SCHWEINFURT

Versuchter Mord: Fast acht Jahre für Messerstecher

Der Angeklagte bekommt von einer Polizeibeamtin vor der Urteilsverkündung die Handschellen abgenommen.
Der Angeklagte bekommt von einer Polizeibeamtin vor der Urteilsverkündung die Handschellen abgenommen. Foto: Nike Bodenbach

Weil er versucht hat, einen angeblichen Nebenbuhler umzubringen, ist ein 52-Jähriger am Mittwoch zu sieben Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden. Die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Schweinfurt war sich sicher, dass der Bewohner der Asylunterkunft in Waigolshausen am 26. Mai letzten Jahres einem Mitbewohner am Radweg von Waigolshausen nach Werneck aufgelauert und ihn mit einem Messer lebensgefährlich verletzt hat. Weil das 26-jährige Opfer in der Asylunterkunft einmal die Ehefrau des Mannes vor dessen Schlägen in Schutz genommen hatte, glaubte der Verurteilte an eine Affäre der beiden – die es allerdings nie gab.

Verurteilung wegen versuchten Mordes

Das Gericht folgte der Anklage und verurteilte den Mann wegen versuchten Mordes, in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Die Verteidigung hatte für eine „milde Freiheitsstrafe“ lediglich wegen gefährlicher Körperverletzung plädiert, forderte maximal vier Jahre (wir berichteten). Mit sieben Jahren und neun Monaten liegt das Strafmaß nun deutlich näher an der Forderung des Oberstaatsanwalts, der achteinhalb Jahre gefordert hatte.

Die längste Zeit wird der Mann, der Alkoholiker ist, in einer Erziehungsanstalt verbringen, um seine Sucht zu besiegen. Der Mann wird oft aggressiv, wenn er getrunken hat. Vor die Therapie hat das Schwurgericht allerdings noch ein Jahr und zehn Monate Gefängnis gesetzt. Der 52-Jährige nahm das Urteil weitgehend regungslos hin. Den Blick gesenkt lauschte er mehr als eine Stunde der Urteilsbegründung, die eine Dolmetscherin für ihn übersetzte.

Das Gericht sah das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt. Wie berichtet, hatte der 52-Jährige sein Opfer zunächst am Radweg gesehen, sich dann in einem Laden in der Nähe ein Messer mit einer 21 Zentimeter langen Klinge geklaut und sich dann an einer Engstelle dem vermeintlichen Nebenbuhler in den Weg gestellt, die Klinge hinterm Rücken verborgen. Als dieser ihn aufforderte, ihn durchzulassen, stach ihm der 52-Jährige das Küchenmesser ohne jede Vorwarnung in den Oberbauch.

Das Messer hat Körperhauptschlagader nur knapp verfehlt

Nur durch zwei Notoperationen am selben Tag konnte laut rechtsmedizinischem Gutachten sein Leben gerettet werden. Die Klinge verfehlte nur knapp die Körperhauptschlagader. Unter anderem wurden Bauchspeicheldrüse und Darm verletzt. Das Schwurgericht kam angesichts der Umständen zum Schluss, dass der Verurteilte in der Absicht handelte, sein Opfer erheblich zu verletzen und seinen Tod mindestens billigend in Kauf genommen hätte.

Dass der Mann nach dem Messerstich von seinem Opfer abließ, das Messer wegwarf und flüchtete, gereichte dem 52-Jährigen auch nicht zum Vorteil: Das Gericht war überzeugt, dass er nur wegen zwei herannahenden Radlern abhaute und nicht, weil er sein Opfer verschonen wollte. Als die Polizei ihn später dingfest machte, wehrte er sich auf der Wache auch noch gegen die Blutentnahme, schlug nach den Beamten und bedrohte sie. Die Strafe dafür floss ebenfalls ins Urteil ein. Für den Angeklagten sprach – zumindest formell – dass zur Tatzeit seine „Steuerungsfähigkeit vermindert“ war, er also Alkohol getrunken hatte. Das Gutachte ergab 2,15 Promille.

Nach der Urteilsverkündung wurde der Mann in Handschellen aus dem Saal geführt, er muss wegen Fluchtgefahr bis das Urteil rechtskräftig ist weiterhin in Untersuchungshaft bleiben. Wie der Vorsitzende Richter ausführte, leidet das Opfer bis heute an den Folgen. Vor kurzem musste der frühere leidenschaftliche Kampfsportler erneut notoperiert werden, weil er einen Darmverschluss hatte.

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