Handthal

Waldtag: Das große Krabbeln

Kinder errieten die Körperteile des Wildschweins.
Kinder errieten die Körperteile des Wildschweins. Foto: Andrea Lindenberger

Vor kurzem bekamen die Besucher im Steigerwald-Zentrum in Handthal vieles zu entdecken, was ihnen bisher verborgen blieb. Zur Eröffnung begrüßten Stephan Thierfelder, Forstdirektor und Oskar Ebert, Geschäftsführer des Trägervereins Steigerwald-Zentrum die ersten Gäste, unter ihnen auch Landrat Florian Töpper und Manfred Schötz, Bürgermeister von Oberschwarzach.

"Zum Lernen gehört auch mal dazu, sich selbst was zu trauen", sagt der Forstliche Leiter Andreas Leyrer und hebt besonders sein Team hervor, das diesen Tag erst möglich gemacht hat. Antonia I., Holzfee aus Scheinfeld und Weinprinzessin Franziska I. aus Handthal luden ebenfalls dazu ein, den Spuren ihrer vielfältigen Heimat zu folgen.

Eröffnung des Waldtages im Steigerwald-Zentrum in Handthal  mit (von links): Andreas Leyrer, Manfred Schötz, Stephan Thierfelder, Weinprinzessin Franziska I., Holzfee Antonia I.,'Fräulein Brehm' und Landrat Florian Töpper.
Eröffnung des Waldtages im Steigerwald-Zentrum in Handthal  mit (von links): Andreas Leyrer, Manfred Schötz, Stephan Thierfelder, Weinprinzessin Franziska I., Holzfee Antonia I.,"Fräulein Brehm" und Landrat Florian Töpper. Foto: Andrea Lindenberger

Lästig oder liebenswert- Krabbeltiere unter der Lupe

Sind wir doch mal ehrlich! Wer zuckt nicht zurück, wenn eine Spinne unerwartet aus ihrem Versteck kommt, freut sich über den Bau einer Ameisenstraße quer durch das Wohnzimmer oder teilt sich gerne das Stück Zwetschgenkuchen mit einer flotten Biene?

Doch wer sich mit einer Biene anlegt, macht sich spätestens seit dem Volksbegehren zur Rettung der Bienen keine Freunde mehr. Und vielleicht lohnt sich ja mal der Blick hinter die Kulissen der vermeintlich lästigen Krabbeltiere. Nicht moralisierend, sondern spielerisch an das Thema Naturschutz heranführen möchte die Umweltbildungseinrichtung Steigerwald-Zentrum.

Auf Augenhöhe mit dem Regenwurm

Wussten Sie schon, was ein Wildschwein mit Tellern zu tun hat, die besten Vorbilder für effizientes Recycling im Boden leben und weshalb der Biber gelbe Zähne hat? Keine Angst. Es gab kein mit Geschirr jonglierendes Wildschwein im Wald. Mit Tellern sind lediglich die Ohren des Schwarzwildes gemeint.

Summen, kriechen, stechen und saugen: das kennen wir von Insekten. Aber welche Talente sie noch haben, wie unentbehrlich sie sind, zeigte die Station Bodenlebewesen. Pro Quadratmeter Boden leben bis zu 2000 verschiedene Arten. Der Regenwurm ist ein wahrer Recycling-Meister. Er frisst gerne Pflanzenreste, nach dem Essen landet sein Kot in der Erde und liefert wichtige Nährstoffe für die Pflanzen.

Doch ist Ihnen schon mal ein Regenwurm auf Augenhöhe begegnet? Schon beeindruckend, wenn ein knapp drei Meter langes Exemplar vor ihnen steht, um ihn herum Ameisen in der Größe eines Bobby-Cars und herabhängenden Wurzeln über den Köpfen. Diese Installation lud die Kinder dazu ein, selbst zum Maulwurf zu werden, der sich seine Gänge durch das Erdreich buddelt.

Im Anschluss ging es wieder ins Freie. Mit Lupe, Sieb und Forschersinn schlugen sich die Kinder ins Unterholz – Krabbeltiere suchen. Karl Weitzel und Frank Bohla unterstützten sie dabei. Spinnen tanzten munter mit ihren langen Beinchen und Mistkäfer verwandelten sich unter dem Mikroskop in ein Alien aus einer anderen Galaxie. Tenor der Gruppe Jugend forscht: diese kleinen Waldbewohner sind faszinierend. Sie sorgen für ein gesundes Ökosystem und fehlt eines, gerät der ganze Kreislauf durcheinander.

