Niederwerrn

Warum die Zauneidechse der neue Feldhamster ist

Baujahr 2019: Bei der Herbstexkursion des Straßenbau-Ausschusses mit Sachgebietsleiter Marco Kraus (rechts) besichtigten die Kreisräte auch den neuen Wellstahldurchlass bei Greßthal. Foto: Uwe Eichler

"Wir haben heute eine Premierenfahrt", stellte Landrat Florian Töpper am Mikrofon fest. Auch wenn der Busausflug der Kreisräte vom Straßenbauausschuss  Tradition ist, gab es 2019 einige Neuerungen. Marco Kraus feierte seinen Einstand als neuer Sachgebietsleiter im Landratsamt und Nachfolger von Ruheständler Rudolf Gehr. Das Handout zur mobilen Ausschuss-Sitzung verteilte Mitarbeiterin Kristina Reinhart. Auch der Bus des Schwanfelder Reiseunternehmers war neu.

In diesem Jahr ging es in den nördlichen Landkreis, via Ballingshausen, Wettringen, Mailes, Ober- und Stadtlauringen nach Reinhardshausen und Sulzdorf, mit einem Abstecher in den Kreis Bad Kissingen, zurück Richtung Pfändhausen, Pfersdorf und Poppenhausen und mit "Schlusshock" im Kreisbauhof Niederwerrn. Insgesamt 300,5 Kilometer ist das Netz der Kreisstraßen lang. Diese sind bereits zu 94 Prozent an moderne Verkehrserfordernisse angepasst: "Ein absoluter Spitzenwert" in Bayern, heißt es im Jahresbericht.

Landmaschinen werden immer größer

Ein hohes Verkehrsaufkommen auf den Verbindungsstraßen nach Schweinfurt, aber auch größer und schwerer werdende Landmaschinen sorgen dafür, dass die Arbeit auch bei 100 Prozent Modernisierungsgrad nicht geringer wird. "Ohne Geld ist nichts zu machen", stellte Kraus fest, der sich über rund 50 Prozent staatlichen Förderanteil freut. Alleiniger Ansprechpartner ist mittlerweile die Regierung von Unterfranken anstelle des Staatlichen Bauamts. Die Erfahrungen mit der Zentralisierung der Fördermittel-Vergabe seien positiv, heißt es. 80 Kilometer Radwege schlängeln sich durch den Landkreis, der für rund 29 Kilometer zuständig ist.

Grüne Kreuze am Wegesrand standen für den Protest von Landwirten gegen steigende Auflagen, auch beim Umweltschutz. Querrisse auf der Straße waren ebenfalls deutlich hörbar. "Es ist wie bei der Eisenbahn", kommentierte ein Bürgermeister. Ob diese Untergrundschäden nur mit den Hitzesommern zu tun haben? Festlegen will sich Marco Kraus da nicht. Verdrückungen, Frostrisse, veraltete Linienführung, Bäume am Wegesrand, Straßenbreiten unter sechs Metern – auch das bereitet vielerorts Sorgen.

2020 soll die Staatsstraße zwischen Aidhausen und Wettringen ausgebaut werden. Dabei wird auch die Einmündung der SW4 im Süden von Wettringen ertüchtigt, für 130 000 Euro. Ein (aufwendiger) Kreisverkehr wird im Landratsamt als nicht notwendig angesehen. Die marode SW 32 von Birnfeld Richtung Bundorf steht ebenfalls zur Sanierung an, dafür stehen 700 000 Euro im Plan. Die Ertüchtigung der SW 55 zwischen Mailes und Wetzhausen soll nächstes Jahr geplant werden, mit Umsetzung ab 2022. In der Planungsphase befindet sich derzeit der Ausbau der SW 34 von Wülfershausen Richtung Landkreis Bad Kissingen, ab 2020 sollen dafür 1,8 Millionen Euro fließen. Neben der erneuerten SW 32 Reinhardshausen-Sulzdorf muss nur noch eine Ausgleichsfläche bepflanzt werden: 860 000 Euro wurden auf diesem Abschnitt locker gemacht.

Schwierige Grundstücksverhandlungen: Enteignung ist nicht ausgeschlossen

An der SW 40 zwischen Herlheim und Alitzheim hält die Sichtung streng geschützter Zauneidechsen die Planer auf Trab. Zum 1,4-Millionen-Euro-Projekt zählt auch die Suche nach einem Ersatzlebensraum fürs rare Reptil. "Der Hamster ist ein Waisenknabe dagegen", kommentierte Kraus. Schwierige Verhandlungen mit Grundstückseigentümern sind ein weiterer Hemmschuh. So an der SW 37 zwischen Brünnstadt und Gerolzhofen, wo zwei Grundbesitzer auf ihrem Nein beharren. Eine Enteignung ist als letztes Mittel nicht ausgeschlossen. Insgesamt geht es um knapp 1,3 Millionen Euro. Etwas über 1,1 Million Euro sind 2019 in die SW 9 zwischen Obbach und Greßthal geflossen. Kurz vor Greßthal gab es einen neuen Wellstahl-Durchlass zu besichtigen, für den Reichelsgrund-Graben: Die Röhre zählte mit 85 000 Euro Kosten eher zu den Schnäppchen. Bei insgesamt 55 Ingenieurbauwerken (51 Brücken und vier Stützbauwerken) trägt der Kreis die Baulast. 27 dieser Bauwerke wurden bereits geprüft, die schlechteste Note war bislang die 2,5.

Da sich der neue Unimog im TÜV befindet, schritten die Kreisräte im Bauhof gleich zur Schlussbesprechung: Vor dem Ausbau der Ortsdurchfahrt Dittelbrunn, die 2022 ansteht, sollen nächstes Jahr die Kanalarbeiten begonnen werden, teilte Bürgermeister Willi Warmuth mit. Vielerorts sind die Ortsdurchfahrtsgrenzen veraltet und werden überprüft: Etwa 40 bis 50 von 170 Grenzen müssen angepasst, etwa zehn Ortsränder neu festgelegt werden, berichtete Kraus – mit einigen wegerechtlichen Konsequenzen.  Die Kreisstraßen wurden abschnittsweise nach einem neuen System "kilometriert". Die Daten sind nun im bayerischen Online-Informationssystem BAYSIS öffentlich zugänglich, das auch die Verkehrsbelastung wiederspiegelt (www.baysis.bayern.de).

Der Trend zum milden Winter macht sich auch finanziell bemerkbar: Bei lediglich 51 Volleinsätzen (statt 77 im Vorjahr) wurden 1420 Tonnen Salz und 470 Tonnen Sole ausgebracht. Entsprechend wurden im Winterdienst moderate 391 000 Euro verbraucht. 600 000 Euro kommen dem aktuellen Deckenbauprogramm zu Gute. Bei den Straßenwärter-Prüfungen gibt es ebenfalls gute Nachrichten: alle 43 Anwärter haben bestanden.

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