SCHWEINFURT

Waltraud Fuchs-Mauder rückte die Stadt ins rechte Licht

Adieu: Im Zeughaus hat unsere scheidende Fotografin Waltraud Fuchs-Mauder die meisten ihrer 35 Jahre bei dieser Zeitung ... Foto: Hannes Helferich

Sie ist eine waschechte Schweinfurterin und gelernte Fotografin, die nach einer Odyssee in auch „artfremde“ Jobs 1979 beim Schweinfurter Tagblatt landete. Unsere Redaktionsfotografin Waltraud Fuchs-Mauder hat immer gesagt, dass sie mit 63 Jahren aufhören will. Am 16. November ist dieser Geburtstag. Sie geht nun schon ein paar Tage früher, was für uns bedeutet, dass wir nicht mehr laut „Waltraud“ rufen können, wenn noch dringend ein Foto für die nächste Ausgabe gebraucht wird.

Ihren Traumberuf hat sie bei Foto Eichel in der Bauerngasse erlernt, wo sie fünf Jahre beschäftigt war. Waltraud wechselte in die Mode-, Werbung- und Industriefotografie, arbeitete als Röntgenassisstentin und erlag dem verwandtschaftlichen Werben als Hörgeräte-Akustikerin.

Dann suchte diese Zeitung eine Fachkraft fürs Fotolabor, die auch für die Archivierung von Texten und Bildern zuständig sein sollte. Mutter Lotte Fuchs machte Tochter Waltraud aufmerksam („das wär doch was für dich“). 1979 wurde Waltraud zur „Labormaus“, entwickelte und bearbeitete in der Dunkelkammer die Bilder, die die vielen Mitarbeiter anschleppten. Die Fotokollegen waren die vielen Lesern noch bekannten Namen Hans Rost, Wilhelm Hohenhaus, Werner Sauerteig und Renate Wiener.

Dann suchte der Sport weitere freie Fotomitarbeiter, Waltraud ergriff die Chance, begann mit Urlaubsvertretungen, hielt bald jeden Samstag und Sonntag auf den Sportplätzen der Umgebung die Torschützen im Bild fest. Dass sie bei einem solchen Termin 1980 ihren Mann Hermann kennenlernte, darüber schmunzelt sie noch heute. Der leidenschaftliche Fußballer des TSV Grafenrheinfeld war da nur Zuschauer. Waltraud hatte in Gochsheim die Auswahl der Arabischen Emirate zu fotografieren und lief an der Linie auf und ab, hinter der Hermann mit Freunden stand.

Seit 2002 ist sie ausschließlich Fotografin dieser Zeitung, bewältigte das Pensum gemeinsam mit Laszlo Ruppert, dem mittlerweile ausgeschiedenen Kollegen zunächst nur bei der Volkszeitung, später bei beiden Zeitungen. Damals „war alles rund ums Fotografieren noch mehr Handwerk“, sagt sie. Die neuen Techniken machen ihr keine Probleme, wenngleich sie einräumt, dass sie während der Schulung „am ersten Computer hinschmeißen wollte“.

„wfm“, wie wir Waltraud in der Redaktion nennen, macht keinen Hehl daraus, dass der Job aus dem einst schüchternen Mädchen eine selbstbewusste Fotografin gemacht hat, die bei einem Ehrungsbild schon mal gestandene Männer zurechtweist, um sie „ins rechte Licht zu rücken“.

Sie hat durch die vielen Termine einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt. Manches Mal grüßten sie Leute, die sie partout nicht einordnen könne. „Ich grüße halt einfach zurück“, sagt Waltraud.

Wie sorge ich für lachende Gesichter? „Spaghetti bei Kindern, bei Älteren bitte ich, ein wenig fröhlich zu schauen“, sagt Waltraud und grinst dabei so, wie das die gelassene, stets freundliche Kollegin mit dem mitunter feinen Humor oft macht.

Fällt sie in ein Loch? Wieder lacht Waltraud. Dass sie nach 45 Berufsjahren nun abschlagsfrei in die Rente wechselt, sei Glück, aber „gegangen wäre ich mit 63 ohnehin“. Sie wird den Stress an einem Samstag vor Weihnachten nicht vermissen, als in drei Stunden sieben Ehrenabende abzuklappern waren. Sie muss bei keinem Unfall mehr nachts um 2 Uhr raus, Einsätze, die sie mit viel Adrenalin und der Hoffnung erledigt habe, „dass da hoffentlich keiner verunglückt ist, den ich kenne“.

Waltraud will verreisen, erste Ziele sind Großbritannien, Skandinavien, speziell Norwegen. Die Kamera ist natürlich dabei. Als „junge“ Oma freut sie sich, mehr Zeit für ihre Enkelin Lea-Sofia, das Kind ihrer Tochter Alexandra, zu haben. Die frühere Badminton-Spielerin (beim FC 05, später SG Sennfeld) denkt an ehrenamtliches Engagement. Dem Pferdesport wird die Ex-Reiterin (Reitverein am Hainig) als Berichterstatterin dieser Zeitung treu bleiben. Ihr Englisch will sie an der vhs auffrischen.

„Kannst du dich an dein erstes Pressefoto erinnern?“ Waltraud muss mit der „letzten Frage“ gerechnet haben. „Ja, ein Unfallbild, ein Lkw auf der Autobahn hat seine Ladung Äpfel verloren“, sagt sie spontan. Ihr letztes Foto schießt „wfm“ am 31. Oktober 2014, ihrem letzten Arbeitstag: In St. Johannis, das Kirchenkonzert. „Sag jetzt bitte nicht, ich soll einen Film einlegen“, grinst sie den Reporter an.

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