OBERSCHWARZACH

Was wird aus Schloss Oberschwarzach?

Julius Echter lässt grüßen: Diese Gedenktafel erinnert an die Fertigstellung des Schlosses 1614 unter dem Würzburger Bischof. Foto: N. Vollmann

Wie geht es weiter mit Schloss Oberschwarzach? Diese Frage stellt sich seit längerem nicht nur die Katholische Kirchenstiftung als „Schlossherr“, sondern inzwischen mehr und mehr auch die Bevölkerung.

Nach dem gescheiterten Versuch der Kirche, die Marktgemeinde als Mieter ins Schloss-Boot zu holen, ist nun die Gründung eines gemeinnützigen Fördervereins „Pro Schloss“ geplant, um ein tragfähiges Nutzungs- und Finanzierungskonzept auf die Beine zu stellen.

In Oberschwarzach besteht vor allem die Befürchtung, dass das Wahrzeichen des Dorfes durch einen Verkauf nicht mehr öffentlich genutzt werden oder gar in „falsche“, private Hände geraten könnte.

Derzeit läuft seitens der Initiatoren im Marktflecken eine Unterschriftenaktion unter dem Motto „Ich bin pro Schloss“, um sich der Unterstützung durch die Bevölkerung zu versichern.

1972 hatte die Katholische Kirchenstiftung unter Pfarrer Karl Ring das von Fürstbischof Julius Echter erbaute Schloss als neuer alleiniger Eigentümer vom Freistaat Bayern erworben. Für den Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft St. Franziskus am Steigerwald, Stefan Mai, und die kirchlichen Gremien in Oberschwarzach steht aus heutiger Sicht fest, dass „die Immobilie aus eigener Kraft nicht zu halten ist“.

Verschärft wurde die Problematik durch die Mitteilung der Diözese, den Erhalt künftig nur noch im Hinblick auf tatsächlich pastoral genutzte Räume finanziell zu unterstützen.

Dies betrifft gegenwärtig in erster Linie das Pfarrbüro, das Dienstzimmer der Gemeindereferentin oder den großen Versammlungsraum, in dem auch Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung tagen. Außer diesen Räumlichkeiten im Nordflügel steht das Schloss leer.

Knapp 840 000 Euro investiert

Um die Dimension zu unterstreichen, die der Unterhalt des Schlosses inklusive großer Scheune und Garten darstellt, verweist Pfarrer Mai auf knapp 840 000 Euro, die seit 1972 in die Instandhaltung des Gebäudes geflossen sind. Fast 580 000 Euro hat die Diözese hineingesteckt, gefolgt von knapp 220 000 Euro seitens der Kirchenstiftung. 40 000 Euro kamen als finanzielle Unterstützung von der Marktgemeinde.

Eine neue Situation hat sich durch den massiven Wasserschaden anlässlich des 5. Unterfränkischen Volksmusikfestes am 18. Juli 2010 ergeben. Das in einer leer stehenden Wohnung im zweiten Stock ausgetretene Wasser lief von Freitagnachmittag bis zur Entdeckung des Malheurs am Sonntagmorgen, als es bereits zur Südfassade hinausdrückte. Auf dem Weg von oben nach unten zerstörte das Wasser auch das so genannte Echter-Zimmer auf der Südseite. Das größte Problem bestand erst einmal in der Trockenlegung der betroffenen Gebäudeteile.

Die Versicherung würde die Herstellung des alten Zustandes bezahlen, soweit dies möglich ist, doch dafür bedürfe es einer sinnvollen und vor allem intensiveren Nutzung, so Pfarrer Mai. Sollte sich die nicht ergeben, würde die Versicherung den Schaden mit einer pauschalen Summe abgelten und der derzeitige Zustand würde so belassen.

Die Kirchengemeinde hatte deshalb der Gemeinde angeboten, Teile des Schlosses als Standesamt, Bürgermeisterzimmer, Sitzungssaal oder Archiv zu nutzen. Das war vom Marktgemeinderat am 16. April mit 5:8 Stimmen abgelehnt worden. Daraufhin hatte sich die private Initiative gebildet, um das Schloss der Allgemeinheit zu erhalten.

Dem Aufruf zu einer Informationsveranstaltung am 25. Juli waren über 80 Personen gefolgt. Neben einem Rückblick auf die Geschichte des Gebäudes folgten Beispiele dafür, wie Schlösser in Unterfranken durch private Besitzer dem Verfall preisgegeben werden, aber auch dafür, was man daraus machen kann, wenn, wie etwa in Rödelsee, ein sinnvolles Konzept gefunden wird. Dafür gab es bereits an diesem Abend verschiedenste Vorschläge aus den Reihen der Versammlungsteilnehmer.

Unterschriftenaktion „Pro Schloss“

Am Ende ging eine klare Tendenz dahin, dass das Schloss in öffentlicher Hand bleiben soll. Tenor: Wenn alle an einem Strang ziehen, müsse es doch möglich sein, das Haus mit Leben zu erfüllen.

Zur Vorbereitung auf die Mitte Oktober geplante Gründung eines gemeinnützigen, unabhängigen Fördervereins liegen noch bis 15. September die erwähnten Unterschriftenlisten unter dem Motto „Ich bin pro Schloss“ in Kirche, Pfarrbüro, Rathaus und bei drei Initiatoren aus.

Um möglichst bis zur Jubiläumsfeier „400 Jahre Schloss“ im Jahr 2014 eine Lösung auf den Weg zu bringen, will der Förderverein, ausgestattet mit dem erhofften breiten Mandat der Bevölkerung, zunächst ganz offene Gespräche mit allen in Frage kommenden Kreisen führen.

Pfarrer Stefan Mai betont: „Ich persönlich sehe eine große Chance in der Bürgerinitiative, weil hier Leute dahinter stehen, die etwas nach vorne bewegen möchten.“

Schloss Oberschwarzach

Julius Echter von Mespelbrunn, von 1573 bis zu seinem Tod 1617 Fürstbischof von Würzburg, ließ die Stollburg nach deren Zerstörung 1525 im Bauernkrieg nicht wieder aufbauen. Stattdessen erwarb er 1575 das alte Schloss der Truchsesse von Henneberg in Oberschwarzach, um an dessen Stelle ein neues Amtshaus zu errichten. Mit dem Bau des 1614 fertig gestellten, imposanten Renaissance-Schlosses ging die Verlegung des bischöflichen Amtssitzes von der Stollburg nach Oberschwarzach einher. Nach der Säkularisation fand das Gebäude eine neue Nutzung. Im ersten Stock wurde die Wohnung des Pfarrherrn eingerichtet, der zweite Stock wurde zum Sitz des Revierförsters. 1972 erfolgte der Verkauf durch den Freistaat Bayern an die Katholische Kirchenstiftung in Oberschwarzach. Der Kaufpreis lag bei 100 000 Mark. Novo

Wahrzeichen als Sorgenkind: So schön das Schloss in Oberschwarzach ist, so sehr ist es für die Besitzerin, die Katholische Kirchenstiftung, aufgrund der begrenzten Nutzung zu einem finanziellen Klotz am Bein geworden. Ein Förderverein „Pro Schloss“ möchte sich nun auf die Suche nach einem tragfähigen Nutzungs- und Finanzierungskonzept machen. Foto: Norbert Vollmann

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