SCHWEINFURT

Virtuosität mal vier

Überhaupt nicht müde: Das Melton Tuba Quartett, das einzige professionelle Tubistenquartett Deutschlands, begeisterte im... Foto: Theater

Foyer-Konzerte im Theater sind wegen der freien Platzauswahl schon lange vor Beginn besetzt. Zeit, um wieder einmal das imposante Wandrelief von K.F. Dahmen und die von der Decke schwebenden glitzernden Murano-Eiszapfen zu bewundern. Dieser besondere Raum für die Reihe „Das besondere Konzert“ wird vom Publikum gut angenommen, über 1000 Besucher kamen in dieser Saison, bilanziert Theaterleiter Christian Kreppel. Auch die vier Herren des Melton Tuba Quartetts fühlen sich in diesem Ambiente sichtlich wohl. Vom Schweinfurter Theater sind sie besonders angetan, weil sie hier vor zwei Jahren mit den Bamberger Symphonikern das „Grand Concerto für vier Tubas“ von John Stevens mit großem Erfolg aufführten.

Das Melton Tuba Quartett besteht aus vier Solotubisten: Hartmut Müller (Symphonieorchester Wuppertal), Heiko Triebener (Bamberger Symphoniker), Jörg Wachsmuth (Dresdner Philharmonie) und Ulrich Haas (Deutsche Oper am Rhein). Elegant gewandet marschieren die vier mit dem „Washington Post March“ von John Philip Sousa vom Balkon her in das Foyer ein. Danach auf dem Podium der „Baby Elephant Walk“ von Henry Mancini mit noch zaghaftem Rüssel-Schnauben des kleinen Dickhäuters.

Begabter Conferencier

Man spürt, dies wird nicht nur ein virtuoser, abwechslungsreicher Abend, sondern auch ein sehr vergnüglicher. Denn Hartmut Müller ist auch ein begabter Conferencier: „Als wir hier mit den Bamberger Symphonikern das 'Grand Concerto' spielten, hätten wir gern noch weitergemacht. Aber die Bamberger wollten ja nach der Pause unbedingt ihren Beethoven spielen. Heute nun haben wir Zeit für Sie.“ Das Allegro aus der „Kleinen Nachtmusik“ von Mozart lässt das perfekte Zusammenspiel, die fein abgestimmte Dynamik, die exakten Phrasierungen und den sonoren Klang des Quartetts hören.

„Seit 27 Jahren spielen wir zusammen, uns verbindet natürlich die Musik, aber auch gutes Essen“, verrät Müller. „Das macht uns Giacchino Rossini so sympathisch, der gesagt hat: 'Eigentlich komponiere ich nur, um mein Essen zu finanzieren'. Deshalb folgt jetzt das Duell um den besten Haarschnitt aus dem Barbier von Sevilla.“ Aus dem Spaß wird schnell ernst: Mit höchster Konzentration und frappierender Technik brillieren die Tubaspieler mit zungenbrecherischen Sechzehntel-Triolen.

„Benediction“ des bereits erwähnten amerikanischen Tubisten John Stevens ist eine wunderschöne getragene Komposition, schlicht wirkend, mit raffinierten Harmonien, eine berührende Melodie eines Gebets oder Segens. Drei Balladen aus der „West Side Story“ wecken Vorfreude auf die (ausverkauften) Aufführungen am 25. und 26. Juni. Heiko Triebener erläutert das Instrumentarium des Quartetts: Er selbst spielt meist Bass-Tuba, Hartmut Müller Kontrabass-Tuba (gleicher Tonumfang, aber größere Klangfülle, dunkler Charakter). Wachsmuth und Haas in der Mitte spielen eine Tenor-Tuba oder das verwandte Euphonium.

Den Jazzstandard „Here's that rainy day“ gestaltet Wachsmuth als stimmungsvolle Ballade, als Premiere erklingt ein „Helden-Potpourri“ aus den Filmen Mission Impossible, Peter Gunn und James Bond. Der „Bossa Nova“ von Jürgen Hahn gerät durch den kompakten Sound und das schleppende Tempo nicht gerade tanzanimierend, dafür präsentieren die Vier den Tango „Jalousie“ zu einer leidenschaftlichen Skizze der Eifersucht. Stürmischer Applaus, Bravorufe und Begeisterungspfiffe bringen die Zugaben. Im Titel „Der rosarote Panther“ erscheinen die Musiker als geheimnisvolle „Blues Brothers“ und „What a wonderful world“ ist ein besinnlicher Song für den Nachhauseweg.

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