SCHWEINFURT

Wahrheit ist ein trügerischer Begriff

Turn to clear vision: Mit Worten gibt der Künstler den Bildern zusätzlich Bedeutungsinhalte. Foto: Josef Lamber

Die Liebe zur Lyrik von Gottfried Benn ist nur eine von vielen Leidenschaften des Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen Rainer Schmelzeisen. Seit seiner Jugend misst er sich in der Kampfsportart Judo. Schmelzeisen zitiert ein japanisches Sprichwort, die höchste Kunst sei es, zu siegen, ohne das Schwert zu ziehen.

Das sagt viel über den Künstler aus, über seine Persönlichkeit und seine Ausstrahlung. Die Kunst von Rainer Schmelzeisen liegt in der Darstellung der Vielschichtigkeit und seiner Fähigkeit, den Betrachter in Bewegung zu setzen. Tatsächlich und im übertragenen Sinn.

Das Interesse an den Licht-Bildern von Rainer Schmelzeisen bei der Vernissage im Kunstsalong war groß. Kunstvereinsvorsitzender Ralf Hofmann und Kurator Stefan Muffert zogen Parallelen zu dem Rainer Schmelzeisen in vielerlei Hinsicht wesensverwandten Künstlerarzt und Arztkünstler Gottfried Benn. Und machten neugierig auf diesen so vielseitigen und vielschichtigen Künstler und Menschen Schmelzeisen.

Im anschließenden Gespräch entlockte Mathias Wiedemann Rainer Schmelzeisen mit seinen assoziativen Reizworten sehr persönliche Antworten. Ein trügerischer Begriff sei die Wahrheit, nahm Schmelzeisen den Ball von Wiedemann auf. Er nähere sich dieser durch Wahrnehmung und die Gedanken zu dem Wahrgenommenen an.

Im Interview umkreiste beide die Essenz von Schmelzeisens Kunst mit den Begriffen Schönheit und des vordergründig Oberflächlichen, mit Vergänglichkeit und Farbe. Begriffe, die sich beim Betrachten von Schmelzeisens Lichtkunst aufdrängen. Die Bildobjekte leuchten und besitzen eine große Strahlkraft. Als kinetische Kunst hatte Kurator Steffen Muffert die Objekte bezeichnet, weil sich der Betrachter bewegen muss, um sie ganz zu erfassen, um alle Schichten freizulegen. Das gelingt freilich nicht immer, oft bleiben Fragen. Der Standpunkt offenbart einmal den Todesengel hinter dem Krieger, oder die fragende Frau hinter dem Abrissbagger.

Und schließlich sind da die Worte, mit denen Schmelzeisen den Bildern zusätzlich Bedeutungsinhalte auflegt, mit denen er eine Bedeutungsrichtung vorgibt. „Turn to clear vision“ – sich Klarheit verschaffen – mag dabei als symptomatisch gelten. In den Sichtfeldern eines Fernglases erscheinen Frauenköpfe. Das Geplapper mache ihn niedergeschlagen, der eigentliche und tiefe Wortsinn sei im wichtig, er wolle den Worten ihre Bedeutung zurückgeben.

Und schließlich wird auch immer das Spiel sichtbar, das Schmelzeisen umtreibt. Ein Spiel, das den Umgang mit der eigenen Vergangenheit erleichtert und dem Betrachter ein Schmunzeln auf die Lippen legt.

Ausstellung bis 31. Juli im Kunstsalong in der Kunsthalle.

21. Juli, 19 Uhr, Vortrag „Gesicht -Kunst - Chirurgie – 100 Jahre Verdun“, Referenten: Rainer Schmelzeisen und Alexander Kübler.

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