DISHARMONIE

Vielfalt und Qualität

Auf die Frage, wie viele Menschen die Programme der Disharmonie unter seiner Ägide als Geschäftsführer schon besucht haben, antwortet Jürgen Dahlke spontan: „Massenhaft, fast eine Million.“ Dann hält er aber doch kurz inne, rechnet zur Sicherheit noch mal nach, nickt und sagt, dass es vielleicht sogar mehr als eine Million sind. Seit 35 Jahren engagiert er sich in der Kulturwerkstatt, anfangs ehrenamtlich und auch mal kurz als Vorsitzender, seit 32 Jahren als Hauptamtlicher.

Disharmonie ohne Dahlke? Die Antwort gibt unerwartet Ali Büttner. Er hat mit seinem Korbtheater gerade fünf Kindergartengruppen glücklich gemacht, räumt im Saal seine Bühne weg und mischt sich ins Interview ein, weil er Dahlkes Arbeit loben und auf die „gigantische Programmvielfalt“ hinweisen will. Kindertheater gehört auch dazu, in der Disharmonie hat es einen festen Platz, freut er sich.

Alternative Kunst und Kultur fand in Schweinfurt vor 40 Jahren vor allem in der legendären „Schreinerei“ nahe dem Obertor statt. Aus dieser kritischen Bewegung gründeten sich vor 35 Jahren das Jugendkulturhaus Stattbahnhof und die Kulturwerkstatt Disharmonie, letztere mit dem „Superstandort“ am Main. Die Gutermannpromenade war damals „ein verlassenes Eck“, im Gebäude „haben die Tauben vom Marktplatz gewohnt“, erinnert sich Dahlke. Aber heute ist es hier vor allem wegen der Disharmonie voller Leben.

Über die Stadt hinaus ein Begriff

Die Kulturwerkstatt sei heute etabliert, eine feste Größe, ein Begriff, längst nicht mehr nur in der lokalen Kulturlandschaft. Das drücke sich dadurch aus, dass Größen wie Django Asül, Rolf Miller oder Matuschek „bei uns ihre Premieren spielen“, womit Dahlke die Disharmonie, konkret den Saal mit 120 Sitzplätzen meint. „Wegen der Atmosphäre und weil die wissen, dass wir in Sachen Licht und Ton längst Profis sind.“

Die Disharmonie finanziert sich mit einem Mix aus öffentlichen Mitteln, eigenen Umsätzen, privaten Geldgebern, Spendern, Sponsoren. Man habe das bisher immer hingekriegt, „weil wir mit Geld umgehen können, weil wir Risiko scheuen, weil uns über 600 Mitglieder stützen, weil der Vorstand engagiert ist und weil ehrenamtliche Helfer da sind.“ Dahlke spricht von einer 20-köpfigen „Supertruppe“, die die Künstler betreut, an der Theke steht, Kartendienst leistet. Sein eigenes Pensum ist fast schon unheimlich. Von September bis Juni ist jedes Wochenende Dienst, 250 Veranstaltungen im Jahr, plus Workshops, plus Treffen der Gruppen im Haus. Er hat dennoch nach wie vor Spaß, denkt auch nicht heute oder morgen ans Aufhören, aber übermorgen. Dahlke ist 61. Er weiß, dass es einen wie ihn nicht mehr geben wird.

Er und der Verein wissen deshalb, dass jetzt ein junger Mensch eingestellt werden muss, der als Nachfolger aufgebaut wird. Die Kulturarbeit der Disharmonie beschreibt er so: „Sie besteht aus Teilhalbe plus Vielfalt plus Qualität.“ Er verweist hier auf die Erfolgsgeschichte der Schweinfurter Kulturvereine und Kulturverbände, die Talente und Kreative fördern, die mit ihrer Arbeit viel zur Integration beitragen. Der Disharmonie-Geschäftsführer lenkt den Blick auch auf die Zuschauerzahlen: 50 Prozent der Besucher kultureller Veranstaltungen in Schweinfurt nutzten die Angebote der freien Szene. Alle Stars seien aus den Kulturzentren gekommen, sagt Dahlke und nennt an Promis, die in der Disharmonie das Laufen lernten, unter anderem Urban Priol, Frank Markus Barwasser oder Michael Wollny. „Wir haben die Bühne für sie zur Verfügung gestellt.“

