SCHWEINFURT

Und die Nymphe zupft am Einhornfleisch

Die Nymphe und der finstere Förster. Wenn die Nymphe handverzupftes Einhornfleisch verzehrt, dann staunt sogar der finstere Förster. Lisa Eckhart und Sven Kemmler in der Disharmonie. Foto: Charlotte Wahler

Wenn der finstere Förster die schöne Waldnymphe begehrt, kann das selten gutgehen. Aber auch die Waldnymphe, abgeklärt von 3000 Jahren Lebenserfahrung, hat nicht viel davon, wenn sie ihre Augen auf den finsteren Förster wirft. Lisa Eckhart und Sven Kemmler gaben in der Disharmonie diese Mann-Frau-Konstellation und zwar so drastisch, dass manche Pointen nicht den Hals hinunterwollten.

Schauplatz war der Wald, der die Welt ist, der bestückt ist von schrundigen Bäumen, Zwergen und Wölfen, die als „Proleten des Waldes nur sinnlos herumschreien“. Der Oberförster, der auch der Mörder ist und am liebsten eh das fröhlichste Tier aus der Herde abknallt, deklariert ganz klar: „Der Wald bin ich!“ Aber auch die Nymphe macht ihren Anspruch darauf deutlich.

Die beiden verhandeln bei ihren Balzereien den gesamten christlich-abendländischen Kulturraum, angefangen beim Olymp, der sich dann doch als arges Schullandheim entpuppt mit Göttern, die sich wie Teenies aufführen. Köstlich! Besonders die Nymphe zerlegt mit österreichischem Schmäh ebenso elegant die Klischees um die Geschlechterkommunikation wie das handverzupfte Einhornfleisch, auf das der Förster so begehrlich seine Augen wirft.

Sehr skurril spielen die beiden mit den Worten und miteinander, so dass manche Pointe das Publikum gar nicht erreicht. Der Franzose Rousseau, ein großer Naturverklärer, Walther von der Vogelweide, Marcel Proust, all die großen Männer finden vor der Nymphe keine Gnade, denn sie weiß, was Männer wollen: die Frau soll ungebändigte Natur bleiben, darf aber nicht aus dem Haus herausfinden!

Der finstere Förster, der weiß, dass er im nächsten Stück schon der cholerische Kapitän sein kann, ist auf der Suche nach der wahren Männerrolle und weiß nicht, ob er sich als Vorlage nicht gleich des Alten Testaments bedienen soll, „als Gott noch etwa wie Klaus Kinski war“. Wie soll es eine Sprache zwischen Mann und Frau geben? „Was in den 50ern noch für Galanterie stand, taugt heute allenfalls noch für Triebtäter“,stellt der Förster fest. Sie wirft ihm am Ende vor: „Deine Hege macht mich krank! – und ist dabei gleichzeitig die personifizierte Natur. „Früher habe ich mich gelangweilt, jetzt langweilst du mich, das ist um Längen schlimmer!“, sagt sie und er erwidert, dass er ihr dekoratives Äußeres so attraktiv wie die Petersilie auf dem Schnitzel findet.

So kommt es wie es kommen muss in diesem Liebesspiel, „das so heißt, weil es um Gewinner und Verlierer geht“, so die zynische Nymphe: die Liebe stirbt („Ihr Menschen seid beim Sterben sowieso etwas zimperlich!“) und am Ende singt Leonard Cohen so rührend von den „old ideas“, dass es dann doch auch ein bisschen romantisch ist. Was für ein Fest der Poesie und des Witzes!

Die Nymphe und der finstere Förster. Wenn die Nymphe handverzupftes Einhornfleisch verzehrt, dann staunt sogar der finstere Förster. Lisa Eckhart und Sven Kemmler in der Disharmonie. Foto: Charlotte Wahler

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