Ebrach

Tricksereien mit Staatswaldflächen vermutet

Vor den Stümpfen abgesägter Buchen: Ulla Reck vom Freundeskreis Nationalpark Steigerwald, Liebhard Löffler vom Verein Nationalpark Steigerwald, Matthias Dornhuber, stellvertretender Landesvorsitzender der Bayern SPD, Horst Arnold, Fraktionschef der Bayern SPD-Landtagsfraktion Foto: Caro Arns

Der Steigerwald bietet nach Ansicht der SPD-Landtagsfraktion großartiges Potenzial für eine Verbindung von Naturschutz, Tourismus und in Teilbereichen auch Forstwirtschaft. Die Fraktion fordert schon seit langem eine Machbarkeitsstudie für einen möglichen Nationalpark Steigerwald.

Am Dienstag wollten sich SPD-Fraktionsvorsitzender Horst Arnold und SPD-Umweltexperte und Landtagsmitglied Florian von Brunn ein Bild machen vom Stand der Dinge vor Ort. "Wir wollen Diskussionsbeiträge liefern, die überzeugen", sagte Arnold bei einer Besprechung im Ebracher Rathaus. Florian von Brunn berief sich auf eine Aussage von Ministerpräsident Markus  Söder, der mehr Wald unter Schutz stellen will. Dabei seien aber nur die Donauauen ins Spiel gebracht worden. "Warum nicht der Steigerwald?", fragte von Brunn.

Wie Helmut Beran, Geschäftsführer des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), vermuten auch die anderen Teilnehmer Tricksereien der Staatsregierung mit den im Koalitionsvertrag zugesicherten zehn Prozent Staatswaldfläche, die aus der Nutzug genommen werden sollen. Dazu dürften nicht irgendwelche Bergwälder zählen, die ohnehin nicht bewirtschaftet werden, fordert Beran.

Eines Weltnaturerbes würdig

Einig war sich die Runde auch, dass ein Großschutzgebiet für den Artenschutz besser ist als die Trittsteine (kleinere, aus der Nutzung genommene Flächen), die im Ebracher Staatsforst ausgelegt sind. Ulla Reck vom Freundeskreis Nationalpark Steigerwald möchte ökologisch besonders wertvolle Flächen aus der Nutzung nehmen wie den Hohen Buchenen Wald mit einer Erweiterung Richtung Stollberg-Forst. Dieses Gebiet sei eines Weltnaturerbes für würdig befunden worden.

Genau das ist für den Bamberger Ex-Landrat  Günter Denzler (CSU) das Problem. Der Steigerwald wird nicht als Weltnaturerbe vorgeschlagen, weil er  kein Schutzgebiet hat.

Ob die Staatsregierung nach Einführung des sogenannten Versöhnungsgesetzes nach dem erfolgreichen Volksbegehren zum Artenschutz schon mal in der Region vorstellig geworden sei mit Vorschlägen, wie dieses Gesetz umgesetzt werden könne und welche Anträge sie dazu von vor Ort erwartet, fragte der Fraktionsvorsitzende. Das wurde verneint. "Am Beispiel Steigerwald zeigt sich, dass die Versprechen und die Absichtserklärungen von Ministerpräsident Söder nichts als Schall und Rauch sind", betont Arnold. "Anstatt den Weg zu einem dritten Nationalpark zu ebnen, werden im Steigerwald nach wie vor leider wertvolle alte Buchen geschlagen." Der Steigerwald habe nachweislich die hochwertigsten Buchenwälder Europas. Arnold zur Machbarkeitsstudie für einen Nationalpark im Steigerwald: „Nur damit kann ein Projekt Nationalpark Steigerwald sachlich und wissenschaftlich, ökologisch und ökonomisch angemessen beurteilt werden.“

Florian von Brunn schätzt, dass ein Nationalpark Steigerwald mehr jetzt mehr Chancen habe als jemals zuvor. Der Nationalpark sei bisher aufgrund des Dissenses in der Gesellschaft gescheitert. Seitdem habe sich viel verändert.

Liebhard Löffler, Vorsitzender des Nationalparkvereins, forderte Ministerpräsident Markus Söder auf, jetzt nicht auf halbem Wege stehen zu bleiben. Söder folge einem gewissen Druck, der aus dem Volksbegehren entstanden sei, wolle jetzt schnell zu den Donauauen kommen und lasse Steigerwald und Spessart links liegen. Als Ziel gab er ein Weltnaturerbe Steigerwald mit einem kleineren Schutzgebiet aus, als es der Nationalpark mit 11 000 Hektar gewesen wäre.

Fachhochschule im Steigerwald?

SPD-Bundestagsabgeordneter Carsten Träger sah den Steigerwald wie gemacht für einen Nationalpark oder ein Biosphärenreservat und versicherte, die Bundestagsfraktion werde das Ansinnen positiv begleiten. Vielleicht könne man ein Großschutzgebiet verbinden mit einem Konzept für den ganzen Steigerwald mit einer Relation zu Wein und Karpfen. Auch eine Fachhochschule im Steigerwald hält Träger für denkbar.

Günter Denzler ging mit seiner eigenen Partei hart ins Gericht. Durch das Volksbegehren sei die CSU kalt erwischt worden und jetzt versuche man sich "durchzuwursteln". "Arten- und Klimaschutz sind in  der Bevölkerung mittlerweile stark verankert; da will die CSU mitmachen." Denzler kritisiert, dass im Staatsforst immer noch viele Buchen eingeschlagen werden. Das lichte den Sonnenschutz aus Laub aus. Die Sonneneinstrahlung dringe bis auf den Boden und trockne ihn aus. "Der Staatsforst macht die Fehler, die er dann beklagt."

Denzler zweifelt daran, dass die zehn Prozent der aus der Nutzung genommenen Staatswaldfläche bereits erreicht sind. Er ermunterte die Oppositionsparteien im Landtag dazu auf, das nicht einfach hinzunehmen, sondern jedes Jahr einen Rechenschaftsbericht von der Regierung einzufordern.

Anweisungen kommen aus Regensburg

Ebrach Bürgermeister Max-Dieter Schneider (SPD) nahm den Ebrach Forstbetrieb teilweise in Schutz. Die Staatsforsten seien ein gewinnorientierter Betrieb. Die Anweisungen für die Forstbetriebe kommen aus der Zentrale in Regensburg. Schneider schlug vor, die Zuständigkeit für die Staatswälder zu ändern und beispielsweise Schutzgebiete dem Umweltministerium zu unterstellen.

Noch einmal Liebhard Löffler fragte, wie denn der von Nationalparkgegnern immer wieder zitierte "Wille der Bevölkerung" zu definieren sei. Den Namen des gegnerischen Vereins "Unser Steigerwald" hält er für anmaßend. "Ich bin auch im Steigerwald aufgewachsen und der Steigerwald ist auch mein Steigerwald."

Horst Arnold versicherte am Ende, die SPD werde sich durch das Versöhnungsgesetz nicht einlullen lassen. Es müsse jetzt so langsam einmal Handreichungen der Staatsregierung geben, wie man Naturschutz umsetzt. "Wir dürfen nicht so lange warten, bis alles Schutzwürdige weg ist." Mit dem Versöhnungsesetz haben CSU und Freie Wähler versucht, eine Wohfühlstimmung zu erzeugen, die aber rasch in Agonie enden könne.

Nach dem Meinungsaustausch ließen sich die SPD-Politiker noch Stellen im Staatswald zeigen, wo besonders massive Baumfällungen erfolgt sind.

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