SCHWEINFURT

Vergänglichkeit und Weltenschau

Jedes Bild ein Kosmos für sich: Der Maler Rolf Hofmann stellt im Konferenzzentrum aus. Foto: Elke Tober-Vogt

„Wir kommen ohne Bilder auf die Welt und gehen mit vielen.“ – Mit diesen Worten eröffnete Julius Hofmann die aktuelle Ausstellung des Künstlers Rolf Hofmann in der Glashalle und im Restaurant des Konferenzzentrums Schweinfurt.

Anfänglich seien es kleine Strichmännchen gewesen, die der ältere Bruder produziert habe; es folgten vielfältige Experimente mit unterschiedlichsten Techniken, schließlich das Aufnehmen von Eindrücken auf Reisen. Der gebürtige Schweinfurter hat sich inzwischen ins ruhige, naturnahe Falkenstein/Donnersdorf zurückgezogen und lässt dort fantasievolle Kreationen aus Tusche, Acryl oder Öl entstehen.

Auffällig springen die kraftvollen Farben ins Auge, die eingefangene Bewegung in den großzügig formatierten Bildern, die Rolf Hofmann als informell, abstrakt und konstruktivistisch einordnet. Manches wirkt wie ein riesiges Maschinenpuzzle, wie ein Spiel mit Elementen aus Technik und Umwelt; streng geometrische Formen lösen sich in filigraner und akribisch dargestellter Ornamentik auf. Farbexplosionen entstehen dabei, die den Betrachter wiederum ins Bild hineinzuziehen scheinen.

Üppige Vielfalt kennzeichnet auch die Exponate in einem begehbaren Kabinett, in dem sich eine völlig andere Seite des Künstlers offenbart. Hier ist die Vergänglichkeit ein großes Thema. Bröckelnde Häuserfronten sind das Ergebnis von Prozessen, in denen Hofmann zunächst eine heile Welt auf die Leinwand bringt, die er dann dem Verfall aussetzt. Die Probleme unserer Zeit beschäftigen ihn, so der Maler. Jedes Bild ist eine Weltenschau, ein Kosmos für sich, zusammengesetzt aus einem Kaleidoskop von Eindrücken: Atomfässer, Kriegsereignisse, Zerstörung, Talibankämpfer, ein Hakenkreuz, der mobile Ausgang, der jeweils dahin verbracht werden kann, wo es auf der Welt ein Problem zu lösen gilt.

Musikinstrumente wachsen aus Körperteilen, ein Bischof badet in Blut, ein anderer tätschelt den unter seinem Talar verschwindenden Kopf eines Kindes. Graffiti trifft auf Gedärme, Schweine suhlen sich in atomverseuchten Pfützen: Das alles klingt grauenvoll, ist jedoch wirklich ästhetisch und der von Hofmann kreierte „kritische beziehungsweise phantastische Realismus“, in dem der Besucher auf ausgedehnte Interpretationsreisen gehen kann.

Die Ausstellung ist noch bis zum 13. Juni zu sehen und jederzeit zugänglich.

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