steht mit seinem Betonmischer bereits unter dem Ausfüllstutzen. Auch das Abfüllen geht schnell. Ein Laster ist in sechs Minuten voll. Und schon läutet wieder das Telefon. Der nächste Kunde ist dran. Er will einen C25/30 F3 32er-Körnung. Der Prozess beginnt von vorne.

Maschinenwartung: Jeden Abend muss der Mischer gesäubert werden. Foto: Anand Anders

Etwa 200 Anrufe gehen täglich ein. Jonas Ringelmann und sein Kollege in der Schaltzentrale der Mischanlage haben sich inzwischen Headsets zugelegt, um die Hände für die Bedienung des Computers frei zu haben. "60 Prozent meiner Arbeit findet am Bildschirm statt", sagt der 23-Jährige. Die restliche Zeit ist er im Werk unterwegs, kontrolliert die Maschinen, das Förderband, die Silos. "Der Verschleiß ist hoch", verweist Geschäftsführer Fahlbusch auf die starke Auslastung der Anlage. Pro Jahren werden bei Glöckle etwa 50 000 Kubikmeter Transportbeton hergestellt. Und dafür laufen 125 000 Tonnen Material durch die Maschinen. 

Es gibt 400 bis 500 Rezepturen für Beton

Jonas Ringelmann im Mischwerk. Foto: Anand Anders

Nur ganz vereinzelt heuern junge Frauen in diesem Beruf an. Bundesweit gibt es auch nur vier Berufsschulen, an denen die Ausbildung zum Verfahrensmechaniker in der Steine- und Erdenindustrie erfolgen kann. Jonas Ringelmann besuchte im Blockunterricht die Staatliche Berufsschule in Wiesau in der Oberpfalz. Hier entstand auch sein mit Bestnote bewertetes Gesellenstück, eine mehrteilige Arbeit.

Zuerst wurde der Aufbau einer Schalttafel mit pneumatischer Steuerung verlangt, in die die Prüfer anschließend einen Fehler einbauten, den der Prüfling finden und beheben musste. Bei Jonas Ringelmann funktionierte ein Zylinder nicht mehr. Auslöser war ein Kabelbruch. Die Reparatur schaffte er locker in der vorgegebenen Zeit von 20 Minuten.

Im Prüfungsteil zwei mussten die Azubis nach einer Rezeptur einen Beton anmischen und dann dessen Fließfähigkeit bestimmen. Also genau das umgekehrte Vorgehen wie bei der täglichen Arbeit. Es war ein F4, ziemlich weich. Es gibt 400 bis 500 Rezepturen für Beton. "Die Standardrezepte habe ich alle im Kopf", meint Jonas Ringelmann.

Gigantisch: Über Förderbänder und Kanäle werden Sand, Kies, Zement und alle für den Beton benötigten Materialien in die Mischanlage geleitet. Foto: Anand Anders

Damit nicht genug: Es gab noch Teil drei der Prüfung. Hier galt es, einen Arbeitsplan für den Austausch eines falsch montierten Bauteils zu schreiben. Und zuvor hatte der junge Verfahrensmechaniker bereits im Betrieb den Prüfungsteil "Bedienen der Mischanlage" abgelegt. Unterm Strich kam dann für Jonas Ringelmann deutschlandweit das beste Ergebnis heraus.    

Auf dem Werksgelände bei Grafenrheinfeld lagern Zement, Sand und Kies, woraus mit Wasser Beton gemischt wird. Foto: Anand Anders

Das motiviert. Jetzt will der 23-Jährige weiter nach oben und seinen Techniker machen. Dafür wechselt er in die Abteilung Hoch- und Tiefbau. "Wir sind froh, dass er bei uns bleibt", sagt Geschäftsführer Fahlbusch. Und Jonas Ringelmann freut sich darauf, einmal ein "richtig großes Projekt" unter sich zu haben. Dann steckt nicht nur ein Stück seiner Arbeit drin, sondern dann kann er sagen: "Das habe ich hingestellt."

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