SCHWEINFURT

Verkettung unglücklicher Umstände

Der 50-Jährige, der im Juli 2012 bei einem Arbeitsunfall zu Tode kam, hatte einfach nur ganz viel Pech. Der ledige Mann war bei einer Schweinfurter Malerfirma beschäftigt, die von einem hiesigen Großunternehmen schon Jahre mit Wartungsarbeiten beauftragt war. Sein Job lautete: die Räume zu streichen, in denen eine Petroleum-Filteranlage steht.

Weil von einer solchen Anlage im Schadensfall Gefahren ausgehen, gab es hohe Sicherheitsvorkehrungen. Die Türen waren verschlossen. Man gelangte nur in Begleitung Kundiger in den Bau 24. Dem 50-Jährigen hatte vor dem Einsatz in diesem nicht ungefährlichen Bereich aber niemand gesagt, dass im Alarmfall eine CO2–Löschanlage aktiviert wird und nur 35 Sekunden bleiben, den Raum zu verlassen.

Heute steht fest, dass der Arbeiter die optischen wie akustischen Warnhinweise gehört hat. Er benutzte aber mangels Einweisung nicht den – kürzeren – Weg raus aus dem Gefahrenbereich, sondern wählte den längeren, verhängnisvollen Weg, den er kannte. Als die 35 Sekunden abgelaufen waren, schlossen sich die Brandschutztüren, das CO2 schoss in den Raum. Die Werksfeuerwehr konnte den Mann noch bergen, er starb aber wenige Tage später im Krankenhaus.

Das besonders Tragische am Fall: Es war ein Fehlalarm. Außerdem: Wäre der Arbeiter in seinem Raum geblieben, wäre ihm nichts passiert. Er befand sich im Löschbereich 2. Im Löschbereich 1 kam er zu Tode.

Vor dem Amtsrichter sitzen zwei Angeklagte. Der Vorgesetzte (45) des Malers und der Diplom-Ingenieur (32) des Großunternehmens, der den Maler-Auftrag erteilt hatte. Beide hatten die wegen fahrlässiger Tötung ausgestellten Strafbefehle nicht akzeptiert. Sie fühlen sich unschuldig.

Beide Angeklagten stellen ihre großes Bedauern über den Tod des 50-Jährigen an den Anfang ihrer Aussage. Der 45-Jährige sagt, dass er bei der Auftragsvergabe nicht dabei war und hinsichtlich der Gefahren den gleichen Kenntnisstand hatte wie sein Kollege. Also keinen. Er sagt, dass da „einige Dinge schief gelaufen sind“, die habe aber eine höhere Ebene zu verantworten, nicht er.

Der Diplom-Ingenieur erklärt, dass er erst kurz in der Firma war und davon ausgegangen sei, dass die Mitarbeiter der regelmäßig eingesetzten Wartungs- und Malerfirma „sich auskennen“, also von den Gefahren und dem nötigen Reagieren wussten.

Es werden zahlreiche Zeugen gehört, darunter Mitarbeiter beider Firmen, die zusammenfassend erklären, dass es Sicherheitseinweisungen, die diesen Namen verdienen, erst seit dem tragischen Unfall gibt. Vorher eher nicht. Und das trotz einer Anweisung von 2007, in der Gefährdungsbeurteilungen für alle Tätigkeiten auf dem Firmengelände bestimmt wurden. „Es hat sich leider bewahrheitet, dass die Arbeit in diesem Bereich nicht gefahrlos war“, merkte der Richter an. Gleichwohl: Die Verantwortung nur den beiden Angeklagten anzulasten, war nicht zu halten. Deshalb forderten die Verteidiger eine Einstellung des Verfahrens. Dem folgte das Gericht gegen Zahlung einer Geldauflage an gemeinnützige Einrichtungen. Die unterschiedliche Höhe von 900 (für den 45-Jährigen) beziehungsweise 1500 Euro für den Ingenieur liegt am jeweiligen Verdienst.

Ein Zeuge schilderte im bis auf den letzten Platz besetzten Gerichtssaal seinen früheren Kollegen als zurückhaltend, aber auch ängstlich, weil er fürchtete, Fehler zu machen. Deshalb habe er auch immer nachgefragt. Am 2. Juli 2012 hat er das nicht getan.

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