OBERSCHWARZACH

Übernimmt die Gemeinde das Echter-Schloss?

Werden sich Kirche und Schloss trennen? Der Gemeinderat von Oberschwarzach denkt darüber nach, das Echter-Schloss von der Pfarrpfründestiftung zu übernehmen. Foto: Klaus Vogt

Was geschieht mit dem Echter-Schloss in der Dorfmitte von Oberschwarzach?

Das historische, ortsbildprägende Bauwerk mit seinen Nebengebäuden befindet sich im Eigentum der Pfarrpfründestiftung, die allerdings keine Verwendung für das Gemäuer hat und es am liebsten abstoßen würde. Nun zeichnet sich ab, dass es nur dann attraktiv hohe Fördersätze für die Renovierung des Schlosses gibt, wenn die politische Gemeinde Eigentümerin des Gebäudes wird.

Bürgermeister Manfred Schötz sprach sich in der jüngsten Gemeinderatssitzung leidenschaftlich für den Einstieg der Gemeinde in das Projekt aus. Ob es im Gemeinderat dafür eine Mehrheit geben wird, ist weiterhin unklar.

Lange nichtöffentliche Sitzung

Am Montagabend begann die Sitzung des Marktgemeinderates ungewöhnlicherweise schon um 19 Uhr. Und hinter verschlossenen Türen. Bürgermeister Schötz, Jochen Hart von der Bischöflichen Finanzkammer aus Würzburg und der Kämmerer der Verwaltungsgemeinschaft Gerolzhofen, René Borchardt, stellten den Gemeinderäten eine in zahlreichen Besprechungen erarbeitete Lösung vor, wie es mit dem Schloss weitergehen könnte. Es gab dabei offensichtlich hohen Gesprächsbedarf, denn statt wie geplant gegen 19.

45 Uhr öffneten sich die Türen erst um 20.30 Uhr für die Öffentlichkeit. Die interessierten Bürgerinnen und Bürger traten sich auf der Eingangstreppe solange die Beine in den Bauch.

Zu Beginn der öffentlichen Sitzung sagte dann Bürgermeister Manfred Schötz, man habe eben eine „sehr intensive und konstruktive Besprechung“ erlebt. Man werde aber heute im Gemeinderat noch keinen Beschluss fassen, „weil der eine oder andere jetzt noch mal in sich gehen will“. Die Entscheidung werde bei der Sitzung in drei Wochen fallen.

Schötz blickte nochmals kurz auf den Entscheidungsprozess zurück: Mitte Januar 2015 habe der Gemeinderat den Beschluss gefasst, sich des Schlosses anzunehmen. Angedacht war eine Vereinbarung mit der Pfarrpfründestiftung, mit der man bei „gleichen Rechten und gleichen Pflichten 50 zu 50“ gemeinsam die Renovierung angehen wollte, so Schötz. Der Plan eines privaten Investors im Oktober 2015, den zweiten Stock des Schlosses kaufen und dort möglichst schnell einziehen zu wollen, habe die Sache „nochmals komplizierter gemacht“.

Der Investor sei zwar wieder abgesprungen, habe aber trotzdem „den Stein ins Rollen gebracht“. Und so fand am 18. Januar 2016 ein runder Tisch statt mit Vertretern von Gemeinde, Behörden, Vereinen und Diözese.

Bei Gesprächen mit verschiedenen Behörden habe man inzwischen mögliche Fördersummen zusammengetragen, so Schötz (lesen Sie dazu den untenstehenden Info-Kasten). Es sei sehr positiv, dass sich die Kirche bereit erklärt habe, die Sache gemeinsam mit der Gemeinde anzugehen. „Es kann uns nichts Besseres passieren.“ Eine klare Absage erteilte Schötz einem von Gegnern des Projekts ins Spiel gebrachten Bürgerbegehren. „Die Bevölkerung würde dadurch nicht befriedet, die Gräben würden eher noch größer werden.“

Eindringlich appellierte der Bürgermeister an die Gemeinderäte, angesichts der guten Förderung die Chance beim Schopf zu packen. „Man sollte nicht alles schwarzmalen.“ Über 20 Jahre diskutiere man auch schon über die Alte Schule und habe noch immer kein Ergebnis. „Man muss auch mal was anpacken – und dann geht das Leben weiter.“

„Große Chance für die Gemeinde“

Unterstützung fand Schötz im 2. Bürgermeister Armin Zehner, der bei vielen Sondierungsgesprächen mit dabei war. Er bezeichnete es als „große Chance für die Gemeinde“, jetzt das Projekt anzugehen, nicht zuletzt auch wegen der niedrigen Zinsen. Die Gemeinde müsse nur zehn Prozent der Kosten tragen. Dies sei zwar immer noch viel Geld, „aber es wäre der größte Fehler, jetzt nichts zu tun“. Die Fördermittel seien auf 25 Jahre gebunden. Zur Not könne die Gemeinde das Schloss danach auch wieder abstoßen. Er sei sich aber sicher, dass das Schloss künftig mit Leben erfüllt werde. Schon jetzt sorge der Förderverein für viele Aktivitäten, die auf sehr große Resonanz stießen.

Es meldeten sich aber auch Gemeinderäte zu Wort, die mahnend ihre Stimme erhoben und von einer „Entscheidung mit großer Tragweite“ sprachen, die man„vor den nachfolgenden Generationen zu verantworten habe“.

