VOLKACH/GEROLZHOFEN

Wald in Flammen: Großübung bei Volkach

Schwieriges Gelände: THW und Feuerwehren treffen an einer Brandstelle im Wald ein. Foto: Hanns Strecker

Samstag, 8 Uhr: In Volkach und den umliegenden Ortsteilen erschreckt Sirenenalarm die Einwohner. Feuerwehr und Rettungsdienst werden zu einer Waldbrandübung gerufen, die in der Region in diesem Ausmaß wohl noch nie ausgeführt wurde. Auch die Feuerwehr Gerolzhofen rückt aus.

Das angenommene Szenario ist beklemmend, sind doch die Bilder von extremen Waldbränden in Europa, zuletzt in Brandenburg, noch jedem in Erinnerung. Die Ausgangslage geht von einem Feuer im Wald zwischen Volkach und Rimbach aus. Die zuerst eintreffenden Kräfte erkennen sofort, dass sich der Brand mittlerweile in alle Richtungen ausbreitet. Zudem gehen Notrufe ein, so dass am Sportplatz in Obervolkach eine Jugendgruppe zeltet, mehrere Jugendliche im Wald vom Feuer überrascht und jetzt vermisst sind.

Das führt dazu, dass die Alarmierungsstufe auf „großer Waldbrand“ erhöht wird. Aus allen Richtungen, auch aus den benachbarten Landkreisen, eilen Feuerwehrkräfte herbei.

Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) und die Feuerwehr bilden bei den Erlachhöfen mit ihren Einsatzleitwagen einen Befehlskopf, der die gesamte Koordinierung des Einsatzes übernimmt. Mit Hilfe einer Drohne hat die Einsatzleitung den Überblick aus der Luft.

Zwischenzeitlich beginnen die ersten Feuerwehrkräfte mit dem Löschen. Schiedsrichter stellen hierzu mit Sprühkreide den Brandverlauf dar; Rauchbomben simulieren die Brandherde. Die Abschnittsleiter müssen jetzt entscheiden, mit welchen Löschtechniken sie vorgehen. Es kommen die gängigen „Feuerpatschen“ zum Einsatz, die neuen Löschrucksäcke der Feuerwehr Volkach oder der Standardangriff mit Wasser.

Schlechte Wasserversorgung

Den Einsatz erschwert, dass die Wasserversorgung im Wald sehr schlecht ist. Nachalarmierte Tanklöschfahrzeuge können aber die erforderliche Wassermenge nicht anliefern. So entscheidet die Feuerwehreinsatzleitung unter der Führung des stellvertretenden Kommandanten Frank Thurn eine etwa fünf Kilometer lange Schlauchleitung zum Halbmeilensee bei der Bundeswehrkaserne zu legen, was den Feuerwehrlern alles abfordert.

Beobachtet wird der Einsatz unter anderem von Angehörigen des Forstamtes Kitzingen unter der Leitung des Forstoberrates Peter Aichmüller, der zu fachbezogenen Fragen Auskunft gibt. Seine Prognosen zum Brandverlauf sind schlecht: „Da wir Kieferwald haben, kann sich das Feuer schneller ausbreiten“, warnt er. Deshalb übt das THW, mit Kettensägen eine Brandschneise zu schlagen, die ein Überspringen der Flammen verhindern soll.

Die nächste Hiobsbotschaft kommt per Funk: Die Feuerwehr hat die Jugendgruppe im Wald bei Obervolkach angetroffen. Sie ist in Panik geraten. Etliche junge Leute sollen erheblich verletzt sein.

Notfallsanitäter Matthias Heckelt, Einsatzleiter des BRK, beordert daraufhin einen Großteil seiner Kräfte zum dortigen Sportplatz, wo sie einen Behandlungsplatz mit Zelten errichten.

Alle Verletzten werden durch Notärzte und Sanitäter erstversorgt und dann nach einem besonderen Plan in verschiedene Krankenhäuser transportiert. Da der Verdacht besteht, dass weitere Jugendliche im Wald umherirren, wird zusätzlich die BRK-Rettungshundestaffel angefordert, die schließlich drei weitere aufspüren kann.

Der stellvertretende Landrat Robert Finster und Volkachs Bürgermeisterin Gerlinde Martin verfolgen ständig das spannende Geschehen und sind über die Leistungen der Beteiligten voll des Lobes.

Abgeschlossen wird die Übung gegen Mittag mit einer weiteren Höchstleistung: Der Verpflegungszug des BRK versorgt unter der bewährten Leitung von Thorsten Dennerlein die circa 250 Mitwirkenden mit einer wie immer ausgezeichneten Mahlzeit.

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