REGION STEIGERWALD

„Welcher Steigerwald-Typ bist Du?“

Maßarbeit: Bei der Kartierung des Natura 2000-Schutzgebietes „Buchenwälder und Wiesentäler des Nordsteigerwaldes“ kam vor Ort modernste Technik zum Einsatz. Im Vordergrund ist ein bei einer Infoveranstaltung 2012 bei Ebrach vorgestellter Transponder zu sehen. Er markiert den mit ... Foto: Norbert Vollmann

Das regionale Natura-2000-Kartierteam für Unterfranken hat die Kartierung des FFH-Gebietes „Buchenwälder und Wiesentäler des Nordsteigerwalds“ abgeschlossen. Es ist jetzt wieder an die Schreibtische im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Würzburg zurückgekehrt. Derzeit werden dort letzte Details der Außenaufnahmen ausgewertet, die im nördlichen Steigerwald erhoben wurden.

Damit ist nach der Rhön und dem Spessart die Kartierung des drittgrößten Laubwaldgebietes in Unterfranken durch die Forstverwaltung abgeschlossen. Das Natura-2000-Gebiet im Steigerwald wird von Sand am Main im Norden, Eltmann im Osten, Burgwindheim im Süden und Gerolzhofen im Westen begrenzt.

77 Prozent des FFH-Gebietes befinden sich im Staatswald des Forstbetriebs Ebrach. 21 Prozent entfallen auf Kommunalwälder, die restlichen rund zwei Prozent auf Privatwald. Insgesamt ist das FFH-Gebiet 15 877 Hektar groß. Diese Fläche wurde stichprobenartig untersucht.

Verstärkt durch Kolleginnen und Kollegen aus ganz Bayern ermittelte das Team – auch wegen der günstigen Witterung im Sommer mit sehr zügigem Arbeitsfortschritt – in dem Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiet nach dem Motto „Welcher Typ bist Du?“ auf rund 15 100 Hektar verschiedene Wald-Lebensraumtypen. Benannt werden sie nach charakteristischen Arten, die darin vorkommen.

Waldmeister-Buchenwald

Dazu zählen zum Beispiel der weltweit einmalige Waldmeister-Buchenwald im nördlichen Steigerwald, der Hainsimsen-Buchenwald, der Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald sowie Schlucht- und Hangmischwälder oder Auenwälder mit Schwarzerlen- und Eschenanteil.

800 Hektar des FFH-Gebiets „Buchenwälder und Wiesentäler des Nordsteigerwalds“ sind Offenland. Sie wurden nicht von der Forstverwaltung, sondern von Planungsbüros im Auftrag der Regierung von Unterfranken untersucht. Die Bezirksregierung in Würzburg ist als die Höhere Naturschutzbehörde fürs Offenland zuständig.

Das FFH-Gebiet ist aber äußerst waldbetont. Auf drei Viertel der Fläche kommen die für die Region typischen Buchen- und Eichenwälder vor. Diese Wälder sind es, die durch die Schutzgebietskategorie „FFH-Gebiet“ im europäischen Zusammenhang genau hier im Steigerwald in ihrer Ausdehnung und Qualität erhalten werden sollen, heißt es aus dem Amt in Würzburg. Dies soll vor allem durch eine naturnahe Waldbewirtschaftung geschehen.

Mit Feldcomputer, Messinstrumenten und GPS-Satelliten-Navigationsgerät, aber auch dem guten alten Feldstecher waren die Kartierer im Steigerwald unterwegs, um festgelegte Inventurpunkte abzugehen.

Zur Erfassung der entsprechenden Parameter im Rahmen des komplexen Inventurverfahrens wurden um den per GPS gesetzten Punkt Radien von 5, 15 und 30 Meter, gezogen, um darin die Baumstämme abzumessen, den Verjüngungsgrad des Waldes festzustellen, Baum- und Pflanzenarten zu bestimmen, Totholz und Biotopbäume zu registrieren oder die Holzmasse zu ermitteln.

Neben der Kartierung der Waldlebensräume stand im Wald die Erfassung von Höhlenbrüter-Vogelarten wie Halsbandschnäpper, Mittelspecht oder Wespenbussard im Fokus. Bei den Säugetieren ging es vor allem um Fledermäuse, wie die Mops-Fledermaus oder das Große Mausohr, bei den Amphibien um Kamm-Molch und Gelbbauchunke und bei den Insekten um den Hirschkäfer. Bei den Pflanzen galt das besondere Interesse dem Grünen Besenmoos, einem Laubmoos.

Positive Zwischenergebnisse

Die Zwischenergebnisse weisen für den Steigerwald in eine sehr positive Richtung, wird mitgeteilt. Die Qualität der Lebensraumtypen werde sich voraussichtlich in einem guten bis sehr guten Erhaltungszustand bewegen. Ein ähnlich guter Trend zeige sich bei den Fledermausarten ab, für die im Nordsteigerwald gute Datengrundlagen vorliegen.

Eine erste Zusammenstellung aller Kartierergebnisse für Wälder und Arten durch das „Regionale Kartierteam Natura 2000“ ist bis Dezember geplant. Diese Ergebnisse sollen dann öffentlich vorgestellt werden und hier wiederum insbesondere den Grundeigentümern und Beteiligten.

Damit auch die nachfolgenden Generationen von der Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes der Schutzgebiete europäischen Ranges profitieren, sind als nächster Schritt im Zusammenspiel aller Beteiligten vor Ort Entwicklungskonzepte, so genannte Managementpläne, zu erarbeiten. Sie bestehen aus einem Grundlagen- und einem Maßnahmenteil. Staatliche Förderung und die fachliche Beratung sollen als Lenkungsinstrumente dienen, damit bei aller Freiwilligkeit im Steigerwald nichts aus dem Ruder läuft.

Bei einer Informationsveranstaltung am Radstein bei Ebrach war im Herbst 2012 Vertretern von Naturschutzbehörden und Umweltverbänden sowie betroffenen privaten Waldbesitzern die Vorgehensweise bei der Kartierung der „Buchenwälder und Wiesentäler des Nordsteigerwaldes“ als Bestandteil des EU-Biotopverbundprojekts „Natura 2000“ vorgestellt worden.

Das Netz der Natura-2000-Schutzgebiete

Der europäische Biotopverbund mit der Bezeichnung „Natura 2000“ soll den Erhalt und, wo nötig, die Wiederherstellung der Vielfalt der Lebensräume und Arten in der Europäischen Union und ihren Mitgliedsstaaten gewährleisten und damit das europäische Naturerbe dauerhaft sichern. Die Grundlage für den Schutz besonders wertvoller, seltener oder gefährdeter Tiere und Pflanzen in ihren natürlichen Lebensräumen bilden die artenschutzrechtlichen Bestimmungen, die in der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie für die FFH-Gebiete sowie in der Vogelschutzrichtlinie für die SPA-Vogelschutzgebiete festgelegt sind. SPA ist die Abkürzung für „Special Protection Area“ – auf Deutsch Sonderschutzgebiet. In Bayern bilden 745 Schutzgebiete der genannten beiden Kategorien mit insgesamt 797 000 Hektar das Natura-2000-Schutzgebietsnetz. Dies entspricht 11,3 Prozent der Landesfläche im Freistaat. Wälder sind in Bayern in den Natura-2000-Gebieten mit 450 000 Hektar oder 56 Prozent überproportional beteiligt. Dem Steigerwald kommt dabei eine besondere europäische Verantwortung im Hinblick auf den Schutz und die Erhaltung der Buchenwälder zu. Novo

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