Schweinfurt

Welche Geheimnisse birgt Schweinfurts Unterwelt?

Die SPD lud wieder zur Kellerführung ein, dieses Mal in den Gewölbekeller von Heilig Geist. Warum der Forscher begeistert und der Gang zum Horten-Türmle wichtig war.
SPD-Stadträtin Marietta Eder gab Einblicke in die Schweinfurter Kellerwelt bei der jüngsten EkSPDition in den Gewölbekeller unter Heilig Geist. Foto: Oliver Schikora

Es ist schon erstaunlich, wie beliebt die seit einigen Jahren von den Schweinfurter Sozialdemokraten auf Initiative von Stadtrat Peter Hofmann gestarteten Kellerführungen sind. Rund 600 Anmeldungen, erzählt Hofmann, gab es auch dieses Mal wieder für die EkSPDition in den Gewölbekeller unter dem Pfarrhaus der Heilig-Geist-Kirche in der Schultesstraße.

So viele, dass es einen zweiten Termin am 22. Februar gibt, bei dem Hofmann und seine Stadtratskollegin Marietta Eder all diejenigen durch den Keller führen, die beim ersten Termin Anfang Februar nicht zum Zug kamen. Das große Interesse für die Geschichte der Wälzlagerstadt bei den Bürgern freut Peter Hofmann natürlich, der seit vielen Jahren die Internetseite www.schweinfurtfuehrer.de betreibt und zwei Bücher mit historischen Bildern aus der Stadt herausgebracht hat.

Der Platz, an dem einst das Spitaltor und die Spitalkirche standen, ist für Schweinfurt historisch besonders wichtig. Das Spital wurde 1320 gegründet, aus dieser Zeit stammt auch der imposante Gewölbekeller, der im übrigen einen deutlich anderen Grundriss hat als das heute über ihm stehende Gebäude.

Das war einstmals der Eingang zum unterirdischen Gang zum Horten-Türmle vom Keller unter dem Pfarrhaus von Heilig Geist aus. Der Gang ist jedoch seit vielen Jahren verschüttet. Foto: Oliver Schikora

Das liegt natürlich an der Entwicklung in den vergangenen Jahrhunderten, in denen es die heutige Schultesstraße und die Straßenführung so nicht gab. Die Spitalkirche wurde 1895 abgebrochen, bis 1902 wurde an ihrer Stelle die heute dort stehende Kirche gebaut, allerdings steht das Kirchenschiff heute anders als einstmals. Aus der gleichen Zeit stammt das heutige Pfarrhaus. Im Keller sind mehrere neue Mauern oder Metall-Säulen sichtbar, die die Last des neuen Gebäudes auf dem alten Gewölbe abtragen. 

Im Vorfeld der Führungen hielt Klaus Kispert, Hobbyarchivar in der Pfarrei, einen informativen und unterhaltsamen Vortrag über die Geschichte des Kellers, den er mit Roderich Schmierlein erforschte. Gespickt mit beeindruckenden historischen Aufnahmen, unter anderem von der so genannten armen und der reichen Pfründ, erzählte Kispert darüber, was man über den Keller weiß, der vor allem zur Lagerung von Kartoffeln und Wein genutzt wurde.

Blick in den Gewölbekeller unter dem Pfarrhaus der Heilig-Geist-Kirche in der Schultesstraße. Foto: Oliver Schikora

Spannend sind vor allem zwei Bereiche, die Marietta Eder und Peter Hofmann bei den Führungen auch in den Mittelpunkt stellten. Zum einen der Ausgang zum längst verschütteten unterirdischen Gang zum früheren Horten-Türmle, einem steinernen Turm an der ehemaligen Stadtmauer, der im Zuge des Neubaus des früheren Horten, heute Galeria Kaufhof, abgerissen wurde.

In den 1930er Jahren, so berichten Zeitzeugen, war der Tunnel noch richtig wichtig: Der Turm, der der Brauerei Werner aus Poppenhausen gehörte, war nämlich Treffpunkt des Bunds Neudeutschland, der von der später unter den Nationalsozialisten aufkommenden Hitlerjugend bekämpft wurde. Um zu flüchten, wenn man regelrecht belagert wurde, nutzte man den Gang.

Ebenfalls noch sichtbar sind Spuren des Luftschutzstollens, der 1944 von Zwangsarbeitern gegraben wurde. Er war einer von zehn solchen Stollen in der Stadt, die zum Ende des Zweiten Weltkriegs mehrfach bombardiert und schwer zerstört wurde. 2016, erinnerte Kispert, brach ein Stück des alten Stollens ein.

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