GRAFENRHEINFELD

Walter Riester erklärt seine Rente

„Riestern“ ist nicht von gestern: Walter Riester, “Erfinder“ der nach ihm benannten Altersvorsorge, referierte in der Rafelder Kulturhalle. Foto: Uwe Eichler

Nein, er scheut sie offenkundig nicht, die Nähe zu Finanzinstituten und Banken, die ihm gerne vorgeworfen wird. Walter Riester, Ex-Arbeitsminister im Kabinett Schröder, weilte auf Einladung von Sparkassen-Chef Johannes Rieger in der Kulturhalle, um seine Riester-Rente zu erläutern. Auf einen Nachmittag mit Kundenfachberatern der Sparkasse folgte ein Vortrag vor rund 250 interessierten Sparern.

Der Allgäuer Sozialdemokrat, gelernte Fliesenleger-Meister und Gewerkschaftler, sollte am besten erklären können, was es mit seiner privatfinanzierten, staatlich geförderten und oft geschmähten Altersvorsorge auf sich hat. „Die Skandalsierung regt mich auf“, sagt der 71-Jährige, „die ideologiebehaftete Argumentation.“

Kritik an Medien-Berichten

Vor der Bühne wirft er einigen Medien Verunsicherung von Millionen Riester-Sparern vor. Als die Rente vor zwölf Jahren eingeführt worden war, da sollte sie für alle sein, nicht nur für Rentenversicherungspflichtige: „Gescheitert ist das an der größten Boulevard-Zeitung Deutschlands.“ Die habe von einer „Zwangsrente Riester“ getitelt.

Ein „Rohrkrepierer“ seien auch Berichte gewesen, wonach die Riester-Rente nicht genügend Anreize gegenüber bloßer Grundsicherung im Alter biete, Motto: „Spart nicht, das mindert eure Sozialhilfe!“ Eine katastrophale Einstellung, findet der gebürtige Kaufbeurer. Eher verstehen könne er eine andere Sorge: Wonach die Produkte zu teuer seien, nur die Vermittler profitieren würden. Nur: Das stimme nicht, die Dienstleister müssten ihren Kunden sogar deutlich mehr anbieten als anderswo, ohne entsprechende Verteuerung.

Die Sozialbeiträge sind in Deutschland an den Arbeitsmarkt gekoppelt: Das war für Riester Ende der 90er-Jahre Jahre die Basis seiner Überlegungen. Ein System, dass er gefährdet sieht: Durch demographischen Wandel, den steigenden Anteil der Teilzeit-Jobs, mit entsprechend geringerer Rente, eine zunehmenden Flucht aus der Rentenversicherung – und einer Mentalität des „nach hinten Schiebens“ von Vorsorge zu Gunsten des Konsums. Ziel der Riesterrente: Größtmögliche Sicherheit, hohe Sparanreize, nicht zuletzt die Möglichkeit, sich auch und gerade bei kleinsten Einkommen noch etwas anzusparen. Durch entsprechende Zulagen und Steuerbefreiungen ließe sich eine „fantastische Wirkung“ erzielen, sagt Riester, zusammen mit dem Zinseszinseffekt soll sich ein „Turbo des Sparens“ ergeben. Kompliziert sei das Riestern schon, aber flexibel. Den Vorwurf milliardenschwerer Subventionierung durch den Staat will er nicht gelten lassen: 98 Prozent der Zuschüsse flössen in die konventionelle Rentenversicherung. Riester rührt die Werbetrommel: Die höchste Förderung (93 Prozent) erhält „Frau Kramer“ als alleinerziehende Mutter, gefolgt von den Müllers als typischer Familie (72 Prozent) , aber auch „Herr Schmidt“, der gut verdienende Single, bekommt noch 44 Prozent Förderung in den Sparstrumpf. „Riestern“ lohne sich vor allem für Jungeinsteiger und Langzeitsparer, ungeachtet des momentan niedrigen Zinsniveaus. Und: Kein Riester-Sparer habe Geld verloren, als die Börsenblase geplatzt sei. In der anschließenden Debatte werden auch kritische Stimmen laut, etwa zur nachgelagerten Besteuerung im Rentenalter. Für Riester lässt sich die optimale Lösung für jeden finden: „Ich würde es genauso wieder machen.“

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