SCHWEINFURT

Vergewaltigung: Bekannter ist der mutmaßliche Täter

Wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung muss sich ein 53 Jahre alter Portugiese aus der Region Schweinfurt vor dem Landgericht verantworten. Ihm wird zur Last gelegt, in der Nacht auf den 3. August 2013 eine 29-Jährige vergewaltigt zu haben. Der Angeklagte und sein mutmaßliches Opfer kannten sich seit Jahren. Sie arbeitete eine Zeit lang als Bedienung in der Bar, die der Mann als seine „Stammkneipe“ betitelt. Genau dort trafen sich die beiden aus Zufall an besagtem Abend. Die junge Frau war mit einer Freundin unterwegs, er unterhielt sich nach eigenen Angaben „mal hier, mal dort“.

Laut Staatsanwaltschaft waren beide bis zum Morgengrauen in der Kneipe, bis der Chef die Pforten schloss. Der Angeklagte, dessen Wohnung direkt neben der Bar liegt, lud die 29-Jährige auf einen Kaffee zu sich ein. In der Wohnung kam es zu dem Vorfall. Gleich nachdem die junge Frau auf dem Sofa Platz genommen hatte, kam der Mann auf sie zu. Laut Anklageschrift hielt er sie gewaltsam fest und drückte sie ins Kissen. Als sie sich wehrte, soll der Angeklagte sie auf den Boden geworfen haben. Die 29-Jährige erlitt Hämatome an Oberarmen, an den Innenseiten der Oberschenkel sowie weitere Hautrötungen. Den Slip der jungen Frau fand die Polizei bei einer Durchsuchung hinter dem Sofa.

„Ich hatte solche Angst, habe versucht mich zu wehren, geschrien, ihn getreten und gekratzt“, sagt die junge Frau glaubwürdig im Zeugenstand. Er sei stärker gewesen. Irgendwann habe sie nichts mehr gespürt, „nur noch schwarz gesehen“. Ob es zum Geschlechtsverkehr kam, daran kann sie sich nicht genau erinnern.

Als der Mann von ihr abließ, rannte die 29-Jährige barfuß aus dem Haus. Geld, Schlüssel und Handy ließ sie zurück und versteckte sich draußen auf einem Parkplatz hinter Pkws. „Einerseits suchte ich nach Hilfe, andererseits wollte ich allein sein.“ Zwei Jogger wurden auf sie aufmerksam und riefen Sanitäter und Polizei. Niemals habe sie gedacht, dass so etwas passieren könnte, erklärt die Frau dem vorsitzenden Richter. Seit der furchtbaren Nacht leide sie unter Albträumen. „Immer wieder sehe ich sein Gesicht vor mir.“

Dabei habe sie zum Angeklagten ein „normales Kellner-Kunde-Verhältnis“ gehabt. Sie habe ihn als eher ruhigen Menschen wahrgenommen. „Es hatte nie den Anschein, dass er mehr von mir will. Sonst wäre ich nie mitgegangen“, betont sie. Ihre Freundin, die ihn besser kannte, beschrieb ihn als „harmlos“. In besagter Nacht stritt sich die Geschädigte mit dieser Freundin, die eigentlich bei ihr übernachten sollte. „Plötzlich war sie verschwunden und ich hatte kein Ahnung, wo sie ist.“ Der Angeklagte schlug vor, man könne sie anrufen und in seiner Wohnung auf sie warten. „Ich habe mir nichts dabei gedacht“, so das mutmaßliche Opfer.

Der Angeklagte, der seit über 15 Jahren in Deutschland lebt, kann sich nach eigener Aussage an kaum etwas erinnern. Er habe Alkohol und Drogen konsumiert. „Ich weiß, dass ich mich neben sie gesetzt und ihr Bein gestreichelt habe“, sagt er mit Hilfe seiner Übersetzerin. Dass die junge Frau sich gewehrt hat, daran kann er sich nicht erinnern. Räumt aber ein, dass er nicht ausschließen könne, „etwas gegen ihren Willen getan zu haben“. „Ich schäme mich, wenn es so gewesen sein sollte.“ Er sei sich aber sicher, dass es nicht zum Geschlechtsverkehr gekommen ist. Sein Verteidiger weist auf das gynäkologische Gutachten hin. Es sei nicht nachweisbar, das die Frau vergewaltigt wurde.

Weiter geht die Verhandlung am 20. März. Für die Höhe des Strafmaßes ist entscheidend, ob es sich bei der Tat um „versuchte“ Vergewaltigung und sexuelle Nötigung oder Vergewaltigung handelt. Zudem ist der 53-Jährige wegen Drogenbesitzes angeklagt. Die Polizei fand Amphetamine im Kühlschrank und Cannabis-Pflanzen auf seinem Balkon.

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