GEROLZHOFEN

Von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Ein Blick auf die Zeit: Eine Vernissage-Besucherin betrachtet die zwölfteilige Bleistiftzeichnung der Künstlerin zum Thema „Leben“. Foto: Fotos (2): Chuleck

Die Kunstwerke an den Wänden in der Johanniskapelle, dem Museum in Gerolzhofen, sind mit einem durchsichtigen Schleier abgedeckt. Zwölf Uhren auf zwölf Ständern, auf der Längsachse der Kapelle aufgestellt, zeigen zwölf verschiedene Uhrzeiten an. Auf dem Altar liegt Wüstensand, und wer mag, darf selbst ein oder zwei Schaufeln Sand auf dem Altar verstreuen. Oder, wie es Dr. Jürgen Lenssen, Domkapitular und Kunstreferent der Diözese Würzburg formulierte, „wie die Lebenszeit verrinnen lassen“. Nicht im Sinne von Verschwenden, sondern als ein weiteres Symbol für die vergehende Zeit.

„Zeit“ lautet das Thema der Ausstellung der Würzburger Künstlerin Barbara Schaper-Oeser, deren Werke noch bis zum 30. März, also während der Fastenzeit, im Museum ausgestellt sind. Es sind nicht nur die Uhren, die sich mit der Zeit befassen, sondern auch zwölf Bleistiftzeichnungen mit dem Titel „Leben“. Dargestellt sind von einer Windel, einem Taufkleid, einem Bett bis über Wohnen und Gesellschaft zwölf Gegenstände, die das gesamte Leben in zwölf Bereiche einteilen. Und immer ist irgendwo eine Bewegung erkennbar.

„Die Frage der Zeit entscheidet sich am Phänomen der Bewegung“, sagte Domkapitular Lenssen in seiner tiefgründigen Einführung bei der Vernissage vor geladenen Gästen. „Wir leben in der Zeit, so wie wir uns gleichzeitig im Raum bewegen. Beide Größen sind Änderungen unterworfen, die Zeit drängt nach dem Neuen“, sagte Lenssen. Zwischen dem sich Anbahnenden – also der Zukunft – und dem Zurückgelassenen „erleben wir den Moment der Gegenwart, das Zukünftige entwickelt sich fort“.

Zeit als Bewegung

So wie die Zeit vorausschauen lässt, so verkürzt sich für jeden Einzelnen die verbliebene Zeit und endet mit dem Ende der Lebenszeit. Zeit sei Bewegung, „zwar hilft es uns, wenn wir auch in der Vergangenheit leben. Das ruft uns ins Bewusstsein, dass wir eine Vergangenheit haben. Das ist auch notwendig, denn die Rückbesinnung zeigt uns, dass wir eine Zukunft haben. In der Gegenwart leben heißt, einen Schritt in die Zukunft zu setzen.“ Sie müsse erwartet und bejaht werden, und da es für Zeit keine eigene Sprache gebe, „so müssen wir sie als Bewegung darstellen, so wie es Salvador Dali mit seinem berühmten Werk mit den zerfließenden Uhren gemacht hat“.

Fotoserie

Vernissage "Zeit"

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Die Ausstellung in Gerolzhofen zeige, wie sich die Künstlerin auf die Zeit eingelassen hat. Auch sie könne nicht die Zeit selbst fassen, sondern nur die Bewegung. Ihr Einlassen auf Zeit erfahre dank des besonderen Ortes den dafür fast schon geschaffenen Rahmen. Schon beim Bau der Kapelle im Jahr 1497 stand hinter dem Bauvorhaben auch die Reflexion auf das Phänomen Zeit. „Mitten in der Stadt erhebt sich ein Gebäude, das unsere Zeitlichkeit in Erinnerung gerufen, ihr einen architektonischen Raum gegeben hat und unsere Erinnerung materialisiert. Jeder sollte das Beste aus seinem Leben machen. Nicht durch Verlängerung der Lebenszeit, sondern durch die Qualität des Lebens.“ So wie die Erbauer der Johanniskapelle, „da haben Menschen mitgearbeitet, die wussten, dass sie deren Vollendung nicht erleben würden, und dennoch haben sie gebaut, um für nachfolgende Generationen etwas zu bewegen“.

In seiner Eröffnungsrede verglich Museumsleiter Klaus Vogt die Unterschiede der verrinnenden Zeit. „Da werden vier Minuten in einem Fußballspiel, wenn mein FC Bayern beim FC Basel 0:1 zurückliegt, zu rasend schnellen 30 Sekunden“, sagte Vogt. Existiere das „Phänomen Zeit“ überhaupt real, „oder spielt es sich nur in den Köpfen der Menschen ab? Ich denke, bei Zeit handelt es sich einfach nur um Veränderung.“ Daher solle die Frage nicht lauten, was Zeit sei, sondern warum sie existiere. Vogt zitierte den großen Kirchenlehrer Augustinus: „Was ist die Zeit? Wenn mich niemand fragt, weiß ich es. Wenn ich es erklären soll, weiß ich es nicht.“

Nicht mit Geld aufzuwiegen

In der Sonderausstellung soll es aber nicht beim Betrachten der Kunstwerke bleiben. Vielmehr hat Vogt gemeinsam mit Pfarrer Steffen Mai ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt, das die Ausstellung begleiten wird.

Gerolzhofens Bürgermeisterin Irmgard Krammer sah in der Ausstellung, „dass die Vergänglichkeit der Zeit ins Bewusstsein gerückt werde“. „Zeit“, sagte Krammer, „ist ein so kostbares Gut, dass man es nicht einmal mit Geld kaufen könne.“

Für mehr als nur einen musikalischen Rahmen sorgte das Duo Sehnsucht. Die Sängerin Silvia Kirchhof, am Keyboard begleitet von ihrem Mann Achim Hofmann, interpretierte verschiedene Lieder zum Thema „Zeit“. Mit ihrem facettenreichen Gesang traf sie nicht nur die Zeichen der Zeit, sondern setzte ihren eigenen Akzent zu diesem unergründlichen Thema.

Umgeben von der Zeit: (von links) Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen, die Künstlerin Barbara Schaper-Oeser, Museumsleiter Klaus Vogt, Bürgermeisterin Irmgard Krammer und Pfarrer Stefan Mai.

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