SCHWEINFURT

Warum Bauklötzchen besser sind als Playstation

Ausbauarbeiten: Die Vorgänger haben ihr Klassenzimmer nachgebaut, jetzt wird die Außenfassade noch erweitert.
Ausbauarbeiten: Die Vorgänger haben ihr Klassenzimmer nachgebaut, jetzt wird die Außenfassade noch erweitert. Foto: Ursula Lux

Es sollte einmal ein etwas anderes Schul- und Spielfest werden in diesem Jahr. Also ließen sich Schulleiterin Ulrike Göbel und ihr Kollegium etwas Besonderes einfallen. Sie luden Michael Keim vom Main-Spiel-Mobil ein, der zwei Tage lang mit den Schülern eine Stadt aus Holzbauklötzen baute.

„Bisher waren unsere Lehrer beim Fest immer an den einzelnen Spielstationen gebunden und konnten so kaum mit Eltern oder Kindern ins Gespräch kommen“, erklärte Göbel. Das wollten wir ändern. Schon am Tag vor dem Schulfest reiste Keim mit rund 40 000 Parketthölzern im Gepäck an. Die Klassen der Grundschule kamen nacheinander und bauten daraus ihre eigene Stadt. Dabei wurde auf- und ausgebaut, um- oder neugebaut. Zum eigentlichen Schulfest kommt Keim dann mit all seinen Spielstationen, dann können die Kinder entscheiden: Wollen sie vielleicht gar mit ihren Eltern die Stadt weiterentwickeln oder die anderen Stationen ausbauen.

Begonnen hat den Stadtbau die Klasse von Göbel, die sogar ihr eigenes Klassenzimmer nachgebaut hat. Dann kam die Klasse 1/2 der flexiblen Grundschule, die zusammen mit den Fünftklässlern der Mittelschule weiterbauten. „Es war toll zu sehen, wie die Großen sich um die Kleinen gekümmert haben“, stellt Keim fest. In der Aula ist inzwischen schon eine ganz ansehnliche Stadt entstanden. „Das ist eine tolle Gemeinschaftserfahrung, die mit wenigen Impulsen zu erreichen ist“, meint Keim. Und Göbel bestätigt das. Ihre Kinder hätten ihr erzählt, dass das Bauen mit Holzklötzen besser sei als das Spielen an der Playstation, das wundert sogar die Schulleiterin.

Beim Klassenwechsel gibt es eine richtige Übergabe. Die abziehenden Kinder erklären den ankommenden, was sie da gebaut haben, und bitten sie weiterzumachen. Dabei ist die größte Sorge der Schüler immer die, dass ja nichts einstürzt. Paul und seine Freunde Umas und Lennart errichten gerade einen „Belagerungsturm“. Dabei haben sie schon eine klare Geschichte im Kopf. „Da sind nämlich zwei Stämme und wir wollen, dass der hier gewinnt“, erklärt Paul. Dazu brauchen die imaginären Stammesmitglieder, die nur die drei Buben sehen, eben einen Belagerungsturm.

Julia hat sich spontan entschieden, einen Pferdestall zu bauen, schwenkt dann aber um zu ihren Mitschülerinnen, die gerade einen Bauernhof errichten, da gehöre ein Pferdestall ja schließlich auch dazu, meint sie. Es war Aycas Idee, den Bauernhof zu bauen, weil sie die vielen Tiere gesehen hat. Die stehen in einem Zoo, den die Vorgängergruppe errichtet hat. Der Zoo wird jetzt geplündert, der Bauernhof belebt.

Neben den Holzbausteinen hat Keim auch bunte Elemente dabei, bunte Holzfiguren und Stoffreste, mit denen beispielsweise das Schwimmbad mit blauem „Wasser“ gefüllt werden kann. „Wir bauen eine Stadt“ gehört zu dem Angebot, das der Spiel- und Theatertrainer speziell für Schulen konzipiert hat. Neben den motorischen und manuellen Fähigkeiten fördere die Bauaktion auch das räumliche Denken, die Kommunikations- und Teamfähigkeit, erklärt Keim.

Den Kindern ist das egal, sie sind ganz versunken in ihre Bauwerke, Timo legt voller Konzentration ein Labyrinth. Und Paul prahlt: „Ich hab als kleines Kind schon gut Klötzchen stapeln können.“ Am nächsten Tag beim offiziellen Schulfest, werden die Kinder dann ihre Eltern einladen und mit ihnen eine Stadtführung machen, kann sein, dass so mancher Vater oder manche Mutter auch Lust hat, die Stadt zu erweitern oder umzubauen. Das ist ein durchaus erwünschter Nebeneffekt der „Stadtführung“, meint Keim.

Teamwork: Voller Eifer entsteht hier in der Auen-Grundschule eine neue Stadt.
Teamwork: Voller Eifer entsteht hier in der Auen-Grundschule eine neue Stadt. Foto: Ursula Lux

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