SCHWEINFURT

Vertreibungen sind Unrecht

Schmucke Trachten: Treffen am Tag der Heimat. Im Bild (von rechts) der Kreisvorsitzenden des Bundes der Vertriebenen Schweinfurt, Peter Krier, stellvertretende Landrätin Christine Bender und Verbandsmitglieder. Foto: Clemens Vogel

„Vertreibungen sind Unrecht, gestern wie heute“ – dies war das Leitwort der Feierstunde zum Tag der Heimat.

Neben der aktuellen Flüchtlingssituation stand die Erinnerung an das Kriegsende vor 70 Jahren, an die im Januar 1945 begonnene Flucht aus den östlichen Gebieten, an die Vertreibung vieler Deutschen aus ihrer Heimat und an die Deportation der Deutschen zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion im Fokus der Redner. Die Veranstaltung stand in Verbindung mit der in der Glashalle des Konferenzzentrums auf der Maininsel gezeigten Ausstellung „Heimatvertriebene in Schweinfurt“.

Die Festansprache hielt Horst Göbbel, Leiter des Hauses der Heimat Nürnberg. Der Redner gab einen Bericht über die Vertreibung und über die Eingliederung der Vertriebenen. Er zeigte Parallelen zur heutigen Flüchtlingssituation auf. Mit eindrucksvollen Bildern präsentierte er die Not der Flüchtlinge und rief auf, den heutigen Vertriebenen zu helfen. „Ihnen, die aus ihrer Heimat fliehen müssen, sollten wir solidarisch helfen“, sagte Göbbel.

Auch Peter Krier, der Vorsitzende des BdV-Kreisverbandes, erinnerte an den gewaltigen Flüchtlingstreck, der sich im Winter 1945 aus Ostpreußen – unter großen Verlusten – westwärts schob. Mit dem Kriegende begann die Vertreibung. Etwa 2,2 Millionen Deutsche sind während der Flucht und während der Vertreibung zu Tode gekommen. Etwa zwölf Millionen Ostdeutsche wurden als Flüchtlinge und Vertriebene registriert, ihnen folgten 4,5 Millionen Aussiedler und Spätaussiedler. Etwa 18 Millionen Deutsche haben in Folge des Krieges ihre Heimat verloren, so Krier in einer Pressemitteilung. Von Januar bis Oktober 1946 sind in Schweinfurt 29 Züge mit je 1200 Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland angekommen. Im Laufe der Jahre haben diese Menschen hier eine zweite Heimat gefunden, so Krier.

OB Sebastian Remelé sagte, die Situation damals ähnele der heutigen. Die Not der Menschen sei die gleiche. Allerdings war das damalige Deutschland ein zerbombtes, zerschlagenes Land, „während wir heute in einem wohlhabenden Land viel mehr Möglichkeiten haben, diese Menschen aufzunehmen, ihnen zu helfen“.

Einen weiteren Unterschied zu den Vertriebenen sieht das Stadtoberhaupt darin, dass es sich bei den jetzigen Flüchtlingen um Menschen anderer Sprache und Kultur und weitgehend auch anderer Religion handelt. „Die nach dem Zweiten Weltkrieg Vertriebenen waren Deutsche, hatten die gleiche Sprache und Kultur, ihre Eingliederung war wesentlich leichter, als die der jetzt zu uns kommenden Menschen.“

Auch die Stellvertretende Landrätin Christine Bender rief zur gemeinsamen Bewältigung des aktuellen Flüchtlingsproblems und der Not dieser Menschen auf.

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