Schweinfurt

Veto gegen Zufahrt: Ist Neubau der Goppel-Schule gefährdet?

Die Änderung des Bebauungsplanes für den Neubau des Beruflichen Schulzentrums Alfons Goppel sollte Routine sein. Warum die CSU sich dagegen wendet und der Zeitplan wankt.
Die jetzige Situation am südwestlichen Eingang des Berufsschulzentrums vom Geldersheimer Weg aus, rechts der Radweg, den viele Schüler Richtung Alexander-von-Humboldt-Gymnasium benutzen. Foto: Oliver Schikora

Im Juli, als im Stadtrat der Streit mit dem Architekten um das Kulturforum voll entbrannte, lehnten sich die Kreisräte ein paar hundert Meter vom Rathaus entfernt im Sitzungssaal des Landratsamtes zurück. Sie waren sehr zufrieden mit dem Vortrag des Architekturbüros zum Neubau des Beruflichen Schulzentrums Alfons Goppel, einem 52-Millionen-Euro-Projekt, das bis dato völlig reibungslos lief.

Jetzt kommt aber Sand ins Getriebe der bisher so gut geölt laufenden Planung. Der Grund: Im Ferienausschuss der Stadt wurde die Behandlung der notwendigen Änderung des Bebauungsplanes für das Grundstück am Ende der Geschwister-Scholl-Straße zurückgestellt, bis dem Stadtrat die Planung des Landkreises zum Verkehrskonzept vorliegt. 

Für die Schweinfurter Bauverwaltung kam der Einwand von CSU-Stadtrat Rüdiger Köhler überraschend. Er hatte den Plan genau gelesen und festgestellt, dass die offizielle Zufahrt für das neue Schulzentrum nicht mehr wie im Moment über die Geschwister-Scholl-Straße, sondern über die Geldersheimer Straße von Südwesten her geplant ist. Das war zum einen den Räten nicht bewusst, zum anderen befürchten sie, dass die Bewohner am Bergl morgens und mittags wegen des zunehmenden Verkehrs (die Schule hat gut 700 Schüler) über Gebühr belastet werden. 

Das Modell für den Neubau des Alfons-Goppel-Berufsschulzentrum (links) in der Geschwister-Scholl-Straße in Schweinfurt. Foto: Schwinde Architekten

Als Haupterschließung sei jedenfalls der bisher nur als Fußweg genutzte südwestliche Zugang auf das Grundstück nicht geeignet, so Köhler. Er forderte, dass die Parkplatzerschließung im Bebauungsplan zwingend von Norden her festgelegt werden solle. Die bisherige Planung hält Köhler für "wenig sinnvoll."

Unterstützt wurde er von Linken-Stadtrat Sinan Öztürk. Er befürchtet verstärkt Parksuchverkehr im Wohngebiet und wies darauf hin, dass es durch eine neue, vergrößerte Einfahrt auch Probleme mit Radfahrern geben könnte, die dort auf dem Weg zum Alexander-von-Humboldt-Gymnasium queren.

Der Weg hinter dem Berufsschulzentrum Richtung Ausfahrt auf den Geldersheimer Weg.  Foto: Oliver Schikora

Stadtbaumeister Markus Sauer sah die Causa anders. Er verwies darauf, dass Stadt und Landkreis gemeinsam die Planung abgestimmt hätten und man nun bei einem Zurückstellen des Bebauungsplanes mindestens ein viertel Jahr, möglicherweise länger verlieren werde. Aus Sicht der Bauverwaltung sei die südwestliche Erschließung in Ordnung, "da es für eine Entlastung am Kennedy-Ring sorgen würde." Baureferent Ralf Brettin erklärte schließlich, man sollte noch einmal in Ruhe die Landkreis-Planung betrachten und dem Bauausschuss unter Berücksichtigung des Verkehrskonzeptes vorlegen.

Blick ins Innere des jetzigen Berufsschulzentrums Alfons Goppel an der Geschwister-Scholl-Straße. Der Altbau soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Foto: Josef Schäfer

Der Kreistag hatte sich im März diesen Jahres für eines von drei Modellen entschieden, das die Planer als "magischen Würfel" bezeichnen. Geplant ist ein quadratischer, puristisch anmutender Bau auf vier Stockwerken mit einer Fläche von 12 510 Quadratmetern. Darin enthalten sind nicht nur die Unterrichtsräume, sondern auch Lehr-Küchen, -Bäckerei, Werkräume, Mensa sowie die komplette Technik bis hin zu Photovoltaikanlagen auf dem Dach.

Gebaut wird an der nordöstlichen Ecke des jetzigen Gebäudes auf dem Parkplatz. Die jetzige Schule läuft so lange weiter, bis der Neubau fertig ist. Nach dem Umzug in die neue Heimstatt, werden das alte Gebäude abgerissen und eine großzügige Außenanlage mit viel Grün angelegt. Im Januar 2020 wollte man mit der Bauleitplanung fertig sein, danach sollte es losgehen, denn der Umzug ist bereits zum Schuljahresbeginn im September 2022 geplant. Ob der Zeitplan gehalten werden kann, ist nun zumindest fraglich. Erst wenn der Bebauungsplan geändert ist, kann der Bau beginnen.

Für Schweinfurter Stadträte war die Erkenntnis, dass der Neubau des Beruflichen Schulzentrums Alfons Goppel von Südwesten her über den Geldersheimer Weg erfolgen soll, überraschend. Sie stellten die Änderung des Bebauungsplanes für das Gebiet zurück, bis ein Verkehrskonzept des Landkreises vorliegt. Foto: Oliver Schikora

Während der Neubau im November 2020 begonnen werden soll, ist die Sanierung der schuleigenen Doppelturnhalle ab 2021 vorgesehen. 

Neben dem Berufsschulzentrum bezieht sich die Bebauungsplanänderung auch auf andere Themenfelder. Endgültig gestrichen wurde nun sowohl aus dem Bebauungs- als auch dem Flächennutzungsplan das einstmals dort vorgesehene Bergl-Spaßbad. Dafür wurde vor einigen Jahren bekanntlich das Silvana-Freizeitbad gebaut. Bereits zweimal geändert wurde der Bebauungsplan, um Baurecht für die Vorhaben des Montessori-Vereins Schweinfurt zu schaffen.

Mittelfristig ist in dem Gebiet auf den freien Ackerflächen zwischen den Montessori-Schulen und dem Beruflichen Schulzentrum der Neubau eines Mittelschulzentrums für Schweinfurt angedacht, wie es im Schulentwicklungsplan der Stadt vorgeschlagen ist. Das ist aber echte Zukunftsmusik.

Sollte zukünftig die offizielle Einfahrt zum Berufsschulzentrum Alfons Goppel über den Geldersheimer Weg erfolgen, müsste wohl auch die Verkehrsführung in der Kurve Richtung Bahnunterführung vom Bergl kommend angepasst werden. Foto: Oliver Schikora

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