Naturschutz ist nicht nur eine leere Worthülse

Was bedeutet Nachhaltigkeit? Einfach gesagt: Man sollte nur so viele Bäume fällen, wie auch nachwachsen. Rund fünf Milliarden Bäume stehen in Bayerns Wäldern. Der Steigerwald ist davon eines der größten zusammenhängenden Laubwaldgebiete. Ein Rechenbeispiel: Für den modernen Bau des Steigerwald-Zentrums wurden 500 Tonnen Fichte, Buche, Eiche und Lärche verbaut. Wie lange dauert es, bis diese Menge in den bayerischen Wäldern nachgewachsen ist? "Bestimmt Jahre!", schätzte ein Junge. Überrascht waren dann alle über die Antwort: lediglich fünf Minuten. Das ist Nachhaltigkeit.

Winzlinge wurden zu illuminierten Giganten.
Winzlinge wurden zu illuminierten Giganten. Foto: Andrea Lindenberger

Was versteckt sich hinter dem komplizierten Begriff Biodiversität? "Wer das sagt, meint alle Pflanzen- und Tierarten, die es auf der Welt gibt", erklärten die Waldpädagogen. Bio bedeutet Leben und Divers heißt vielfältig. So wie jeder Mensch ein Zuhause braucht und es gemütlich einrichtet, brauchen Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum. Viele von ihnen fühlen sich allerdings nicht mehr wohl und verschwinden, weil der Mensch zu stark in ihre Gebiete eingreift. "Es ist noch gar nicht lange her, da war der Biber in Bayern fast ausgestorben", erklärte der Mitarbeiter am Biberstand. "Heute gibt es ihn wieder."

Und warum hat der Biber jetzt gelbe Zähne? An der schlechten Zahncreme kann es wohl nicht liegen. Der Baumeister Biber ist ein Burgenbauer und Baumfäller. Dafür braucht er starke Zähne. Neben Magnesium und Calcium – wie bei uns Menschen – lagern sich zur Verstärkung Eisenverbindungen in den Zähnen ab. Sie verursachen die gelb-rote Verfärbung.

Lass das Smartphone mal Zuhause

An diesem Tag amüsierten sich alle in freier Wildbahn. Das kann passieren, wenn die Stubenhocker der vermeintlichen Indoor-Generation ihr Smartphone mal aus der Hand legen. Am meisten Spaß macht es, den Wald mit einem Kind zu erleben, weil sich der Blick für das weitet, was gerne übersehen wird.

Besonders beliebt bei den Kids waren auch das Wald-Quiz und die Schminkstation, wo sie sich in Bienen, Fledermäuse, Glitzer-Schmetterlinge oder Rehkitze verwandelten. Ein weiteres Highlight war das Baumklettern.  Flink wie Äffchen kraxelten die Kleinsten, gesichert mit Gurt und am Seil, die Bäume hoch – an einer überlangen Leiter oder an bunten Klettergriffen. "Voll cool", staunte ein Mädchen und motivierte die noch unsicheren Knirpse in der Reihe.

Alle trauten sich und stolz darüber, so viel Mut bewiesen zu haben, ging es zum Barfußpfad. Mit nackten Sohlen und Augenbinde wurde hier der Waldboden erspürt – kitzlig, weich, rutschig, kantig und vor allem sehr lustig.

Zu entdecken gab es auch die Taskforce Amphibien, die Fledermausstation, Spechte, Pilze, Bastel- und Malworkshops und vieles mehr.

Dann hieß es noch: Bühne frei für die Biene! Das Theaterprojekt "Fräulein Brehms Tierleben" bringt gefährdete Tierarten näher. Charmant und mitfühlend gelang es "Fräulein Brehm" in ihrem  Theaterabenteuer den sonst so trockenen Unterrichtsstoff kurzweilig zu vermitteln. "Wer wissen will, wie Engel riechen, der werde Imker", philosophierte sie verliebt.

Motorsägenkünstlerin Res Hofmann mit ihren 'Nackischen'.
Motorsägenkünstlerin Res Hofmann mit ihren "Nackischen". Foto: Andrea Lindenberger

Die Künstler Eberts und Schlötzer luden noch zum Gespräch mit ihnen ein. Wer Kunst vom Feinsten mit brachialen Werkzeugen liebt, staunte über das Talent von Res Hofmann, Motorsägenkünstlerin aus Schlüsselfeld. "Ich habe vor vier Jahren das erste Mal eine Motorsäge in die Hand genommen und mich an einem Holzstück ausprobiert", erinnerte sie sich, "und ich war sofort geflashed von dem Gefühl, der Stärke, dem Geräusch und dem, was ich damit erschuf."

Mit diesen Eindrücken und einem fulminanten Regenschauer endete der Waldtag. Natur pur zum Abschied der tropfnassen und glücklichen Gäste.

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