Von Stimmen zum Staunen und Musik der ruhigen Art

Oberlauringen (gb) Auf einem der vier geschnitzten Reliefs an der Kanzel der Pfarrkirche von Oberlauringen ist ein Engel zu sehen, der einen Wanderer auf das himmlische Jerusalem hinweist. Dieses Bild der Bibel wird lebendig, als der Gospelchor "Voice of Glory" in die Kirche einzieht. Auf einmal lassen Stimmen zum Staunen das Kirchenschiffen zum Konzertsaal werden, erzeugen eine Atmosphäre von Rhythmus und Freude, mit der der Chor von der Bibel und von solchen Geschichten singt, wie sie der Holzschnitzer mit seinen Werken an der Kanzel einst erzählt hat.

Die Freude springt sofort auf die Zuhörer über und zieht ein in ihre Herzen. Es ist, als öffne Michaela Lynes, die den Chor gründete und leitet, eine Schatztruhe, als sie die Hand zum Einsatz hebt. Eine Schatztruhe voller klarer Stimmen, die manchmal, in den Soli, noch nicht bis zum edlen Glanz geschliffen, doch gefasst in einem grandiosem Chor mit wertvollem musikalischen Kultur- und Glaubensgut, wie Preziosen einer besonderen Klangwelt wirken.

Ein Fingerzeig der Dirigentin und schon steigern sie sich in ungeahnte Höhen, um dann wieder die Zuhörer im fast identischen Soul des amerikanischen Südens zu den Sklaven auf den Baumwollfeldern Amerikas zu führen, oder sie mit dem Instrumental-Quartett "Silence" einen Blick auf die andere Seite des Atlantiks, zu den Highlands der Kelten, werfen zu lassen. Ganz dicke Klunker sind diese vier in der Schatztruhe von "Voice of Glory".

Michaela Lynes mit der Bodrhan (einer Art Handtrommel), ihr Gatte David (Querflöte) und die Gitarristen Heinz Graf und Hansi Pecat machen Musik der ruhigeren, aber ausdrucksvollen Art. Sie lassen ihre Instrumente in ihrer natürlichen Schönheit, ohne Mischpult und Verstärker, virtuos erklingen, auch wenn sie einmal zur Unterhaltung an profaneren Orten aufspielen. Im Chor wie im Quartett spürt man die Ausgeglichenheit, die von Michaela Lynes ausgeht. Die Augen, die (fast) immer vor Fröhlichkeit und Freude strahlen, spiegeln neben ihrem Glauben wohl einen großen Teil der Motivation, die sie dazu führte, den Chor vor zwei Jahren zu gründen.

Als sie 16 Jahre alt war machte sie als Sekretärin in der Kirche der US-Armee in Wildflecken mit Gospelsingen ihr erste Bekanntschaft und war sofort begeistert von dieser Art zu singen und Gott zu ehren. Mit einer ausgezeichneten Stimme gesegnet, war sie auch gleich gern gesehenes Mitglied im Gospelchor der Militärgemeinde. Vor fünf Jahren zog die Familie nach Oberlauringen. Sie suchte Kontakt zum Gospelchor in Schweinfurt, erzählt Lynes. Da habe die Dame, die sie zum Gospelsingen gebracht hatte, ihr geraten: "Michaela, du musst da blühen, wo Gott dich gepflanzt hat und nicht in der Fremde".

Sie stimmte zu und wollte sehen, was man in Oberlauringen in punkto Gospel unternehmen könne. Dann sei der neue Pfarrer Schmurlack ins Dorf gekommen und habe dem Vorhaben einen Chor zu gründen zugestimmt. "Und so fing es an mit "Voice of Glory", sagt Michaela Lynes kurz. Natürlich war die Freude groß, als sich gleich 33 Leute aus der Großgemeinde Stadtlauringen und Umgebung fanden, sogar aus Gollmutshausen und Alsleben bei Bad Königshofen Interessierte zur ersten Probe kamen. Nach und nach habe man ein Repertoire aufgebaut. Dazu tragen auch Lieder bei, deren Texte aus der Feder von Lynes stammen und die vom Kantor der Erlöserkirche Bad Kissingen Herrn Jörg Wöltche in Noten gesetzt wurden. So darf man getrost sagen, dass von "Voice of Glory" - von der "Stimme des Ruhms" also - ein Stückchen auch Michaela Lynes gebührt.

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