MUSEUM GEORG SCHÄFER

Was Walt Disney von Richter lernte

Walt Disneys Zeichnungen und Filme im Vergleich zu den Originalen von Ludwig Richter zu ähnlichen Sujets gibt es im Museum Georg Schäfer in der derzeitigen Richter-Ausstellung zu sehen. Foto: Museum Georg Schäfer

Die aktuelle Sonderausstellung „Ludwig Richter. Schöne heile Welt“ im Museum Georg Schäfer, zu sehen bis 19. Januar, zeigt etwa 150 Werke des Dresdner Künstlers: Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphiken und illustrierte Bücher von seinen Anfängen als Ansichten-Zeichner, über seine Italien-Reise bis zu seinem Spätwerk.

Sie legt dabei aber den Schwerpunkt auf das Idyllische und die von Richter erschaffene Märchenwelt. Zwar wollte der Künstler zu Lebzeiten vor allem als Maler wahrgenommen werden, doch seine große Popularität, die bis weit ins 20. Jahrhundert reichte, gründet auf seinen zahlreichen, ein großes Publikum erreichenden Illustrationen, so eine Pressemitteilung des Museums Georg Schäfer.

Anerkennung fand Richters Schaffen nicht nur in Deutschland und das, obwohl er schon in Anton Springers Geschichte der bildenden Künste aus dem Jahr 1858 als „treuester Schilderer“ des „wahren deutschen Gemüths“ dargestellt wurde. Auch im Ausland, sogar in Frankreich, fand er Bewunderer: Gustave Dorée, bekannt durch seine Illustrationen zur Bibel oder zu Dantes Göttlicher Komödie, sammelte Graphik von Ludwig Richter; der Bildhauer, Maler und Grafiker Aristide Maillol schätzte seine Kompositionen, der Schriftsteller und Kunsthistoriker John Ruskin bezeichnete seine Zeichnungen als „vollkommen“. Noch recht wenig bekannt ist, dass auch einer der prägendsten Vertreter der Populärkultur des 20. Jahrhunderts ein Richter-Fan war – nämlich Walt Disney.

Disney hatte europäische Wurzeln

Disney hatte selbst irische und deutsche Wurzeln. Einflüsse europäischer Kunst und Kultur fanden aber auch noch auf anderen Wegen Eingang in sein Schaffen. Dies geschah über die zum Teil aus Europa stammenden Zeichner wie Oskar Fischinger, Gustav Tenggren, Ferdinand Horvath oder Albert Hurter. Letzterer machte Disney mit Wilhelm Busch und Heinrich Kley vertraut. Wichtig waren ebenso der europäische Film und die europäische Literatur.

Seit 1934 baute Disney dann eine Bibliothek für sein Studio auf, in der die Texte von Autoren wie Stevenson, Scott und Dickens, den Gebrüdern Grimm, Collodi, Carrol oder Kipling von den Mitarbeitern konsultiert werden konnten, aber auch Bücher über Kunstgeschichte und Architektur. 1935 reiste Disney selbst nach Europa, wo er 350 Bücher mit Illustrationen, vor allem Fabeln und Märchen, erwarb. Hier entwickelte er auch die Idee zu seinem ersten abendfüllenden Kinofilm „Schneewittchen“. Außerdem sammelte er selbst einige Kunstwerke – darunter auch Bilder von Ludwig Richter.

Der Einfluss des deutschen Künstlers ist in mehreren Arbeiten Disneys unverkennbar. Ein paar Beispiele zeigt die Ausstellung im Museum Georg Schäfer: Betrachtet man Richters Schneewittchen, das vor dem Haus der Zwerge von den Tieren, vor allem Rehen und Vögeln, begrüßt wird, dann gewinnt man den Eindruck, Disney hätte diese Szenen mit einem etwas moderneren Schneewittchentyp übernommen.

Bambi neben der Mutter im Wald, umgeben von den Tieren lässt an Richters Genoveva in der Waldeinsamkeit mit ihrem Sohn Schmerzensreich denken. Bei Richter und Disney gibt es die vermenschlichten Tiere und lebendig gewordenen Gegenstände. Der deutsche Zeichner und der amerikanische Filmproduzent waren beide Meister der Romantisierung des Alltags und des Aufgreifens universeller menschlicher Sehnsüchte. Beide hatten ein gutes Gespür für einprägsame, zeitlos ansprechende und emotional berührende Figuren und Momente. Dabei arbeiteten sie beide mit den Mitteln der Vereinfachung und Typisierung, verknüpften Zeitgeist und Zeitlosigkeit.

Die Veranstaltung „in petto“ am 3. Dezember um 18 Uhr wird das Thema Richter und Disney aufgreifen. Darüber hinaus gibt es in der Weihnachtszeit im Museum Georg Schäfer ein umfangreiches Angebot für Erwachsene und Kinder.

Das Weihnachtsfest und die Welt der Kinder lagen dem Künstler besonders am Herzen. Das Museum veranstaltet am 1. Dezember einen Illustrationsworkshop, bei dem ein selbstgebundenes kleines Büchlein entsteht (14 Uhr), am 7. Dezember können Kinder Weihnachtskarten drucken (für Kinder ab 5 Jahren, 10.30 bis 12 Uhr), am 8. Dezember Weihnachtsbaumschmuck basteln (14 Uhr) und am 14. Dezember mit Papier „zaubern“ (für Kinder ab 9 Jahren, 10.30-12 Uhr). Weitere Veranstaltungen finden sich unter www.museumgeorgschaefer.de

Darüber hinaus zeigt ein eigener Kinderraum in der Sonderausstellung Zeichnungen, Druckgrafiken und illustrierte Bücher von Ludwig Richter zusammen mit Texten, Bildern und Objekten von Kindern aus der Geschwistergruppe der Lebenshilfe. In einem kostenfreien Mitmachbereich in der Museumspädagogik kann auch ohne Anleitung gebastelt, gemalt und gespielt werden.

Sonderausstellung „Ludwig Richter. Schöne heile Welt“, Museum Georg Schäfer, bis 19. Januar. Öffnungszeiten: Mi-So 10-17 Uhr, Di 10-20 Uhr, geschlossen am 24.12., 25.12. und 31.12.

Ludwig Richter: Genoveva (Ausschnitt), 1848, Bleistift und Aquarell, zu sehen im Museum Georg Schäfer. Foto: Peter Leutsch Museum Georg Schäfer

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