Schweinfurt

Wenn aus einem Unfall eine Katastrophe wird

Im Luftschutzkeller an der Niederwerrner Straße wird der Schutz der Schweinfurter vor den Folgen von Terror, Wetterkatastrophen oder einem atomaren Unfall koordiniert.
Auch bei Bränden erleichtert die Informationstechnik den Schutz der Bevölkerung. Was wo gelagert wird und welche Gefahren drohen, ist in kürzester Zeit abzurufen. Das Foto entstand im August 2017 bei einem Werkstattbrand in Dittelbrunn, bei dem der Austritt von giftigen Gasen zu befürchten war. Foto: Gerd Landgraf

Im Jahr 2016 hat die Stadt den Katastrophenschutz verselbstständig und die Vorkehrungen für den Fall eines schweren Unglücks, der verheerenden Folgen eines Naturereignisses wie auch eines atomaren Notfalls (im nahen Kernkraftwerk Grafenrheinfeld) in dem neuen Sachgebiet Katastrophenschutz gebündelt. Vor zwei Jahren bekam Sachgebietsleiter Andreas Oesterreich eine Halbtagskraft zur Unterstützung. Aktuell haben drei Sachbearbeiter alle Hände voll zu tun, so der städtische Sicherheitsreferent Jan von Lackum im Gespräch mit der Redaktion.

Die Neuausrichtung hatte Oberbürgermeister Sebastian Remelé damals begründet: "Die Aufgaben haben sich verändert, wir zum Beispiel müssen aufgrund der Einrichtung eines Brennelements-Zwischenlagers am KKG auch einen nuklearen Katastrophenschutz vorhalten. Und natürlich nimmt die Bedeutung dieses Themas nicht zuletzt durch die Terroranschläge in den vergangenen Monaten in ganz Europa zu."

Unter den Aufgaben des Katastrophenschutzes sind vor allem die Fortschreibung der Schutz-, Alarm- und Einsatzpläne, die Regelung der Einssatzleitung inklusive Aus- und Fortbildung, die Sicherstellung der Alarmierung, die Beschaffung und Prüfung der Ausrüstung sowie die Durchführung von Übungen zu nennen.    

Tagelang und rund um die Uhr

Die örtliche Einsatzleitung ist in Schweinfurt zuvorderst mit Beschäftigten der Städtischen Feuerwache besetzt. Verstärkt wird die Führungsgruppe aus Mitarbeitern der Stadtverwaltung. Die Sollstärke liegt bei 20 Kräften. Bei einer Gesamtstärke von 83 Personen ist garantiert, dass die Führungsgruppe rund um die Uhr und auch über mehrere Tage hinweg unter voller Belastung arbeiten kann.

Die Leitung der Führungsgruppe, die über die Einordnung zum Katastrophenfall entscheidet und die Gegenmaßnahmen wie etwa eine Evakuierung einleitet, liegt bei Sicherheitsreferent Jan von Lackum. Auch hat die Führungsgruppe alles zu organisieren, was die Einsatzkräfte vor Ort nicht leisten oder beschaffen können, darunter Sandsäcke, Transporter, Hubschrauber oder Unterkünfte. Die Anforderungen richten sich nach der Art des Unglücks – Chemieunfall, Flugzeugabsturz oder Eisenbahnunglück, Großbrand, Bombenfund, Stromausfall, Tierseuche oder etwa ein Hochwasser.

Zehn Störfallbetriebe

Zur Alltagsarbeit des Sachgebiets Katastrophenschutz gehören Begehungen, insbesondere in den zehn "Störfallbetrieben" auf Stadtgebiet. Die Großindustrie, aber auch die sonstigen Lager für Schmiermittel, Öle und Gase, für Dünge- sowie Pflanzenschutzmittel und für weitere Produkte der chemischen Industrie zählen zu den Störfallbetrieben, deren Sicherheitsmanagement regelmäßig zu prüfen ist.

Besonders arbeitsintensiv ist das Einpflegen der aktuellen und sich häufig änderten Daten in die Katastrophenschutzpläne, die seit 2016 mit dem System "GeoKAT" bayernweit auf den Stand moderner Informationstechniken gebracht werden. Diese Software vernetzt jetzt auch die Hilfeleistungen der knapp 500 000 Frauen und Männer bei den Feuerwehren und Hilfsorganisationen im Freistaat.  So haben alle Katastrophenschutzbehörden vor Ort und jederzeit Zugriff auf das benötigte Einsatzpotential. Mit GeoKAT lassen sich alle wichtige Fragen in kürzester Zeit abrufen (befinden sich Schulen oder Altenheime im gefährdeten Gebiet?, wo gibt es Feldbetten?, welche Zugänge, Gefahrenquellen oder Besonderheiten hat ein Betriebsgelände?).

Gesteuert und mit allem versorgt, was die Einsatzkräfte vor Ort nicht leisten oder beschaffen können, werden die Helfer im Katastrophenfall von der Führungsgruppe im Luftschutzraum auf dem Gelände der Feuerwache. Foto: Christian Buchholz

Für die Führungsgruppe ist bei der Feuerwehr an der Niederwerrner Straße ein Luftschutzraum eingerichtet, der auch bei den Übungen genutzt wird. Von dort wäre bei einem atomaren Unfall im Kernkraftwerk Grafenrheinfeld eine Evakuierung von Oberndorf zu steuern. Teile des Stadtteils zählen zu der "Zentralzone" am KKG. Im Falle eines Falles soll Oberndorf binnen sechs Stunden evakuiert sein.      

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