SCHWEINFURT

Vertreibung und Versöhnung

Bauinnung 2 100 Jahre
HelmutIrblich Foto: Ruppert (MainPost)

Seine sudetendeutsche Herkunft hat er nie vergessen. Für das Baugewerbe hat er sich über Gebühr engagiert. Am Sonntag, 7. Juni feiert der Bauunternehmer Helmut Irblich seinen 85. Geburtstag im engsten Familienkreis.

Sein ereignisreiches Leben hat der Jubilar in einer von ihm „Gewinn- und Verlustrechnung“ genannten Vita zusammengefasst. Dass die Zeiten nicht immer einfach waren, er aber seinen Weg gemacht hat, liest sich darin eindrucksvoll.

Am 7. Juni 1930 wird Helmut Irblich (Foto: Fuchs-Mauder) als ältester Sohn einer Bauunternehmerfamilie in Jägerndorf in Sudetenschlesien geboren. 1945 wird sein Vater Franz vom tschechischen Volksgericht Troppau zu zehn Jahren Kerker verurteilt. Die Eltern werden ihrer Besitztümer enteignet. Helmut arbeitet als Holzfäller, Pferdeknecht und als Ziegeleiarbeiter im Landesinneren Mährens.

1950 geht Helmut Irblich nach der Ausweisung nach Hessen als Werkstudent nach Karlsruhe, arbeitet dort am Wiederaufbau des Rathaus-Bürgersaals mit. 1956, ein Jahr nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis, gründet sein Vater das Unternehmen Franz Irblich in der Deutschhöfer Straße 23 in Schweinfurt. Als der Vater sechs Jahre später an den in der Gefangenschaft zugezogenen Leiden stirbt, bricht Helmut sein Staatsexamen ab und führt mit seiner Mutter Waltraud das Unternehmen weiter, ab 1962 im neu gebauten Gebäude in der Friedrich-Ruß-Straße.

Ein Jahr später wird Helmut zum Obermeister der Bau-Innung Schweinfurt und Haßberge gewählt. Er vertrat zeit seines Lebens vehement die überbetriebliche Ausbildung in innungseigenen Lehrwerkstätten. Nach 18-jährigen Bemühungen hatte er 1993 die Politik von der Notwendigkeit des Bauhandwerkersicherungsgesetzes überzeugt.

Mit seinen Brüdern Edgar und ab 1996 Ingo führt Irblich das Bauunternehmen weiter. 2001 übernimmt sein Sohn Ingo die Geschäftsführung der Irblich Bau GmbH & Co KG. 137 Gesellen absolvierten erfolgreiche bei Irblich ihre Lehre, Irblich bildete eine Bundes-, drei Landes- und sechs Kammersieger aus.

Der Jubilar wurde 2005 in die Bundesversammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaft berufen. Er ist Mitglied im Heimatkreis Jägerndorf, organisierte dort mehrere Male, zuletzt 2014, anlässlich der deutsch-tschechischen Kulturwochen Konzerte in der von seinem Vater 1938 geretteten Synagoge. 2014 wurde im Alten Friedhof Schweinfurt ein Gedenkstein zur Erinnerung an die Millionen Opfer der Vertreibung eingeweiht. Für seine Errichtung hatte sich Irblich eingesetzt.

Vor weiteren Schicksalsschlägen blieb er nicht verschont: Seine erste Frau Margit starb 1989. Aus dieser Ehe ging neben Ingo noch Tochter Judith hervor. Seine zweite Frau Ingrid starb 1999 nach drei Jahren Ehe.

Heute sind Schmökern, Wandern, Baugeschichte und die deutsch-böhmischen Verständigungsbemühungen in Europa die Freizeitbeschäftigungen des 85-Jährigen, der neben allen Ehrungen der Bau-Innung und höchsten Auszeichnungen der Sudetendeutschen im Jahr 1989 das Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik erhielt.

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