Schwanfeld

Warum Lisa Krein Bürgermeisterin in Schwanfeld werden will

Sie trinkt Weißbier, trägt ein Tattoo und tanzt zu orientalischer Musik. Wie die Hettstädterin Lisa Krein Bürgermeister-Kandidatin der neuen "Schwanfelder Liste" wurde.
Das ist sie, die Bürgermeister-Kandidatin der Schwanfelder Liste, die sich gegen knapp 30 andere Bewerber durchgesetzt hat: Lisa Krein aus Hettstadt. Foto: Anand Anders

"Das ist doch genau mein Ding." Das dachte sich Lisa Krein, als sie Anfang Juli in der Main-Post den Artikel von der Bürgermeister-Kandidaten-Suche in Schwanfeld las.

Der amtierende Bürgermeister Richard Köth will nach elf Jahren Amtszeit aus Altersgründen bei den Kommunalwahlen 2020 nicht mehr kandidieren. Monatelang sucht die Schwanfelder Liste, ein Zusammenschluss von CSU/Bürgerliste und Freie Bürgerliste, die 2014 noch getrennt zur Gemeinderatswahl angetreten waren, vergeblich nach einem geeigneten Bewerber, der die Liste anführen könnte. Trotz Anzeige im örtlichen Mitteilungsblatt und Aufruf in den Sozialen Medien findet sich niemand. Erst der Bericht in dieser Zeitung bringt ein Echo unerwarteten Ausmaßes. Aus ganz Deutschland gehen plötzlich Bewerbungen ein. Knapp 30 an der Zahl. Viele aus der fränkischen Region, aber auch weit darüber hinaus. Sogar aus Berlin, Hamburg und Dortmund melden sich Interessenten, und überraschenderweise auch noch einer aus Schwanfeld.

Die 56-jährige Hettstädterin zögert da noch. Krein ist derzeit Leiterin der Verwaltungsgemeinschaft Estenfeld (Lkr. Würzburg), der auch die Gemeinden Prosselsheim und Eisenheim angehören, die in der Nachbarschaft Schwanfelds liegen. Dort fühlt sie sich wohl, hat einen "Job, der mich erfüllt". Deshalb legt sie den Main-Post-Artikel erst einmal zur Seite. Doch der Schwanfelder Aufruf "Wir suchen Sie", mit dem um einen Bürgermeister-Kandidaten für das 2000-Einwohner-Dorf geworben wird, lässt die 56-Jährige nicht los. "Das hat mich beeindruckt." Vor allem, dass sich zwei Listen zusammenschließen und gemeinsam einen Kandidaten küren wollen.

Lisa Krein hat zwar noch nie ein kommunalpolitisches Amt innegehabt, aber zehn Jahre Erfahrung in der Kommunalverwaltung. Und als VG-Geschäftsleiterin kennt sie die politische Arbeit. Der Schritt ins Bürgermeisteramt ist für sie folglich eine "logische" Weiterentwicklung. "Ich hatte ja nichts zu verlieren." Also schickt sie ihre Bewerbung los.

"Wir wollten den bestmöglichen Kandidaten für Schwanfeld."
Sebastian Endres von der Schwanfelder Liste

In Schwanfeld entwirft man angesichts der Vielzahl der Bewerbungen einen Kriterienkatalog mit Punkteschlüssel für das "Casting". Bewertungsfaktoren sind beispielsweise die Fachlichkeit, die kommunalpolitische Erfahrung, das Auftreten, die Motivation oder die Zukunftsperspektiven des Bewerbers. "Wir wollten ja den bestmöglichen Kandidaten für Schwanfeld", erklärt Sebastian Endres, der mit Thomas Lintl, Jutta Strobel, Kurt Eichelbrönner und Andre Wunderling für die Schwanfelder Liste die Kandidatensuche in die Hand genommen hat.

