Schweinfurt

Wegen Coronavirus: Die Tafel Schweinfurt schließt ab Freitag

Um die ehrenamtlichen Mitarbeiter zu schützen, schließt die Schweinfurter Tafel ab 20. März ihre Essensausgabe. Welche Gründe der Vorstand für seine Entscheidung hatte.
Wegen der Coronavirus-Krise wird die Ausgabestelle der Tafel Schweinfurt in der Brombergstraße ab 20. März vorübergehend geschlossen.
Wegen der Coronavirus-Krise wird die Ausgabestelle der Tafel Schweinfurt in der Brombergstraße ab 20. März vorübergehend geschlossen. Foto: Oliver Schikora

Die Tafel Schweinfurt in der Brombergstraße 9 im Stadtteil Bergl sowie ihre Außenstelle in Gerolzhofen schließen ab Freitag, 20. März, wegen der Auswirkungen der Coronavirus-Krise zunächst ihre Ausgabestellen. Das teilte Tafel-Vorsitzender Ernst Gehling mit.

"Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, es tut uns weh", erklärt Gehling. Es gehe aber darum, gerade die ehrenamtlich tätigen Tafel-Mitarbeiter, zumeist über 70 Jahre alt, zu schützen: "Die Gesundheit unserer Helfer geht vor." Sobald sich die Lage beruhigt hat und es möglich ist, soll der Tafelladen wieder geöffnet werden, so Gehling. Man werde über Plakate, die Diakonie und die Presse informieren, wann es weitergeht.

In den nächsten Tagen werden bis einschließlich Donnerstag noch Waren ausgegeben. Festgestellt haben die Tafel-Mitarbeiter, dass auch bei den Supermärkten, mit denen man kooperiert, etwas weniger Ware als sonst zur Verfügung steht. Die Tafel in Schweinfurt gibt jeden Tag rund zwei Tonnen Frischwaren aus. Bis zum Ende der Woche werden die Lager geleert, nur haltbare Dinge sollen aufbewahrt werden, alles andere wird ausgegeben.

"Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, es tut uns weh"
Tafel-Vorsitzender Ernst Gehling über die Schließung des Tafelladens ab Freitag.

Bereits geschlossen sind in der Region die Tafelläden unter anderem in Bad Kissingen, Würzburg, Kitzingen oder Hammelburg. Den Menschen, die bei der Tafel einkaufen, wird zwar durch die staatliche Grundsicherung geholfen. Dennoch bedauert Gehling auch deshalb die unumgängliche Schließung so sehr, "da klar ist, dass die Bedürftigen am Ende der Kette in der Gesellschaft sich keine Hamsterkäufe leisten können." 

Information der Tafel Schweinfurt an der Ausgabestelle Brombergstraße.
Information der Tafel Schweinfurt an der Ausgabestelle Brombergstraße. Foto: Oliver Schikora

In Deutschland leben rund zwölf Millionen Menschen in der Einkommensarmut oder sind unmittelbar davon bedroht. Die Tafel Schweinfurt e.V. versucht, bedürftigen Menschen den Alltag mit Lebensmittelspenden zu erleichtern. In Schweinfurt werden wöchentlich rund 750 Kinder und über 1100 Erwachsene "bedient". Insgesamt sind aktuell knapp 4500 Personen berechtigt, für einen symbolischen Einkaufspreis von drei Euro Waren über die Tafel zu beziehen. Um bei der Tafel einzukaufen, braucht man einen Tafelschein, den Diakonie oder Caritas ausgeben. Er ist an Einkommensgrenzen gebunden, die sich an der Armutsgefährdungsquote der EU orientieren.

Die 940 Tafeln in Deutschland geben jedes Jahr 264 000 Tonnen Lebensmittel an Bedürftige weiter. Der Bundesverband macht Lobbyarbeit, der Verschwendung Einhalt zu gebieten. Er fordert die Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums bei lange haltbaren Produkten sowie die Einführung des Fachs "Ernährungsbildung" in der Schule. Die Lebensmittelverschwendung ist neben der selbstlosen Hilfe für Bedürftige das Thema, das die Helfer am meisten umtreibt.

160 Helferinnen und Helfer hat die Tafel in Schweinfurt – alle ehrenamtlich, jeder engagiert sich so, wie er kann. Der mildtätige, allein spendenfinanzierte Verein wird im fünfköpfigen Team mit dem Vorsitzenden Ernst Gehling geführt. 55 der Helfer sind als Fahrer und Beifahrer unterwegs, die anderen 105 arbeiten in verschiedenen Abteilungen im Tafelladen – Lager, Sortierung, Ausgabe, eine kleine, gut durchorganisierte Firma mit täglich 20 bis 30 Freiwilligen im Einsatz. Koordiniert wird das Team von Angelika Bandorf, die halbtags angestellt ist.

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