Herzenswunsch Open-Air-Bühne

An Ideen und Künstlern mangelt es der Disharmonie nicht. „Es gibt viel zu wenig Spielorte“, aber immer mehr Musiker und Künstler, die auftreten wollen. An manchen Tagen gibt es bis zu 70 Anfragen, berichtet er. Die Theaterarbeit würde Dahlke gerne ausbauen, er hat interkulturelle Projekte im Kopf, will noch mehr Experimentelles und junge Leute ins Haus bringen und an die Disharmonie binden. „Wir schaffen das schon gut über den Jazz (Jazzival und Jazz am Main), die Slams um Manfred Manger und den Comedy-Lounge.“

Und er hat einen Herzenswunsch: Eine fest installierte Open-Air-Bühne auf dem Main. Bei der Landesausstellung Main und Meer gab es eine solche schwimmende Bühne. „Das hätten wir gerne dauerhaft“, sagt Dahlke.

Rückblick

  1. Der Weg in ein eigenes Leben
  2. Mit Leichtigkeit und Transparenz
  3. Die hohe Kunst des Tanzes
  4. Getanzte Leidenschaft in Vollendung
  5. Hommage an Bach
  6. Freies Spiel der Hormone
  7. Die Experten in Sachen Informel
  8. Ein lebendiger Ort der Kunst
  9. In der prachtvollen Welt des russischen Zirkus
  10. Violine, Klarinette und Klavier
  11. Eine anrührende Liebe mit tragischem Ende
  12. Kunsthalle: Klinge und Ebersbach bis 8. März
  13. Eine Bronzebüste für Gudrun Grieser
  14. Blacky und die Russen-Mafia
  15. „Ludwig Richter. Schöne heile Welt“ endet am 19. Januar
  16. Dancefloor Destruction Crew: „DDC goes CRZY“ wird gefeiert
  17. Eine großartige Sammlung
  18. Zu Fuß nach Israel und wildes Alaska
  19. Hommage an Ernst Mosch
  20. Dichterwettstreit der Jugend
  21. Akkordeon im Prisma
  22. „Alles ist Licht“ – Ausstellung in Heilig Geist
  23. Kalt-Warmdusche mit armen Säuen
  24. Herzenswärme und schwarzer Humor
  25. Märchentheater, Poetry Slam & Hip Hop
  26. Gelebtes Dagegensein mit cleveren Lyrics
  27. Schöner-Konzert im Radio
  28. Zwischen Innigkeit und Melancholie
  29. Museen noch bekannter machen
  30. Newcomerfestival für neue und junge Bands
  31. Spannendes beim Vorlesetreff
  32. Die Kirche St. Lukas feiert 50. Geburtstag
  33. Stadtbücherei in den Ferien
  34. Pakistan mit allen Sinnen erleben
  35. Mit Lachen gegen den Stress
  36. Bilder von Jugend und Alter
  37. Wenn die Bürger schlafen gehen
  38. Lebendigkeit, Schönheit und Farben
  39. Authentischer Tango ohne Worte
  40. Seligkeit nach dem Schleudergang
  41. Spitzenmusiker aus aller Welt
  42. Das Ende der Welt in Menschenhand
  43. Bläsermusik von Klassik bis Moderne
  44. Ein Klassiker mit aktuellen Themen
  45. Was Walt Disney von Richter lernte
  46. Barocke Glanzlichter
  47. Festtagsschmaus für Hirn und Herz
  48. Karibisches Tanz-Musical mit hoher technischer Präzision
  49. Musik, Tanz und Theater
  50. Picasso gegenüber machtlos

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