SCHWEINFURT

Turbulenzen im Mazurka-Takt

Der Bettelstudent: Eine glanzvolle Aufführung präsentierte Heinz Hellbergs Operettenbühne Wien. Foto: Schutte

Zum Dreigestirn der sogenannten Wiener Operette gehört neben Johann Strauß und Franz von Suppé auch Karl Millöcker, dessen „Bettelstudent“ diesmal von Heinz Hellbergs Operettenbühne Wien präsentiert wurde. Und da der Herr Prinzipal und Regisseur an diesem Mittwoch Geburtstag hatte, darf man notieren, dass ihm sein Ensemble mit einer glanzvollen Aufführung ein wunderschönes Geschenk machte – dem Publikum im ausverkauften Theater natürlich auch.

An diesem Erfolg war natürlich zum großen Teil die Musik Millöckers mit ihrer duftigen Leichtigkeit und ihrem Melodienreichtum beteiligt. Das Orchester musizierte vorzüglich unter der Leitung von Laszlo Gyükér, der mit feinem musikalischem Gespür Millöckers musikalische Schätze zum Klingen brachte.

„Der Bettelstudent“ spielt in Krakau im Frühjahr 1704 unter der Fremdherrschaft König August des Starken von Sachsen. Der Gouverneur der Stadt, Oberst Ollendorf, ist außer sich, weil ihn die von ihm umworbene Komtesse Laura mit einem Schlag ins Gesicht hat abblitzen lassen. „Ach, ich hab sie ja nur auf die Schulter geküsst“ wütet Ollendorf. Außerdem hat ihre Mutter, Gräfin Nowalska (Alexandra Scholik), noch die gesamte „Sächsische Soldateska“ als ordinär heruntergemacht. Das schreit nach Rache.

Und Ollendorf schmiedet ein Komplott. Die Gräfin sucht für ihre beiden Töchter nur adelige Freier? Die soll sie bekommen. Zwei bisher im Gefängnis inhaftierte Bettelstudenten sollen sich auf Freiersfüßen der heiratswilligen Familie nähern: Symon als Fürst Wybicki und Jan als dessen Privatsekretär. Schnell werden beide mit feinen Kleidern und einer prallen Börse ausgestattet, das Spiel kann beginnen.

Da der „Bettelstudent“ fast eine Spieloper mit wenig Sprechtexten und ausgedehnten Gesangsszenen ist, erfordert dies gute Solisten. Hier überraschte Hellberg mit einer Neuverpflichtung: Die Ungarin Lilla Galambos als Laura begeisterte mit ihrer leuchtenden Sopranstimme, mit ihrem sängerischen und schauspielerischen Talent und ihren federleichten Koloraturen. Zusammen mit Stefan Reichmann (Symon) und seinem strahlenden, in der Höhe mühelosen Tenor ein ideales Sängerpaar, das Millöckers Duette, etwa „Ich setz den Fall“, zu Highlights der Aufführung machte. Als Solist glänzte Reichmann mit „Ich knüpfte manche zarte Bande“ und „Ich hab' kein Geld, bin vogelfrei“.

Anita Tauber (Bronislawa) und der elegante Anton Graner (Jan) als zweites Liebespaar überzeugen ebenso, etwa mit ihrem innigen „Nur das eine bitt' ich dich, liebe mich“. Grossartig Victor Schilowsky in einer seiner Paraderollen: Sein Oberst Ollendorf ist ein polternder Maulheld, der zum Schluss doch der Genasführte ist. Susanne Hellberg agiert als kecker Offizier und Urs Mühlenthaler mimt den gerissenen und pfiffigen Gefängniswärter Enterich. Langer herzlicher Applaus für die seit 20 Jahren lieb gewordenen Gäste aus Wien.

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