Schweinfurt

Warum in Schwebheim wochenlang Trinkwasser in den Gulli floss

Beim Bau einer neuer Wasserleitung im Heideweg in Schwebheim wurde Trinkwasser direkt in den Kanal gespült. Für manchen Schwebheimer unbegreiflich. Foto: Martin Christ

Kopfschüttelnd seien viele an dem Rohr vorbei gelaufen, aus dem im Heideweg nunmehr seit drei Wochen ununterbrochen das Wasser in den Gulli lief, erzählt Martin Christ. Er ist entsetzt davon, wie beim Einbau der neuen Leitungen in Schwebheim mit Trinkwasser umgegangen wird. "Wasserverschwendung hoch 20" sei das, sagt Christ, "Unterfranken trocknet aus und dann sowas." Auch Arbeiter vor Ort hat der Schwebheimer angesprochen, der genau an der Stelle wohnt, wo das Trinkwasser in den Kanal eingeleitet wurde. Die Antwort: man müsse die neue Leitung spülen, er wolle später ja keine Keime in seiner Hausleitung, oder? Zufrieden geben wollte sich Christ damit nicht.

Wie erklärt der Verantwortliche des Projekts, die Rhön-Maintal-Gruppe (RMG), das Vorgehen? Auf Anfrage der Redaktion nimmt Artur Gaus, stellvertretender Geschäftsleiter der RMG Stellung, zeigt auf, was dahinter steckt. Und kann durchaus verstehen, wenn Anwohner aufgebracht sind und Christ von Wasserverschwendung spricht. Schließlich ist Wassersparen auch für die RMG ein Thema, zumindest auf deren Homepage, wo sich unter dem Punkt "Öffentlichkeitsarbeit" auch Spartipps für Verbraucher finden. Trotzdem: für das Vorgehen beim Austausch der 66 Jahre alten Wasserleitung in Schwebheim gibt es Gründe, sagt Gaus.

Eine Alternative gibt es

Zum einen müssten Leitungen, die neu verlegt werden, mit Trinkwasser gefüllt werden, um den fachgerechten Einbau zu prüfen; also ob etwas fehlerhaft montiert wurde, ob es Lecks gibt. Dazu müsse man Druck auf die Leitungen geben, so Gaus. Warum das Wasser kontinuierlich floss, hänge aber nicht nur damit zusammen. Mit dem "leicht fließenden" Durchlauf verhindere man auch eine Stagnation in der neuen Leitung, schließlich sei genau das, stagnierendes Wasser, ein Nährboden für Keime und Bakterien. Ein üblicher Vorgang bei Wasserversorgern – und auch bei der RMG, sagt Gaus auf Nachfrage.

Im Heideweg wurde die 66 Jahre alte Wasserleitung ausgetauscht. Die Anwohner würden über Schläuche provisorisch versorgt... Foto: Martin Christ

Eine Alternative gibt es zwar – das Chloren der neuen Leitung – doch auch die habe Nachteile. Um das Chlor wieder aus den Leitungen zu bekommen, müsste viel gespült und am Ende noch mehr beprobt werden als bei der anderen Variante, um Wasser in Trinkwasserqualität garantieren zu können. "Der Endkunde will ja auch keimfreies Wasser", sagt Gaus. Und warum nicht das Wasser in die Natur leiten statt in den Gulli, wie Martin Christ es vorgeschlagen hatte? Weil es zum einen nicht ganz einfach wäre, das Wasser aus der Ortsmitte in die Natur einzuleiten und zum anderen die Gefahr bergen würde, dass es zu Ausspülungen in der Natur kommen würde, sagt Gaus.

Wer bezahlt die Kosten für das Spülen?

Das Spülwasser übrigens, das im Endeffekt über die Wassergebühren jeder RMG-Kunde mitbezahlt, sei kein großer Kostenfaktor, weitaus kritischer wären die allgemein steigenden Kosten für die Erdarbeiten. Noch immer haben die Baufirmen relativ volle Auftragsbücher, Konkurrenzkampf und Angebote gibt es wenige, dafür hohe Preise, sagt der stellvertretende Geschäftsleiter. Auf rund 306 000 Euro werden der Austausch der alten Leitungen im Heideweg und in der Oberen Heide von Schwebheim geschätzt. Abgeschlossen ist er noch nicht.

Der Austausch alter Leitungen wie in Schwebheim gehört zum täglichen Geschäft der RMG mit ihren 525 Kilometern Trinkwasser-Ortsnetz-Leitungen, sagt Gaus. Und das Vorgehen auch. Wie viel Liter Wasser in dieser Zeit in den Gulli geflossen sind, könne man nicht sagen. Zwar wird die Wassermenge für Spülungen des Leitungssystems insgesamt in der Statistik auftauchen, nicht jedoch für ein einzelnes Projekt.

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