NIEDERWERRN

Warnschuss an der Wern in Richtung Allianz

Wenn sich die Frage nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis stellt, stehen die Zeichen oft auf Sturm. So auch bei einer Anfrage von CSU-Fraktionsmitglied Martin Pensel im Gemeinderat: „Wie hoch sind die jährlichen Kosten der Gemeinde für die Allianz Oberer Werntalgemeinden? Welche Kosten entfallen hiervon auf den/die Allianzmanager/in? Wie lange läuft die Vereinbarung über die Finanzierung des Allianzmanagers/der Allianzmanagerin noch?“

Antwort Bürgermeister Peter Seifert: Im Jahr 2011 habe man etwa 5800 Euro gezahlt, zuvor etwas weniger, im Jahr 2008, durch das Bildstockzentrum in Egenhausen, über 14 000 Euro. Die bisherigen Zahlungen für das Allianz-Management könne er nicht hochrechnen, da sie teilweise aus Fördertöpfen stammen. Die Mitgliedschaft Niederwerrns, zuletzt 2008 verlängert, läuft bis Ende 2014, kündbar wäre sie dann mit Dreimonatsfrist. Erst in nichtöffentlicher Sitzung wurde man deutlicher: Der in der Zeitung veröffentlichte Protest am geplanten Niederwerrner Baugebiet Nord V aus Euerbach („Kontraprododuktiv und unsolidarisch“) sowie aus Geldersheim sorgte für Unmut. Der Gemeinderat forderte ein Pressegespräch des Bürgermeisters. Einige Gemeinderäte schließen eine Kündigung der Zweckvereinbarung mit der Allianz offenbar nicht mehr aus.

Der Eindruck, dass der Gemeinde-Zusammenschluss für Niederwerrn wenig bringe, sei Grundtenor in seiner Fraktion, so Martin Pensel (CSU) gegenüber der Zeitung: „Die Zusammenarbeit hat immer dann aufgehört, wenn es wirtschaftlich sinnvoll gewesen wäre.“ Erhoffte Synergieeffekte seien nicht zustande gekommen: Etwa kostensparende gemeinsame Bestellungen der Feuerwehren. Auch das interkommunale Standesamt bleibe wohl „ein Luftschloss“. In Sachen Bauhof stellt sich Pensel die Einstellung eines gemeinsamen Bautechnikers vor. „Radelspaß“ allein könne es jedenfalls nicht sein. Außer einigen Infotafeln habe er von einer touristischen Erschließung Niederwerrns wenig gemerkt. Pensels Fazit: „Die Allianz hat sich, im Augenblick, nicht bewährt“. Wenn sich nichts Grundlegendes ändere, müsse Niederwerrn die Verlängerung der Mitgliedschaft über 2014 hinaus in Frage stellen. Die harsche Kritik der Nachbarn am Baugebiet Nord V sei dafür nur der aktuelle Aufhänger. Den Gedanken, dass die Allianz der Stadtrandgemeinde, „mit eigenen Interessen“, wenig bringe, trage man im Gemeinderat schon länger mit sich herum, so der CSU-Vertreter.

Auch Bürgermeister Seifert zeigte sich über den Inhalt der Zeitungsartikel wenig amüsiert: „Arthur Arnold hat meiner Meinung nach überzogen“, kommentierte der Stellvertreter die Äußerungen des Allianz-Sprechers Arnold, zugleich Bürgermeister von Euerbach: „Belehrungen“, wie eine Ortsabrundung aussieht, brauche man in Niederwerrn nicht. Zwar sehe die „Oerlenbacher Erklärung“ von 2008 einen Vorrang der Innenortentwicklung gegenüber der Ausweisung neuer Baugebiete vor. Nur habe man als „Verdichtungsraum“ und flächenarme Stadtrandgemeinde eine ganz andere Infrastruktur als etwa Euerbach oder Wasserlosen, die Bürger orientierten sich zur Stadt.

Die 23 Bauplätze in Nord V seien für junge Familien aus Niederwerrn gedacht, aus dieser Richtung gebe es 19 Bewerbungen, jedenfalls keine Konkurrenz zu den Nachbarn: „Der Markt regelt die Nachfrage.“ In Sachen Altort habe die Gemeinde ihre Hausaufgaben gemacht, so Seifert: „Eigentlich hat Niederwerrn drei Neubaugebiete Vorsprung erarbeitet.“ Man habe seit zwölf Jahren keine Gebiete mehr ausgewiesen, in dieser Zeit aber sechs Millionen Euro in die Ortskerne investiert: inklusive Dorferneuerung Oberwerrn, Ankauf und Neugestaltung baufälliger Grundstücke, energetische Sanierung von Rat- und Feuerwehrgerätehaus oder die Unterbringung von Jugendtreff und Gemeindebibliothek in erneuerten historischen Gebäuden. Seit 2005 gebe es ein Förderprogramm für private Baumaßnahmen im Altort Niederwerrn, nun versuche man in Rahmen der Konversion an Zuschüsse zu kommen. Aber: Den Siedlungsdruck habe man jetzt, nicht erst, wenn der letzte US-Soldat abziehe. Die Oerlenbacher Erklärung mache nur Sinn, wenn die Stadt und andere Allianzen mitzögen und sollte diskutiert werden: „Andernfalls sind wir in 20 Jahren das Altenheim des Landkreises.“ Letztlich müsse die große Politik die Weichen stellen. Das Thema möglicher Austritt 2014 will Seifert nicht zu hochhängen. Auf Allianzebene habe es schon eine „Wertschöpfung“ gegeben, etwa in Sachen Tourismus und Außenwerbung, Gewässer-Renaturierung oder Bauhof-Zusammenarbeit. Peter Seifert: „Das ist eine Geschichte, die sollte man dem neuen Gemeinderat überlassen.“

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