Schweinfurt

Weil es um den Menschen geht

Netzwerken ist angesagt bei der Krebsberatung, dem Malteser Hospizdienst und dem Hospizverein. Seit zwei Jahren arbeitet man enger zusammen. Gründe dafür gibt es viele.
Sie ziehen an einem Strang, wenn es darum geht, Menschen in Krankheit oder beim Sterben zu begleiten: Doris Göb, Dr. Johannes Mühler, Kerstin Schug und Susanne Ritzmann. Foto: Ursula Lux

Es gibt vieles, was sie verbindet, weniges was sie trennt. Die Zusammenarbeit zwischen der Krebsberatungsstelle und den beiden Hospizorganisationen in Schweinfurt jedenfalls gelingt von Anfang an gut. "Ich kann mich nicht erinnern, dass einmal irgendetwas nicht funktioniert hätte", meint Psychoonkologin Doris Göb, von der Krebsberatung im Leopoldina Krankenhaus. Ihre Kollegin Kerstin Schug, vom Hospizdienst der Malteser, ist erst vor zwei Jahren zu den gemeinsamen Treffen gestoßen und erinnert sich noch gut an ihren ersten Eindruck: "Nach einem Brainstorming wurden die Aufgaben verteilt und dann machte jeder seins." Das sei nicht überall so, meint sie lächelnd. Für Dr. Johannes Mühler, den Vorsitzenden des Hospizvereins, ist es eine Selbstverständlichkeit, dass alle Akteure miteinander in Kontakt stehen. "Wir sind Netzwerker, keine Einzelkämpfer", betont er.

Was die drei Organisationen verbindet, ist vor allem ihr Menschenbild. Zuhören, Da-Sein, Betroffene und auch ihre Angehörigen oft über lange Wegstrecken begleiten, das tun sie alle. "Als Hospizler sind wir Teil der Familienversorgung", erklärt Susanne Ritzmann von Hospizverein. Und damit beginnen auch schon die ersten Unterschiede. Während die Hospizhelfer in die Familien gehen, kommen die an Krebs Erkrankten in die Beratungsstelle. Ein zweiter wichtiger Unterschied, in der Hospizbewegung geht es um eine menschliche und würdevolle Sterbebegleitung. Das ist bei Göb anders, bei ihr geht es darum, wie die Erkrankten ihre Zukunft gestalten können.

Trotzdem bringt sie Begriffe wie Palliativversorgung oder Hopsizarbeit manchmal in die Gespräche ein, um die Berührungsängste zu nehmen.  Sie erinnert sich an eine Frau, die sie begleitete und deren Mann schwer erkrankt war. Die Frau hoffte, dass er wenigstens mit einem Hopizhelfer reden würde, in der Familie schwieg er. Dass man sich Fremden oft leichter öffnet, sei das eine, das andere sei, dass es immer mehr Alleinstehende gebe, erklärt Ritzmann. Denen wolle die Hospizbewegung die Angst davor nehmen, einsam sterben zu müssen.

Was die drei Organisationen gleichzeitig verbindet und trennt

Einen großen Unterschied sieht Mühler noch im Ehrenamt, die Malteser hatten hier schon auf eine gewachsene Struktur von Ehrenamtlichen zurückgreifen können. Der Hospizverein habe sich sein Netz von Ehrenamtlichen erst aufbauen und ausbilden müssen. Die Krebsberatung dagegen sei hauptamtlich besetzt, Ehrenamtliche leiteten nur einige Gruppen, erklärt Göb.

Was die drei Organisationen gleichzeitig verbindet und trennt, ist die Trauerarbeit. Wenn es gewünscht und nötig sei, würden die Hospizhelfer auch noch einige Zeit die Trauerbegleitung übernehmen, weiß Ritzmann. Und auch Göb begleitet Angehörige ab und an durch die erste Zeit der Trauer. Bei den Maltesern dagegen erklärt Schug, gebe es explizit Angebote für Trauernde , wie Trauerwandern, Trauercafé und Ähnliches. Es sei wichtig darum zu wissen und darauf zu verweisen, meint Mühler. Er wolle aber keine Parallelstrukturen aufbauen, Hauptsache der Kontakt bleibe bestehen. Sein Credo: "Es geht um den Menschen, nicht um Vereinsbefindlichkeiten."

Seit rund zehn Jahren führen die drei Organisationen jährlich eine gemeinsame Veranstaltung durch. Dann muss genau überlegt werden, was passt für an Krebs Erkrankte genauso gut wie für Sterbende. Heuer ist dies ein Vortrag von Dr. phil Elisabeth Jentschke: "Umgang mit Belastungen, auf der Suche nach meiner Quelle", Mittwoch, 26. Juni, um 19 Uhr im Leopoldina Krankenhaus, achtes Obergeschoss.

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