GOCHSHEIM

Ver.di: 167 Polen bei Edeka als „Streikbrecher“ im Einsatz

Am Montag, dem 16. Streiktag gegen das Edeka-Lager in Gochsheim, haben die dort Beschäftigten mit ihrem Ausstand weiteren Druck mit Blick auf die Fortsetzung der Tarifverhandlungen am Freitag ausgeübt. Neu ist der Vorwurf des Streikführers Peter König, dass Edeka seit dieser Woche 167 Leiharbeitnehmer aus Polen als „Billigst-arbeitskräfte zu Dumpinglöhnen“ einsetze.

Diese würden laut Ver.di „täglich aus Erfurt in Bussen herangekarrt und bis zu zehn Stunden eingesetzt“. Für den „Streikbrechereinsatz“ rechnet die Dienstleistungsgewerkschaft „mit täglichen Mehrkosten von über 80 000 Euro“ an den drei Lagerstandorten“. Die Leiharbeitsfirmen verlangten pro Arbeitsstunde 19,02 Euro plus Mehrwertsteuer. Die Arbeiter erhielten nach ihren Aussagen nur 6 bis 6,50 Euro „auf die Hand“.

Dazu Ver.di-Sekretär König: Edeka könne diese Tarifauseinandersetzung mit einem verhandlungsfähigen Angebot beenden, „anstatt auch noch Leiharbeitnehmer aus Polen auszubeuten“. Der Gochsheimer Betriebsrat lasse die rechtliche Möglichkeit einer einstweiligen Verfügung prüfen, weil er den Leiharbeitereinsatz für unverhältnismäßig halte. Und: Entgegen Äußerungen des Unternehmens, die Auswirkungen des Arbeitskampfes seien beherrschbar, herrsche vor Ort im Lager Gochsheim „das pure Chaos“. Kleine Händler würden kaum noch beliefert, Ware „nur noch unvollständig und meist falsch zusammengestellt“. Dies mache sich in Präsenzlücken mittlerweile bei den Händlern immer mehr bemerkbar.

Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen bestätigt Leiharbeitereinsatz, seit Streikbeginn, ohne eine genaue Zahl zu nennen. Zu den Kosten sagt das Unternehmen nichts.

Zur Bezahlung der Leiharbeiter heißt es schriftlich, diese würden „entsprechend den rechtlichen Vorgaben eingesetzt und entlohnt“. Welche Folgen hat der Streik nach 16 Streiktagen auf die Belieferung der Geschäfte und wie lange hält Edeka den Streik ohne spürbare Folgen für die Kunden durch? Der Lagerbetrieb in Gochsheim laufe „kontinuierlich und mit hoher Auslieferungsgenauigkeit weiter“, so Edeka. Bisher sei es nur zu vereinzelten Verzögerungen bei der Auslieferung an die Einzelhandelsmärkte gekommen. Die Warenversorgung sei bis auf Weiteres sichergestellt. Der Einzelhandelsriese wiederholt, dass er mit einer freiwilligen Anpassung der Löhne und Gehälter ab dem 1. April um 2,65 Prozent in Vorleistung gegangen sei. Ver.di fordert 6,5 Prozent.

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