Gerolzhofen

Verstoß gegen die Schutzgebietsverordnung im Wald bei Gerolzhofen?

Im "Mahlholz" bei Gerolzhofen mussten für den Abtransport geschädigter Bäume teilweise neue Rückegassen angelegt werden. Einige Naturfreunde kritisieren dies. Foto: Klaus Vogt

Die jüngsten Forstarbeiten im städtischen Wald "Mahlholz" unterhalb der Waldesruh haben deutliche Spuren hinterlassen. Und dies im wahrsten Sinn des Wortes: Die schweren Forstmaschinen des von der Stadt beauftragten Forstunternehmens haben auf den Rückegassen im feuchten Boden tiefe Rillen verursacht. Jetzt haben sich Bürger an das Landratsamt Schweinfurt gewandt mit der Frage, ob bei den Arbeiten denn alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Sie weisen darauf hin, dass ein Teil des "Mahlholz" unter Naturschutz steht. Trotzdem seien auch dort Bäume gefällt worden. "Aktivisten" sollen inzwischen sogar eine Drohne zum Einsatz gebracht haben, um die Schäden fotografisch festzuhalten, wird in Internetforen kolportiert.  

Wie bereits ausführlich berichtet, musste Stadtförster Jochen Schenk massiv in den Wald eingreifen. Insgesamt wurden auf einer relativ kleinen Fläche 1700 Festmeter Holz gefällt und aus dem Wald geschafft. Dadurch sind an einigen Stellen, die man beispielsweise auch vom Trimmpfad aus sehen kann, regelrechte neue Lichtungen entstanden.

Starker Schädlingsbefall

Es gibt mindestens drei Gründe, die für die Forstarbeiten sprechen. Grund Nummer eins: In den durch hohe Temperaturen und Dürre geschwächten Fichtenbeständen haben sich die Borkenkäfer, insbesondere der Buchdrucker, massiv vermehrt. Befallene Bäumen mussten schnellstmöglich aus dem Wald geholt werden, ehe die nächste Generation Käfer ausfliegt. Aufgrund der warmen Witterung beginnen die Käfer nämlich mittlerweile schon im zeitigen Frühjahr mit der Ei-Ablage und schaffen es so, dass sich binnen eines Jahres drei Generationen entwickeln können. Aus einem einzigen Käfer-Pärchen im Frühjahr entstehen so über 100 000 neue Käfer – oder anders ausgedrückt: Ausgehend von einer einzigen Fichte, die von der ersten Käfer-Generation befallen ist, werden von der dritten Generation weitere 400 Bäume befallen.

Verkehrssicherungspflicht

Grund Nummer zwei: Zahlreiche Kieferbäume sind bei der extremen Hitze im Sommer wegen Wassermangel abgestorben. Sie stellten insbesondere entlang der Wege und des Trimmpfads eine Gefahr für Fußgänger dar, erklärt der Gerolzhöfer Bürgermeister Thorsten Wozniak, der sich nun auch selbst in die laufende Diskussion eingeschaltet hat. Man habe aus der Verkehrssicherungspflicht heraus handeln müssen, zumal das "Mahlholz" sehr intensiv von Spaziergängern und Sportlern frequentiert werde. Die abgestorbenen Kiefern mitten im Wald, weit entfernt von den Wegen, blieben allerdings als Totholz stehen.

Grund Nummer drei: Auch auf das von einem aus Ostasien eingeschleppten Pilz verursachte Triebsterben an den Eschen musste reagiert werden. Förster Jochen Schenk bezeichnete in einem Gespräch mit dieser Redaktion die Forstarbeiten deshalb auch als "Hygiene-Hiebe". Man habe dringend handeln müssen, denn es sei Gefahr im Verzug gewesen. Das beauftragte Forstunternehmen habe sehr schonend im Wald gearbeitet und sich insbesondere bei der Nutzung der Rückegassen strikt an alle Auflagen gehalten. Dies gelte insbesondere für das Naturschutzgebiet mitten im "Mahlholz". Die durch das Naturschutzgebiet geschützten Dolinen seien bei den Arbeiten in keinster Weise berührt oder gar geschädigt worden.

Mit Fachbehörde abgestimmt

Bürgermeister Thorsten Wozniak stellt klar, dass vor Beginn der Arbeiten die ganze Aktion mit Stephan Thierfelder, dem Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schweinfurt, abgestimmt worden sei. Die Arbeiten seien für den Waldschutz zwingend notwendig gewesen. Die Einschätzung des Stadtförsters habe auch die Fachbehörde geteilt. Allerdings habe man es versäumt, neben dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten deswegen auch noch die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt in Schweinfurt einzuschalten, gibt Wozniak zu.

Es sei bedauerlich, so der Bürgermeister, dass Kritik an den angeblich unsachgemäßen Forstarbeiten in erster Linie in den sozialen Netzwerken wie Facebook laut werde oder dass man sich damit gleich an das Landratsamt wende. Es wäre besser gewesen, wenn sich die Kritiker erst einmal direkt mit dem Förster oder mit der Stadtverwaltung in Verbindung gesetzt hätten. In solchen Gesprächen könnte man vieles klären.

Abstimmung grundsätzlich nicht nötig

"Die Forstarbeiten im Mahlholz wurden nicht mit der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Schweinfurt abgestimmt", bestätigt auch Tanja Dannhäuser, Pressesprecherin des Landratsamts, auf eine entsprechende Anfrage dieser Redaktion. Allerdings: Eine solche Abstimmung ist grundsätzlich gar nicht nötig. Denn Forstarbeiten im Naturschutzgebiet "Dolinen im Mahlholz" brauchen weder gemeldet noch mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt werden, wenn es sich um eine "ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Bodennutzung" handelt. Konkret schreibt Tanja Dannhäuser: "Die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Bodennutzung ist gem. § 5 S. 1 Nr. 1 der Verordnung der Regierung von Unterfranken vom 07.10.1991 Nr. 820-8622.01-15/85 über das Naturschutzgebiet 'Dolinen im Mahlholz' zulässig."

Teile des "Mahlholzes" stehen wegen den Erd-Einbrüchen unter Naturschutz. Foto: Klaus Vogt

Es stellt sich also nur die Frage, ob die inzwischen abgeschlossenen Forstarbeiten im Naturschutzgebiet eine "ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Bodennutzung" im Sinne der Schutzgebietsverordnung waren und somit ohne vorherige Information des Landratsamts erfolgen konnten.  Die Einschätzung, ob die Arbeiten "ordnungsgemäß" waren oder nicht, treffe allerdings nicht die Naturschutzbehörde am Landratsamt, sondern die Forstverwaltung, erklärt Dannhäuser. Die Forstverwaltung, sprich das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schweinfurt, war aber – wie Bürgermeister Thorsten Wozniak betont – von der Stadt eingeschaltet worden.

Man werde in den kommenden Wochen im Rahmen eines gemeinsamen Behördentermins erörtern und prüfen, so Tanja Dannhäuser abschließend, inwieweit die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Bodennutzung eingehalten wurde – oder ob im "Mahlholz" eventuell doch ein Verstoß gegen die Schutzgebietsverordnung vorliegt.

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