Gemeinderat Robert Ruppenstein sieht eine „historische Entscheidung“ auf den Gemeinderat zukommen und zweifelte an, ob es der ideale Weg sei, wenn die Gemeinde jetzt alleine das Projekt stemme. Bislang sei immer von einer 50:50-Lösung gemeinsam mit der Kirche gesprochen worden – nicht nur bei der eigentlichen Sanierung, sondern auch bei den Folgekosten und bei der Unterhaltung. „Das Schloss war in all den Jahren noch nie im Besitz der Gemeinde. Wir sollten die Kirche in der Verpflichtung behalten.“ Dies gelte auch für die Scheune im Schlosshof, die Umgestaltung des Marktplatzes und die Zukunft der Alten Schule. „Es kann erwartet werden, dass die Kirche sich beteiligt.“

Es sei auch unklar, sagte Ruppenstein in der öffentlichen Sitzung, wie die Kirche die ausbezahlte Haftpflichtsumme nach dem Wasserschaden verwende. Jochen Hart von der Bischöflichen Finanzkammer informierte auf Anfrage der Redaktion, das Geld sei schon verbraucht. Pfarrer Stefan Mai ergänzte, man müsse jetzt die Südfassade des Schlosses sanieren, weil Putzbrocken auf das Nachbargrundstück gefallen seien. Alleine diese Baumaßnahme koste der Pfarrpfründestiftung rund 40 000 Euro. Das Geld nehme man aus der Versicherungszahlung.

Zuletzt kritisierte Robert Ruppenstein das Fehlen einer konkreten Kostenkalkulation. Der Gemeinderat müsse vor einer so wichtigen Entscheidung schließlich wissen, was die Renovierungsaktion kostet und wie hoch konkret der Anteil der Gemeinde ist, wie viele Jahre sich diese Belastung dann im Gemeindehaushalt auswirke, wie hoch die jährlichen Unterhaltskosten des Gebäudes und mögliche Einnahmen seien.

Die möglichen Fördersätze

Laut Bürgermeister Manfred Schötz kann die Gemeinde Oberschwarzach mit außerordentlich hohen Förderquoten rechnen, wenn sie selbst als Eigentümerin des Schlosses die Renovierung in Angriff nimmt.

Zunächst recherchiert, aber wieder verworfen wurden Förderungen aus Töpfen des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten: aus der Dorferneuerung gäbe es maximal 200 000 Euro und aus dem Programm ELER (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums) maximal 1,5 Millionen Euro – mit dem Nachteil, dass die Fördermittel der Denkmalpflege gegengerechnet würden. Dies sei aber „zu wenig“, so Schötz.

Folgende Förderkulisse aus vier verschiedenen Töpfen wäre nach den jetzt erfolgten Sondierungsgesprächen denkbar – allerdings gibt es noch keine konkreten Förderanträge geschweige denn verbindliche Förderzusagen:

• Vom Landesamt für Denkmalpflege wäre möglicherweise eine Quote von ungefähr 41,5 Prozent auf den denkmalpflegerischen Mehraufwand zu erhalten, ohne dass ein konkretes Nutzungskonzept vorgelegt werden müsste. Da das Schloss unter Denkmalschutz steht, dürften fast alle Gewerke unter den denkmalpflegerischen Mehraufwand fallen. Das Landesamt würdigt mit dieser Förderzusage die hohe Wertigkeit des Echter-Schlosses. Übrigens: Wenn die Kirche noch mit von der Partie wäre, würde die Förderquote auf nur 33,3 Prozent gedeckelt.
• Über die Städtebauförderung, ausgeschüttet von der Regierung von Unterfranken, könnte die Gemeinde zudem 60 Prozent der förderfähigen Kosten erhalten. Die Fördersumme wäre auf maximal 1,5 Millionen Euro gedeckelt. Wäre die Kirche mit im Boot, gebe es aus diesem Topf „überhaupt keine Förderung, oder zumindest deutlich weniger“, so Schötz.
• Aus dem Kulturfonds könnte die Gemeinde zudem einen Betrag von maximal 40 000 Euro erhalten für den Innenausbau der Räume, die später den Chören und Musikgruppen zur Verfügung stünden.

• Zusammengerechnet ergebe dies, so Bürgermeister Schötz, eine hohe Förderquote von rund 90 Prozent. Die Diözese könne sich unter den Voraussetzungen, dass die Gemeinde das Schloss-Gelände als Eigentümerin übernimmt und im ersten Stock Pfarrbüro und ein Versammlungsraum bestehen bleiben, im Gegenzug vorstellen, vom verbleibenden zehnprozentigen Gemeindeanteil möglicherweise die Hälfte zu übernehmen, maximal 250 000 Euro.

Konkrete Bausummen wurden in der jüngsten Gemeinderatssitzung nicht genannt. Vor rund drei Jahren erbrachte eine Kostenberechnung die Summe von knapp drei Millionen Euro. Aktuellere Berechnungen gibt es nicht, weil dies wiederum Geld kosten würde. Geht man in einer Beispielrechnung mal von fünf Millionen Euro aus, so müsste die Gemeinde auf Grundlage der zugesagten Förderungen letztlich 250 000 Euro aufbringen – und sie wäre dann im Besitz eines generalsanierten Bauwerks, das sich zum dörflichen Mittelpunkt entwickeln könnte. (kv)

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