Schweinfurt

Warum die Stadt leer stehende Häuser kauft und verkauft

Was steckt hinter dem "Schweinfurter Modell", das erfolgreich Leerstände in den Sanierungsgebieten der Stadt beendet? Dies und mehr wollten 33 Oberfranken wissen.
Die Sanierungsstelle der Stadt kauft Leerstände und macht diese durch Grundstücksordnung, Entkernung und Grundsanierung attraktiver, ehe wiederverkauft wird – wie etwa in der Krummen Gasse.
Die Sanierungsstelle der Stadt kauft Leerstände und macht diese durch Grundstücksordnung, Entkernung und Grundsanierung attraktiver, ehe wiederverkauft wird – wie etwa in der Krummen Gasse. Foto: Gerd Landgraf

Baureferent Ralf Brettin räumte beim Besuch einer Gruppe vor Bürgermeistern und Regionalmanagern aus Oberfranken ein, dass die Stadt die Herkunft des mittlerweile nicht mehr nur in Fachkreisen bekannten Begriffs vom "Schweinfurter Modell" nicht kennt. Irgendwann stand das "Schweinfurter Modell" in der freien Enzyklopädie Wikipedia. Dort wird dieses als Voraussetzung für die in Schweinfurt beispielhaft umgesetzte Altstadtsanierung gepriesen.  

Der Besuchergruppe des Demographie-Kompetenzzentrums Oberfranken stellte Brettin die in den 1970er Jahren begonnene Altstadtsanierung vor – ein Mammutunternehmen auf 92,3 Hektar. Start war in der Südlichen Altstadt zwischen Rusterberg und Spitalstraße (3,9 Hektar). Es folgten der Zürch/Oberer Wall (5,2 Hektar) und die Krumme Gasse (7,34 Hektar). Aktuell erleben die Schweinfurter die Erneuerung des Quartiers mit dem Zeughaus und der Neuen Gasse (9,48 Hektar). Folgen werden die Bereiche Keßlergasse/Lange Zehntstraße (vier Hektar). Parallel liefen und laufen die Sanierungsarbeiten an der Mainlände (9,8 Hektar), in Alt-Oberndorf (13,2 Hektar), in der ehemaligen amerikanischen Wohnsiedlung Askren Manor (14,2 Hektar) und in der Ledward-Kaserne (26,23 Hektar).

Die Rückertstraße 27 bietet heute elf Wohnungen. Im Keller sind noch Reste der Grundmauern des ehemaligen Mühltors zu sehen.
Die Rückertstraße 27 bietet heute elf Wohnungen. Im Keller sind noch Reste der Grundmauern des ehemaligen Mühltors zu sehen. Foto: Gerd Landgraf

An Beispielen erläuterte der Baureferent das Vorgehen der Stadt bei Objekten, die von den Eigentümern nicht hergerichtet werden. Das Ziel der Gebäudesanierung müsse immer mit der Zielsetzung für das Quartier übereinstimmen. Verhandelt werde mit dem Eigentümer auf der Grundlage von Gutachten. Einige man sich, kaufe die Stadt und bereinige Misstände. Gegebenenfalls werde neben Entkernungen und der Grundstücksneuordnung auch eine Grundsanierung durchgeführt, die einen Käufer vor großen unangenehmen Überraschungen schütze. Der Verkauf laufe dann ebenfalls über die Sanierungsstelle (Tel: 51 44 70), die bei allen Fragen rund um die Sanierung und insbesondere auch bei der Finanzierung (Zuschüsse der verschiedensten Fördertöpfe) helfe. Da mit dem Kaufvertrag auch eine Modernisierungsvereinbarung geschlossen wird, sei dem Ende des Leerstands ein Rahmen gesetzt.

Dass die Stadt für jedes dieser Gebäude eigene Konzepte erstellt, zeigte Ralf Brettin an Dutzenden von Beispielen aus der Neuen Gasse, der Bauerngasse, der Rückertstraße, der Oberen Straße, dem Kornmarkt, der Krummen Gasse, dem Oberen Wall und aus Alt-Oberndorf. Zudem stellte er städtische Maßnahmen wie etwa die Sanierung des Zeughauses oder des Ebracher Hofs vor, wodurch die Quartiere zusätzlich punkten würden.

Mit der Entkernung entstand ein Hof an der Krummen Gasse.
Mit der Entkernung entstand ein Hof an der Krummen Gasse. Foto: Gerd Landgraf

Anschließend wurden die Gäste (das Demografie-Kompetenzzentrum ist ein Projekt der Entwicklungsagentur Oberfranken Offensive e.V.) von Richard Riegler, Leiter der Sanierungsstelle, und Architektin Karin Fuchs durch die östliche Altstadt geführt. Erste Station war "Die kleine Kaffeerösterei" in der Rückertstraße 13, die sich laut Riegler zum Schmuckstück entwickelt habe und das Stadtviertel belebe. Über die Linsengasse, wo Gewerbebauten Neubauwohnungen weichen mussten und eine Tiefgarage die Parkraumsituation entspannte, ging es weiter zur Burggasse 17, für die nach Abschluss archäologischer Grabungen, nach Entkernungen und ersten Sanierungsarbeiten endlich ein fester Interessent gefunden sei. Bei einem Kaufpreis von 120 000 Euro wird in etwa das Grundstück bezahlt. Entstehen werden in dem sehr aufwendig zu sanierendem Gebäude Wohnungen.

Die Arbeiten am Samtturm am Obertor enden noch heuer.
Die Arbeiten am Samtturm am Obertor enden noch heuer. Foto: Gerd Landgraf

Die Stadtmauer samt Graben am Zürch ist für Riegler eine "der schönsten Stellen" in Schweinfurt und Teil der Grünverbindung vom Obertor zum Main. An der Ecke Mühltor/Rückertstraße entstanden in der Rückertstraße 27 elf Wohneinheiten, nachdem die Stadt das Haus 2009 gekauft und schon ein Jahr später wieder veräußerst hatte. Am Samtturm am Obertor verdeutlichte der Leiter der Sanierungsstelle dann, dass die Stadt mit dem Herrichten historischer Gebäude und mit dem Ausbau der Grünanlagen die Attraktivität der Sanierungsgebiete erhöhe.  

Arbeiten im Denkmal: das Architekturbüro Perleth, Kornmarkt 17.
Arbeiten im Denkmal: das Architekturbüro Perleth, Kornmarkt 17. Foto: Gerd Landgraf

Der Rundgang endete am Kornmarkt 17 mit einem Besuch beim Architektenbüro Perleth. Die sanfte Sanierung des weißen Hauses mit den grünen Fensterläden gilt als vorbildlich und steht für die gewerbliche Nutzung eines Denkmals.  

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