Schweinfurt

Was die EUTB zum Lotsen durch den Beratungs-Dschungel macht

Ihr Name ist sperrig, das Angebot nicht: Wer ein Problem hat, weiß oft nicht, an wen er sich wenden soll. Die Schweinfurter Beratungsstelle kann nicht nur da weiterhelfen.
Seit einem Jahr gibt es die EUTB in Schweinfurt, die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung. Zuständig ist sie für die ganze Region – von Schweinfurt, Bad Kissingen bis in die Haßberge oder Rhön Grabfeld. Neben der kostenlosen persönlichen Beratung ist auch telefonische Beratung möglich. Elke Rinneck (im Bild) ist eine von drei Beraterinnen.
Seit einem Jahr gibt es die EUTB in Schweinfurt, die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung. Zuständig ist sie für die ganze Region – von Schweinfurt, Bad Kissingen bis in die Haßberge oder Rhön Grabfeld. Neben der kostenlosen persönlichen Beratung ist auch telefonische Beratung möglich. Elke Rinneck (im Bild) ist eine von drei Beraterinnen. Foto: Katja Beringer

Vor einem Jahr ist die EUTB in Schweinfurt angetreten – als Ansprechpartner für Menschen mit Behinderungen, von Behinderung bedrohte Menschen, mit körperlichen oder auch psychischen Erkrankungen, aber auch deren Angehörige. Lotse wolle man sein für Menschen, die Hilfe brauchen, hieß es  bei der Eröffnung der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung im Schrotturm vor zwölf Monaten. Denn Beratungsangebote gibt es an sich viele – und ebenso viele Menschen, die nichts von ihnen wissen. Ein Jahr später zieht eine der insgesamt 500 EUTB-Stellen, die auf Initiative des Bundesministeriums für Arbeit in Deutschland aufgebaut werden sollen, eine erste Bilanz. Wie kommt das kostenlose Angebot an? Wer fragt nach und welche Vorteile bietet die "eine für alle"?

Im Gespräch haben Doris Kühne und Elke Rinneck von der EUTB diese Fragen beantwortet. Gemeinsam mit Ann-Kathrin Tietje sind sie das Berater-Team in Schweinfurt, das nicht nur für Stadt und Landkreis Schweinfurt, sondern auch für die Kreise Haßberge, Bad Kissingen und Rhön Grabfeld zuständig ist. Finanziert wird das Angebot vom Bund, Träger ist die Gesellschaft zur beruflichen Integration (gfi) Schweinfurt. Dort sind die drei Beraterinnen angestellt. Das Angebot ist kostenlos –was ein großer Vorteil ist, sagen Kühne und Rinneck. Keiner muss sich erst einmal Gedanken machen, wer die Beratung bezahlt, welcher Leistungsträger zuständig ist. Es geht um den Menschen und sein Problem – so wie er das sieht.

"Wir bewerten nicht, geben nur Ratschläge, zeigen Wege auf", formulieren es die beiden Beraterinnen. Oft vermitteln sie an Beratungsstellen, weisen den Weg zu Behörden, Verbänden wie dem VdK, zum Pflegestütztpunkt, zu Selbsthilfegruppen – oder helfen demjenigen auch einfach nur, die ersten Schritte zu machen. Oft kommen Menschen, die beispielsweise gerade erst eine Diagnose bekommen haben, gerade erst wissen, dass ihr Leben sich ändern wird, der Job, der Alltag. Was müssen sie jetzt tun, welche Anträge stellen, an wen können sie sich wenden? Die EUTB-Berater verstehen sich in diesen Fällen als Wegweiser, Partner an der Seite der Menschen, die ihnen helfen, Struktur und Klarheit in ihre Situation zu bringen. Quasi "Hilfe zur Selbsthilfe geben", nennt Elke Rinneck es, "und Sicherheit".

Viele sind unsicher – gerade gegenüber Behörden und Leistungsträgern

Denn gerade sie ist es, die viele brauchen. Die Unsicherheit beim Ausfüllen von Anträgen, gegenüber Behörden und Leistungsträgern – sie spüren die beiden Beraterinnen immer wieder deutlich. Ob es nun um einen Reha-, einen Schwerbehinderten- oder einen Rentenantrag geht – viele haben Angst, etwas verkehrt zu machen; und viele tun sich schwer, ihr Recht einzufordern. Die Bandbreite der Themen und Probleme, mit denen die Beraterinnen konfrontiert werden, ist breit – ebenso wie der Altersdurchschnitt. Er liegt zwischen 35 und 54 Jahren.

Es geht ganz grob gesagt um die Teilhabe am Arbeitsleben, am gesellschaftlichen Leben, um Wiedereingliederung am Arbeitsplatz, beispielsweise nach langer Krankheit, um die Frage, in welchem Sportverein ein Jugendlicher mit Autismus gut aufgehoben sein könnte und vieles mehr. Sie treffen auf Menschen, die aus dem Netz fallen. Frauen, Männer, die Erwerbsminderungserente bekommen, aber gerne wieder etwas arbeiten würden, für sich, für ihr Selbstwertgefühl und manchmal auch wegen des Geldes. Für sie ist keiner zuständig, der Weg zur Teilhabe sei oft kein einfacher, sagt Rinneck.

Auch Altersarmut ist ein Thema in der EUTB

Immer wieder konfrontiert werden die Beraterinnen auch mit Altersarmut, sprechen mit Menschen, deren Rente gerade so reicht, mit anderen, die eine größere Investition aus der Bahn wirft. Wer springt ein, wenn die neuen Zähne, die neue Brille das knappe Budget sprengen?  Die EUTB ist Anlaufstelle für viele geworden, das ist schon mal ein Erfolg. 190 Menschen hat man in diesem Jahr betreut, Tendenz steigend. Auch immer mehr Behörden und andere Stellen vermitteln an die EUTB. Was sie leistet, spricht sich herum. Man ist im Aufbau, immer noch. Genauso wie das Netz der EUTB-Stellen, das sich jetzt in ganz Franken enger verknüpfen will. Man tauscht sich aus, nutzt die Erfahrungen, das Knowhow der anderen.

Die Beratung ist anonym, viel preisgeben muss derjenige, der sich mit der EUTB in Kontakt setzt, nicht. Der Kontakt ist sowohl telefonisch als auch persönlich möglich. Auf Wunsch werden auch sogenannte Peer-Berater hinzugezogen: Berater, die selbst betroffen sind, beispielsweise sehbehindert, und so ihre Erfahrungen einbringen. In Schweinfurt ist die Beratungsstelle im Schrotturm jeden ersten Dienstag im Monat von 9 bis 11 Uhr besetzt, jeden Donnerstag gibt es eine offene Sprechstunde in der Londonstraße 20. Termine gibt es auch nach Vereinbarung, auch im Landkreis Bad Kissingen.

Kontakt: Tel. (09721) 1724-33, -13 oder -27 oder via Mail: info@teilhabeberatung-schweinfurt.de

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