SCHWEINFURT

Weltpremiere für die gezupfte Zauberflöte?

Bühne frei für ein Klangexperiment: Die Zauberflöte, gezupft vom Mandolinen- und Gitarrenorchester, in der Bearbeitung von Dirigent Julian Habryka und begleitet von den Solisten Elias Wolf, Stefan Schneider und Maximiliane Schweda (von links) sowie Sprecher Christian Maurischat (rechts).
Bühne frei für ein Klangexperiment: Die Zauberflöte, gezupft vom Mandolinen- und Gitarrenorchester, in der Bearbeitung von Dirigent Julian Habryka und begleitet von den Solisten Elias Wolf, Stefan Schneider und Maximiliane Schweda (von links) sowie Sprecher Christian Maurischat (rechts). Foto: Daniela Schneider

Wer kennt sie nicht: Die weltberühmte „Zauberflöte“ von Mozart, eine Oper in zwei Aufzügen, im Original gut drei Stunden lang. Die Musikerinnen und Musiker vom Mandolinen- und Gitarrenorchesters der Naturfreunde Schweinfurt haben vermutlich etwas geschluckt, als Dirigent Julian Habryka das Projekt „Zauberflöte trifft Zupforchester“ für das traditionelle Jahreskonzert des Ensembles ins Gespräch brachte.

Allen war klar, dass ein solches Konzert nicht nur den üblichen konzertanten Zeitrahmen sprengen, sondern dazu allen Instrumentalisten die allerhöchste Konzentration abverlangen würde, allen voran den melodientragenden ersten und zweiten Mandolinen. Doch das Vertrauen in Habryka, der seit 2014 das Ensemble leitet, ist groß, wie Gitarrist Harald Gogger erzählte. Alle wollten das klangliche, höchst anspruchsvolle Experiment wagen.

Sechs Monate lang wurde geprobt

Sechs Monate wurde geprobt und zum Ende noch einmal richtig „Gas gegeben“, verrät Orchestersprecherin Dagmar Kutsche. Nur zwei Proben gab es mit den Gesangssolisten, Maximiliane Schweda, Stefan Schneider und Elias Wolf. Insgesamt wurde jedes der etwa 20 Stücke quasi nur einmal generalgeprobt. Die Mühen haben sich gelohnt – und so gab es sie nun: Die Zauberflöte gezupft, von Habryka genial bearbeitet als gut 100-minütige Fassung für Zupforchester, drei Sänger und Erzähler im vollbesetzten Saal des Naturfreundehauses.

Um es gleich mal vorweg zu nehmen: Ein tolles Erlebnis, vermutlich eine Weltpremiere. Denn eine Bearbeitung der Zauberflöte für Zupforchester gab es, wie das Programm verrät, bis jetzt „wahrscheinlich noch nie“. Der Saal im Naturfreundehaus ist schlicht, das Bühnenbild mehr als dezent, nur einige Vogelkäfige deuten an, dass hier womöglich ein Vogelfänger seine Arbeit tut. Es gibt auch keine prächtigen Kostüme, nicht die opulente Oper wird hier von einem glänzend aufgelegten Ensemble gezeigt, sondern das schlichte Singspiel, das die Zauberflöte eben auch ist.

Der Erzähler spinnt den roten Faden

Im samtigen Ohrensessel spinnt Christian Maurischat, „alter“ rhetorischer Bekannter bei den Konzerten, den erzählerischen Faden, sorgt dort für verständlichen Brückenbau, wo Opernelemente der Fassung halber fehlten. Die drei Sänger, allesamt ehemalige Studienkollegen des jungen Dirigenten, schlüpfen in verschiedene Rollen; auch für sie ist dieser Abend sicherlich ungewöhnlich, müssen sie sich doch wie auf Knopfdruck zwischen Gut und Böse, Liebe und hasserfüllter Rache, schalkhafter Unstetigkeit und souveränem Herrscherstil bewegen.

Die Bonner Sopranistin Maximiliane Schweda präsentiert eine lyrische Pamina, das Herzenstäubchen, gestaltet aber auch die dramatischen, rachsüchtigen Koloraturpassagen der Königin der Nacht mit klanggewaltiger Strahlkraft. Stefan Schneider erweckt mit empfindsamer Tenorstimme erst Tamino zum Leben („Dies Bildnis ist bezaubernd schön“) und überzeugt dann als Bösewicht Monostatos, während Elias Wolf mit raumfüllendem Bass Sarastos Stimme verleiht und dann mit fülligem Bariton einen schelmischen Papageno „Der Vogelfänger bin ich ja“ mimt.

Am Ende gibt es minutenlangen Applaus

Unter der stilsicheren Führung Habrykas zaubert das Zupforchester dazu auf den Punkt die klangmalerische Instrumentalumrahmung, mal hochdramatisch dann wieder luftig-leicht – ein abwechslungsreicher Ohrenschmaus, der in diesem Rahmen ohne die Kulturförderung der Stadt Schweinfurt nicht möglich gewesen wäre, wie Dagmar Kutscher betont. Immer wieder gab es spontanen Szenenapplaus, zum Ende dann minutenlangen Applaus und stehende Ovationen für ein sichtlich zufriedenes Ensemble und dieses mutige, spannende und durchweg gelungene Experiment.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Schweinfurt
  • Daniela Schneider
  • Die Zauberflöte
  • Erzähler
  • Mandoline
  • Naturfreunde Schweinfurt
  • Oper
  • Stadt Schweinfurt
  • Stefan Schneider
  • Wolfgang Amadeus Mozart
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!