WAIGOLSHAUSEN

Waigolshausen lehnt geplante SuedLink-Korridore strikt ab

Ende September hat der Netzbetreiber Tennet neue Planungsvarianten für Erdkabel Korridore für die SuedLink-Stromleitung veröffentlicht. Die Möglichkeit, hierzu eine Stellungnahme abzugeben, ergriff auch der Gemeinderat von Waigolshausen. Auf dem Tisch lag ein umfangreiches Schreiben, das die Verwaltung in Rücksprache mit den Gemeinderäten ausgearbeitet hatte und vom Gremium jetzt einstimmig auf den Weg gebracht wurde. Adressaten sind der Netzbetreiber Tennet sowie die hiesigen Bundestagsabgeordneten.

Zwei der 1000 Meter breiten Planungskorridore führen durch das Gemeindegebiet. Der eine verläuft zwischen Werneck und Waigolshausen von Ost nach West, der zweite Korridor tangiert Hergolshausen im Westen. Beide Trassen lehnt der Gemeinderat strikt ab und führt dazu die gleichen Gründe an, wie bereits im Sommer bei der Ablehnung von SuedLink-Konverterhallen im Gemeindegebiet. Hinzu kommen „weitere besondere Argumente“, deren Beachtung angemahnt wird.

Angeführt wird, dass die jetzigen Planungen gegen eine Vereinbarung der Regierungskoalition vom Juli 2015 verstießen, nach der die Region um Grafenrheinfeld strukturell nicht mehr belastet werden soll. Erarbeiten müsste der Netzbetreiber deshalb eine Alternative, die keine Stammstreckenführung nach Großgartach über Grafenrheinfeld beinhalte.

Wohngebietserweiterung tangiert

Tangiert und teilweise überdeckt werden von den Korridoren bewohnte Flächen in Waigolshausen und Hergolshausen. Eine im Flächennutzungsplan festgehaltene Wohngebietserweiterung von Waigolshausen wird sogar komplett überdeckt. Verwiesen wird auf aktuelle Überlegungen zur dringend notwendigen Schaffung von Bauplätzen insbesondere für junge Familien. Auch das ausgewiesene Gewerbegebiet „Rechts der Wernecker Straße“, das teilweise mit einer Freiflächen-Photovoltaikanlage bebaut ist, liege komplett im Trassenkorridor.

In Hergolshausen, wo aktuell eine Dorferneuerung läuft, wäre eine Entwicklung in westlicher Richtung nicht mehr möglich. Außerdem liegen mehrere Aussiedlerhöfe in den Korridoren.

Auch die strikte Ablehnung der Vorhaben in der Bevölkerung dürfe nicht vernachlässigt werden. Begründet sei diese in den bereits bestehenden „erheblichen Belastungen und Einschränkungen“.

Hingewiesen werden in der Stellungnahme auf die vielen Windkraftanlagen in und um der Gemeinde, zwei durch das Gemeindegebiet verlaufende Höchstspannungsleitungen sowie Leitungen der Ferngasversorung, mehrere Richtfunkstrecken, die Bahnlinien Schweinfurt-Würzburg und Schweinfurt-Gemünden, zwei große Freiflächen-Photovoltaikanlagen ebenso wie das mittlerweile abgeschaltete Atomkraftwerk mit Zwischenlager und das neue Umspannwerk Bergrheinfeld-West.

Unter dem Strich habe Waigolshausen damit „kaum noch Entwicklungsmöglichkeiten“, Landschaftsbild und Erholungsmöglichkeiten seien jetzt schon eingeschränkt.

Eigenen Beitrag zur Energiewende

Ausdrücklich betont wird, dass die Gemeinde nicht gegen die notwendige Energiewende sei. Doch gingen die derzeitigen Planungen im Übermaß zu Lasten einzelner Gemeinden und ihrer Bürger.

Festgestellt wird, dass Waigolshausen mit den bestehenden Windkraft- und PV-Anlagen, die 5600 Haushalte mit Strom versorgen könnten, „sicherlich seinen notwendigen Teil zur Energiewende beiträgt“.

Hervor hob Wolfgang Schraut, dass die Auswirkungen von Konverterhallen noch gravierender wären, als die von Kabeltrassen. Derzeit würden noch vier Alternativen für Konverter-Standorte verfolgt, von denen zwei im Gemeindegebiet liegen, sagte Bürgermeister Peter Pfister: eine große Fläche zwischen Waigolshausen und Hergolshausen sowie eine Fläche südlich von Werneck zwischen B19 und Waigolshausen.

Dies hätten Tennet-Vertreter bei einer Besprechung im Rathaus bestätigt. Wichtig war Pfister der Hinweis, dass die Bürger noch bis Dienstag, 29. November, Hinweise zu Raumwiderständen in den Korridoren im Online-Portal von Tennet direkt eintragen könnten.

Aufrufen könne man dieses über einen Link auf der Homepage der Gemeinde.

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