Es wird eine Vorauswahl getroffen. Die vier "Besten" – unter ihnen Lisa Krein, nicht aber der Schwanfelder Bewerber – bekommen eine Einladung zum Gespräch. Und da stellt die Hettstädterin ihre Mitbewerber (drei Männer) allesamt in den Schatten. "Lisa lag mit Abstand vorne", sagt Thomas Lintl. Wert legt die Jury auf die Feststellung, dass jeder der fünf Kommisssionsmitglieder eine eigene Bewertung vorgenommen hat und sich am Ende alle einig waren: "Lisa Krein ist die Kandidatin, die Richard Köth beerben kann." Der amtierende Rathauschef habe viel auf den Weg gebracht, die 56-Jährige könne das Geschaffene nahtlos fortführen. Und dass die Wahl auf eine Frau gefallen ist, macht vor allem CSU-Mann Thomas Lintl stolz: "Mit Frauenpower sind wir genau auf dem richtigen Weg."

Lisa Krein freut sich auf ihre neue Herausforderung. Die 56-jährige Hettstädterin will Bürgermeisterin in Schwanfeld werden. Foto: Anand Anders

"Die Chemie hat vom ersten Gespräch an gestimmt", ist auch Lisa Krein überzeugt, die richtige Kandidatin für die Schwanfelder Liste zu sein. Beim Jahrmarkt im August hat sie sich erstmals den Bürgern vorgestellt, mehrere Kennenlernrunden sollen noch folgen. Sie will die Vereine besuchen, zum Seniorenkreis gehen, einen Dorfrundgang mit den Bürgen machen und zum Weißwurstfrühstück einladen. "Ich brauche Bürgernähe, gerade weil ich keine Schwanfelderin bin."  Als Ortsfremde müsse sie viel aufholen. "Die Gemeindechronik ist im Moment meine Abendlektüre." Auch den amtierenden Rathauschef hat sie schon kennengelernt, der ihr ebenfalls Unterstützung angeboten habe. Sie traut sich zu, in seine Fußstapfen zu treten. Ihr Lebensmotto: "Um erfolgreich zu sein, braucht man Herzblut, und das setze ich ein." Dabei seien ihr Wertschätzung, Transparenz, Bürgernähe und ein konstruktives Miteinander sehr wichtig.

"Die Chemie hat vom ersten Gespräch an gestimmt."
Lisa Krein, Bürgermeister-Kandidatin der Schwanfelder Liste

Nun muss Lisa Krein erst einmal offiziell nominiert werden, was am 22. November erfolgen wird, und dann gewählt werden. Als bislang einzige Bewerberin für das Bürgermeisteramt hat sie eine komfortable Ausgangsposition und setzt deshalb alles auf eine Karte. "Ich werde in jedem Fall kündigen." Und wenn doch noch ein zweiter Kandidat auftaucht und sie in der Wahl unterliegt? "Dann suche ich mir einen Job." Davon geht aber niemand aus. Die Schwanfelder Liste hat bereits einen Antrag an den Gemeinderat gestellt, dass der Bürgermeister in der nächsten Amtsperiode ein Hauptamtlicher sein wird. Was für Lisa Krein eine Voraussetzung ist. Der Gemeinderat werde dem zustimmen, ist man sich sicher. Und auch Kreins aktueller Arbeitgeber, die Verwaltungsgemeinschaft Estenfeld, trifft bereits Vorsorge und hat die Stelle der Geschäftsleitung ausgeschrieben. 

Ob die mögliche künftige Bürgermeisterin dann auch in Schwanfeld wohnen wird, lässt Lisa Krein offen. Vielleicht mietet sie sich eine Zweitwohnung an. "In jedem Fall werde ich vor Ort sein, um alle Arbeiten zu erledigen, die zu erledigen sind. Auch, wenn's ein Ehejubiläum am Sonntag ist." Bleibt nur noch der fränkische Dialekt, den die gebürtige Würzburgerin nicht spricht. "Den bringen wir ihr schon noch bei", meinen die "Bürgermeister-Kandidatin-Macher" optimistisch.

Lisa Krein
Lisa Krein ist 56 Jahre alt und kommt aus der Würzburger Landkreisgemeinde Hettstadt. Dort lebt sie mit ihrem Partner in einer Patchwork-Familie. Zusammen haben sie fünf erwachsene Kinder. Beruflich ist die gelernte Bauzeichnerin seit zehn Jahren in der Kommunalverwaltung tätig und seit 2016 Geschäftsleiterin der Verwaltungsgemeinschaft Estenfeld. Davor hatte sie verschiedene berufliche Stationen bei Bauträgern und Projektsteuerungsbüros und war freiberuflich als Personalberaterin in der Bauindustrie tätig.

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