SCHWEINFURT

Weniger Lebensmittel, mehr Bedürftige

Armut in Mecklenburg-Vorpommern nach wie vor hoch
Tafel braucht Spenden: Die Verantwortlichen der Schweinfurter Tafel hoffen auf Spenden der Bevölkerung. Benötigt werden unter anderem Mehl oder Zucker. Foto: Stefan Sauer/dpa

Die Schweinfurter Tafel hat im Juli wegen der zu großen Nachfrage bei gleichzeitig weniger zur Verfügung gestellter Lebensmittel einen befristeten Ausgabestopp für Berechtigungsscheine aussprechen müssen.

Geplant war ein Stopp bis Ende September, erfreulicherweise konnte die Tafel „die Schleuse aber schneller wieder öffnen“, freute sich Vorstandsmitglied Friedhelm Dapper. Die Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie geben die Berechtigungsscheine an Bedürftige wieder ab dieser Woche, beziehungsweise ab 15. September aus.

Seit 2003 sammelt die Schweinfurter Tafel qualitativ einwandfreie Lebensmittel (die kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum stehen) bei derzeit rund 50 Firmen in der Region ein. Ehrenamtliche Mitarbeiter holen sie ab und verteilen die Produkte gegen einen Betrag von drei Euro im Tafel-Laden am Bergl an Bedürftige in Stadt und Landkreis.

Lebensmittel erhalten nur Menschen, die einen Berechtigungsschein vorweisen können. Dazu müssen Auflagen gemäß der „Hartz-IV“-Gesetze oder dem Sozialgesetzbuch II erfüllt sein. In Stadt und Landkreis gibt es weit mehr Berechtigte, als die bisher durchschnittlich 600 regelmäßigen Kunden der Tafel. Zuletzt war ihre Zahl aber stark angestiegen.

Vorstandsmitglied Friedhelm Dapper und Brigitte Salzer, eine Helferin der ersten Stunde, erläuterten in einem Gespräch mit der Redaktion die Gründe: Zum einen sind Sozialhilfeempfänger gekommen, die das Tafelangebot bisher noch nicht nutzten. Die zweite bisher kaum in Erscheinung getretene Gruppe sind die Flüchtlinge aus den Unterkünften in Stadt und Landkreis (nicht Erstaufnahmeeinrichtung). Dapper stellt klar, dass nicht die Asylsituation den Anstieg verursacht hat, sondern letztlich die offensichtlich „größer werdende Armut in unserer Gesellschaft“.

Hinzu sei aber ausgerechnet in diesem Zeitraum gekommen, dass die „Lebensmittel knapper wurden“. Warum gegenüber den Vormonaten weniger sonst übrig gebliebene Waren zur Verfügung standen, das hätten sich auch einige Marktinhaber nicht erklären können, schildert Dapper. Folge war aber, dass die Regale im Tafelladen schneller leer waren und etliche Kunden, die anstanden, leer ausgingen. Freude hat das keine gemacht.

Deshalb habe man den nun wieder aufgehobenen Ausgabestopp verfügt. Caritas und Diakonie wollen behutsam vorgehen und nicht an alle Berechtigte, Sozialhilfeempfängern und Flüchtlingen in den Notunterkünften, auf einmal die Berechtigungsscheine ausgeben.

Dapper und Co. hoffen auf weitere Unterstützung der Bevölkerung:

• Die Tafel ist den rund 50 Märkten und Bäckereien dankbar, die Lebensmittel zur Verfügung stellen. Sie hofft, dass sich weitere Märkte melden, die noch gut erhaltene Produkte, die bisher vielleicht weggeworfen würden, der Tafel geben.

• Was nicht jeder weiß: Auch Privatleute können gut erhaltene Lebensmittel in Originalpackungen in der Tafelzentrale abliefern. Gerade jetzt wäre diese Möglichkeit eine echte Hilfe bei der Unterstützung vor allem der Flüchtlinge. „Nachgefragt sind von ihnen vor allem Mehl, Milch, Zucker Eier und Öl.“ Dapper macht eine einfache Rechnung auf: Wenn 20 Mitbürger je fünf Tüten Mehl kaufen und vorbeibringen, wäre 100 Familien geholfen. Auch frisches Obst ist stark nachgefragt.

• Die Tafel benötigt wegen der großzügigen Öffnungszeiten weiterhin ehrenamtliche Mitarbeiter. Vor allem sind „Springer“ nötig, also Helfer, die kurzfristig erreichbar und einspringen können, wenn ein „fester“ eingeteilter Helfer wegen Erkrankung ausfällt oder überraschend eine Palette Lebensmittel angeliefert wird.

• Das Brauhaus Schweinfurt hat bis zur Pleite kostenlos alkoholfreie Getränke für die Mitarbeiter zur Verfügung gestellt. „Das hat uns gut getan“, sagt Dapper. Die Kulmbacher Brauerei hat zwar zweimal kostenlos Getränke geliefert. Trinken müssen aber auch die Ehrenamtlichen während ihrer Tätigkeit. Die Tafel sucht deshalb einen Hersteller oder Sponsor, der regelmäßig, kostenlos und nur für die Ehrenamtlichen Getränke liefert oder die Lieferung zahlt.

Kontakt zur Schweinfurter Tafel in der Brombergstraße9 am Bergl: Tel. (0 97 21) 94 13 690, Mobil 0172/94 08 192, Fax (0 97 21) 94 13 689, E-Mail: mail@schweinfurter-tafel.de. Weitere Infos im Internet unter www.schweinfurter-tafel.de

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