SCHWEINFURT

Vom Hörsaal in die Werkstatt

Bei der Planung kommender Vorhaben ist volle Konzentration gefordert. Bei Metallbau Weber studieren die Pläne (von links) Auszubildender Fabian Wenzky, Handwerksmeister Florian Pfister und Geschäftsführer Markus Weber.
Bei der Planung kommender Vorhaben ist volle Konzentration gefordert. Bei Metallbau Weber studieren die Pläne (von links) Auszubildender Fabian Wenzky, Handwerksmeister Florian Pfister und Geschäftsführer Markus Weber. Foto: Josef Lamber

Der Winkelschleifers kreischt, durchdringend hämmert jemand auf Metall, grelles Licht blitzt aus dem Schweißbrenner. So sieht der Alltag des 22-jährigen Studienabbrecher Fabian Wenzky jetzt aus. Vom Hörsaal in die Werkstatt hat ihn sein Weg geführt. Bei der Firma Metallbau Weber hat er im September 2015 eine Ausbildung zum Metallbauer begonnen.

Der ehemalige Student des Wirtschaftsingenieurwesens aus Bergrheinfeld hat sein Studium abgebrochen und sich für eine Berufsausbildung entschieden. Zu theorielastig war ihm das Studium, er wollte etwas Praktisches machen. Ihm taten es, seit die Handwerkskammer (HWK) für Unterfranken im Jahr 2015 das „Karriereprogramm Handwerk“ aufgelegt hat, etwa 100 ehemalige Kommilitonen gleich.

„Der Großteil hat gute bis sehr gute Erfolgschancen“, bekräftigt HWK-Karriereberaterin Marie Müller, „nur ein verschwindend geringer Teil bricht die Ausbildung ab.“ Viele Studenten bemerkten erst im Studium ob „es etwas für sie ist oder eben nicht“, sagt Müller. Durch ein technisches Praktikum, das er für sein Studium ebenfalls im Metallbau abzuleisten hatte, kam er bei seinen Überlegungen, das Studium abzubrechen, auf diesen Wirtschaftszweig.

Schon nach kurzer Internet-Recherche sei er auf das Angebot der Handwerkskammer gestoßen.

Das sei der übliche Weg, bestätigt Marie Müller. Häufig bekomme sie Anrufe von Studenten, die nach einer Chance suchen, auch ohne Studium in Führungspositionen zu kommen. „Genau dafür haben wir dieses Programm geschaffen.“

Eine Win-win-Situation

Der junge Firmenchef Markus Weber lobt seinen neuen Azubi: „Wir bemühen uns immer, qualitativ hochwertigen Nachwuchs zu finden und das ist eine gute Sache für beide Seiten, sozusagen eine Win-win-Situation.“ Und: „Demjenigen, der höhere Ambitionen hatte, die sich plötzlich in Luft auflösen, bieten wir in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer einen alternativen Weg mit zahlreichen Perspektiven. Gleichzeitig können wir unseren Bedarf nach begabten, fleißigen und entschlossenen Personal decken.“ Er selbst habe auch einen Umweg auf den Chefsessel des 40-Mitarbeiter-Betriebs genommen und den Meistertitel erlangt, sagt er.

Meister und Ausbilder Florian Pfister meint: „Man merkt einfach, er will. Das zeigt sich im Praktischen genauso wie in den Schulnoten. Dank seiner hohen Auffassungsgabe, die er durch das Studium erlangt hat, fällt es ihm hier deutlich leichter.“ Im Oktober wird Wenzky voraussichtlich seine Ausbildung abschließen – und beginnt schon vorher mit seiner Meisterausbildung.

„Durch die Hochschulreife, die die Teilnehmer des Programms mitbringen, ist es möglich, die Ausbildung auf zwei bis zweineinhalb Jahre, je nach Ausbildung, zu verkürzen“, so die HWK-Karriereberaterin. Nach der Meisterausbildung sei eine Weiterbildung zum Betriebswirt möglich. Aber: „Es muss einfach passen, zwischen Auszubildenden und Betrieb, deswegen unterstützen wir bei der Suche und Vermittlung.“

Dass Karrieren im Handwerk möglich sind, zeigt laut Müller auch der Umstand, dass alleine in Unterfranken im den kommenden 15 Jahren in rund 6000 Unternehmen Führungswechsel stattfänden.

Die nächste offene Sprechstunde der HWK findet am 16. Mai in der Handwerkskammer für Unterfranken statt.

Weitere Informationen auf: www.studienabbruch-und-dann.de beziehungsweise auf www.hwk-ufr.de oder unter Tel. (0 97 21) 4 78-41 83.

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