Schweinfurt

Über 3000 Betriebe der Region meldeten Kurzarbeit an

Im Märzbericht nannte die Arbeitsagentur Schweinfurt gar keine Zahlen zur Kurzarbeit. Zur Monatsmitte erhoben, stimmten sie am Monatsende nicht mehr – Corona-bedingt.
Die Agentur für Arbeit Schweinfurt ist geschlossen - und hat die internen Aufgaben erheblich umgestellt: Telefonie und die Beratung zum Kurzarbeitergeld wurden massiv aufgestockt. Noch nie hatten so viele Betriebe Kurzarbeit angemeldet.
Die Agentur für Arbeit Schweinfurt ist geschlossen - und hat die internen Aufgaben erheblich umgestellt: Telefonie und die Beratung zum Kurzarbeitergeld wurden massiv aufgestockt. Noch nie hatten so viele Betriebe Kurzarbeit angemeldet. Foto: Stefan Sauer

Die Zahl der Betriebe oder Betriebsabteilungen, für die bei der Arbeitsagentur Schweinfurt Anmeldungen zur Kurzarbeit eingegangen sind, ist innerhalb von etwa drei Wochen regelrecht explodiert. Im Februar noch hatten im Agenturbezirk – das sind Stadt und Landkreis Schweinfurt sowie die Landkreise Bad Kissingen Rhön-Grabfeld und Haßberge – gerade einmal 87 Betriebe Kurzarbeit gemeldet. Am 25. März wurden bereits 1976 Anzeigen gezählt – jetzt sind es, Stand 3. April, über 3000. "Eine Zunahme von über 50 Prozent in zehn Tagen", so Agenturchef Thomas Stelzer.

Viele Kleinbetriebe betroffen

"Jetzt sind alle Branchen betroffen", sagt der Agenturchef, "nicht nur große Metall- und Elektrobetriebe, sondern auch Kleinunternehmen wie der Dönergrill oder das Nagelstudio." Bei den meisten Meldungen dürfte es sich um kleine Betriebe handeln. Im Vergleich zur Finanz- und Wirtschaftskrise hat das Coronavirus bisher ein Vielfaches an Kurzarbeitsmeldungen bewirkt. Hatten im Juli 2009, auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise, 430 Betriebe Kurzarbeit gemeldet, so sind es mit aktuell über 3000 Anzeigen siebenmal so viele. Und: Stelzer erwartet mindestens bis Mitte April "weiter einen sehr hohen Eingang". Aber: "Ich bin froh um jeden Betrieb, der Kurzarbeit anzeigt, weil er uns dann erhalten bleibt." Der Agenturbezirk Main-Rhön zählt rund 11 000 Unternehmen. Demnach hat ein gutes Viertel von diesen bisher bereits Kurzarbeit angemeldet.

Wie viele Beschäftigte in Schweinfurt, der Rhön und den Haßbergen sind davon betroffen? In Köpfen lasse sich das anhand der Meldungen nicht beziffern, erläutert Stelzer. Ob großer Industriebetrieb mit tausenden oder Imbiss mit zwei Beschäftigten – beides sei jeweils eine Meldung. Die tatsächliche Zahl der Kurzarbeitenden ergebe sich erst im Nachhinein aus den Lohnabrechnungen der Betriebe. Diese gingen in Vorleistung und bekämen das Kurzarbeitergeld als Aufzahlung zum Lohn dann erstattet.  

Telefonie massiv aufgestockt

Auf die Arbeit der Arbeitsagentur wirkt sich die Corona-Pandemie ebenfalls aus. Nachdem sie für den Publikumsverkehr am 18. März geschlossen wurde, findet viel mehr Kontakt, der bisher persönlich lief, telefonisch statt. Zeitweise seien in der Agentur mit ihren 170 Beschäftigten jetzt 68 Mitarbeiter mit Telefonieren beschäftigt, sagt Simone Koos, zuständig für den Eingangsbereich, "davor waren es 25". Und: Die Arbeitslosen und Arbeitsuchenden müssten ja auch noch betreut werden, sagt der stellvertretende Agenturleiter Walter Seit. 43 Mitarbeiter seien nun im Bereich Arbeitgeberberatung und Kurzarbeitergeld beschäftigt. "Zwölf Beschäftigte weisen das Kurzarbeitergeld an, das Team ist verfünffacht." 

Stelzer ruft die Arbeitgeber auch in der Coronazeit auf, weiter ihre Stellengesuche zu melden: "Wir haben das Vermittlungsgeschäft ja nicht aufgegeben." Meldungen zur Arbeitslosigkeit und Arbeitssuche seien derzeit auch telefonisch möglich – zuvor sei das undenkbar gewesen. Und: "Wir hatte keine Problem, die Mitarbeiter im Arbeitgeberservice für Kurzarbeitergeld und Telefonie zu gewinnen, wobei thematisch oft für komplexe Sachverhalte geschult werden musste. Die telefonische Erreichbarkeit der Arbeitsagentur liege zwischen 8 und 18 Uhr bei 90 Prozent, bestätigt Simone Koos. Hier werde künftig in drei Schichten gearbeitet. 

Vorsicht: Gefälschte Mails

Am Ende weist Stelzer noch auf gefälschte Mails hin, die Arbeitgeber bundesweit von der Mail-Adresse kurzarbeitergeld@arbeitsagentur-service.de erhielten. Darin würden sie zu Angaben über das Unternehmen und Beschäftigte aufgefordert. "Nicht antworten, umgehend löschen", lautet die Empfehlung. Im Agenturbezirk seien derlei Mails bisher aber offenbar noch nicht aufgetaucht.   

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